Mittwoch, 28. Mai 2008

Antarktis als Streitpunkt

Der diplomatische Nordpol-Krieg hat schon längst begonnen


Die Arktis-Anrainerstaaten treffen sich vom 26. - bis 29.05.2008 zur Arktis-Konferenz im kleinen Ort Ilulissat in Grönland. (Russland, USA, Kanada und Norwegen mit den Gastgebern Grönland und Dänemark). Sie wollen die künftige Orientierung und Verwaltung des Ozeans und der Antarktis verabschieden. Keine Einladung erhielten Island, Schweden und Finnland.

Norwegen und Russland sind die einzigen teilnehmenden Länder, die ihre Ölvorkommen und die daraus resultierenden Einnahmen zum Nutzen der eigenen Bevölkerung verwalten. Die USA, Kanada und Grönland sind in dieser Konferenz nur die Spracherohre der dortigen