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Kritisch und quer gedacht

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Donnerstag, 2. Februar 2012

Die Geburt - Bücher sollte man grundsätzlich nicht als ungeprüfte Wahrheit übernehmen

Bücher ersetzen nicht die Kommunikation zwischen Generationen und Menschen. Eine persönliche Sicht auf das Ereignis "Geburt". 

In der heutigen Zeit scheint eine Geburt fast schon eine Krankheit zu sein. Ein seltenes Ereignis, das von der gesamten Gesellschaft Aufmerksamkeit einfordert. Angehende Mütter und Väter, die diesem Ereignis das erste Mal entgegen fiebern, verschlingen Bücher und Zeitschriften. Man wird förmlich von sämtlichen Sonderausgaben über Babys und Eltern belagert. Werdende Eltern sind ein lukrativer Markt. Das sollte man nie aus den Augen verlieren.

Von überall her strömen angeblich Informationen. Der heutige Mensch neigt dazu alte Weisheiten und Erfahrungen zu Geburten zu ignorieren. "Natürliche" Geburt ist trendy. Wobei ich für mich selber feststellen muss: jede Geburt ist natürlich, wenn die Mutter sich nicht unbedingt etwas einreden will, wie ihre Geburt abzulaufen hat, also auf ein bestimmtes Schema fixiert ist.

Wehen sind keine Schmerzen. Es ist nichts, wo vor man Angst haben muss. Sie tauchen in Intervallen auf und lassen so genügend Zeit zur Erholung. Die bedauernswerteste Person bei diesem Akt ist wohl der Vater, der hilflos zum Zuschauer wird. Nicht jeder Mann ist von Natur aus ein Geburtshelfer und nicht jeder fühlt sich als Held, wenn er die Nabelschnur abschneidet. Ein bisschen mehr Empathie wäre vielleicht von Seiten der Mütter angebracht. Auch Väter sollten sich überprüfen, ob sie nur eine sich selbst auferlegte Rolle spielen oder tatsächlich Geburtshelfer sein wollen.

Längst ist es in gesellschaftliche Vergessenheit geraten, das vor nicht all zu langer Zeit sehr viele Frauen und Kinder bei der Geburt starben. Es galt als Fortschritt, sein Kind im "Kranken"haus zu gebären. Durch die gestiegene Mobilität heute kein Problem mehr.

Hebammen wußten einigen Jahrhunderten sehr viel mehr als Ärzte und doch halte ich es persönlich für keinen Fehler, sein Kind in einer Klinik zur Welt zu bringen. Ich halte es auch nicht für richtig, einen gesellschaftlichen Druck auf Frauen auszuüben, die eine Klinik einem Geburtshaus oder eine Hausgeburt vorziehen.

Man wird dort auch nicht als Kranke behandelt, zumindest da, wo ich gebar. Ich halte es auch für naiv zu glauben, dass die Babys nach der Geburt alle bei der Mutter im Arm schliefen. Wer viele Kinder hat und diese auch noch in kurzen Abständen gebärt, braucht auch seine Ruhe. Doch welche Mutter würde sich da eingestehen, das wäre unmütterlich. Wer heute eine Hausgeburt will, hat immer im Hinterkopf bei Komplikationen ins Krankenhaus zu gehen. So viel Ehrlichkeit sich selber gegenüber muss sein. Niemand ist bereit das Risiko einer Komplikation auf sich zu nehmen, nur der Arzt.

Eine Geburt ist heute ein Großereignis. Das gesamte Umfeld ist direkt mit einbezogen und trotzdem gibt es kaum noch Möglichkeiten der Kommunikation zwischen den Generationen. Daher denke ich, man sollte die mannigfaltig angebotene Literatur zu Geburt und Schwangerschaft mit einem gesunden Abstand lesen und nicht jedes Buch als ultimative Wahrheit annehmen.

Jede Geburt ist natürlich. Jede Mutter fühlt sich in einer anderen Stellung am Wohlsten. Diese Freiheit sollte man jeder werdenden Mutter gönnen. Jede neu entdeckte "natürliche" Geburt aus einem Buch oder Bericht ist eben nur ein Erfahrungsbericht, der nicht grundsätzlich Gültigkeit hat. Mir z. B. sagte man, dass Gehen während den Wehen eine Wohltat sein. Ich entwickelte auch den entsprechenden Willen dazu, obwohl ich mich nicht auf den Beinen halte konnte. Bis die Hebamme mir zuredete und mich davon überzeugte, dass nicht alles was einer anderen Frau gut tut, auch zwangsläufig das Beste für mich sei.

Ich bin ihr heute noch dafür dankbar. Sie gab mir damit meinen freien Willen zurück. Ich hörte von da an auf meinen Körper. Mir stand jede Möglichkeit offen: eine Wassergeburt, eine Sitzgeburt oder ein heißes Bad. Ich muss gestehen. Keine 10 Pferde hätte mich in eine Badewanne gebraucht, außer ich hätte es mir vorher durch Literatur zu meinem angeblichen freien Willen gemacht - doch dann wäre es nur ein Erfüllung von selbst auferlegten Pflichten und Normen gewesen, aber nicht mein freier Wille und schon gar nicht natürlich.

Der Begriff natürlich bedeutet, dass man das tut, was man für richtig hält. Eine feste Stellung bei der Geburt als "natürlich" zu beschreiben ist nicht mehr natürlich, sondern eine Norm. Ich hätte mein Kind auch in einem Stadion oder vor laufenden Kamera zur Welt gebracht, denn das alles wäre mir in diesem Moment schnurzegal gewesen. Vermutlich ist diese "Natürlichkeit" das erschreckende für  viele werdende Mütter. Ihre über 9 Monate heran gezüchtete Vorstellung von Geburt platzt innerhalb weniger Stunden. Sie nehmen sich plötzlich nicht mehr mit den Augen ihrer Außenwelt war, sondern sind  nur noch sich selbst.  Was nicht jederfrau Sache ist. Man lässt sich doch nicht gehen ...

Den unten eingebunden Film fand ich persönlich sehr interessant. Bitte nicht als Wahrheit nehmen, sondern als Anregung für eine neue Sichtweise auf die Dinge. Eigentlich alle Begriffe im heutigen Sprachgebrauch sind von Zeit und Raum geprägt, in dem sie gerade stattfinden. Selten macht man sich Gedanken, wie diese Begriffe zu einer anderen Zeit in einem anderen Raum verwendet wurden, geschweige denn, wie sich Emotionen zu Begriffen im Laufe der Zeit wandeln.

Zum Thema Impfen: Die Problematik der heutigen Impfungen ist das Cocktail, das verabreicht wrrde. Früher - schönes Wort - aber man darf es nicht emotional sehen, sondern von der Emotion (alte Kamelle) frei machen - wurde mit Abstand und einzeln geimpft. Nicht jede Impfung ist sinnvoll. Doch wer einmal eine Blutvergiftung hatte, weiss was heutige Medizin leisten kann.

Die Hebamme - Auf Leben Und Tod

Der von mir vorgestellte Film spielt in Tirol, im Jahr 1813. Hebamme Rosa (Brigitte Hobmeier) wird wegen ihrer beruflichen und menschlichen Qualitäten im ganzen Dorf geschätzt. Als ihre jüngere Schwester aber schwanger wird, sind beide Frauen gezwungen in die Stadt zu fliehen. Dort beginnt Rosa in einer fragwürdigen Gebäranstalt zu arbeiten.







Klinikgeburt:

Früher (kicher - wieder diese schöne emotionale Wort), waren oft Großmutter und Urgroßmutter noch im selben Haus oder in unmittelbarer Nähe zur Tochter bzw. Enkelin, die gebar. Die häusliche Hilfe nach einer Geburt war somit gewährleistet. Wer heute nach der Geburt sofort nach Hause geht, ist auf sich alleine gestellt.

Ich hatte einen angenehmen, fünf Tage dauernden Geburtsaufenthalt in der Klinik. Ich hatte mein Baby bei mir. Nacht wurde es mir von fürsorglichen und aufopfernden Krankenschwestern (falsch Bezeichnung - ich sage in diesem Fall, Familienhelferinnen) zum Stillen ins Zimmer gebracht - und das mehrfach in der Nacht. So bekam ich einen Vorgeschmack auf das, was mich erwartet.

Ich wurde umsorgt, bemuttert und bekocht. Danach war ich stark genug, mich der Aufgabe "Mutter" alleine zu stellen.

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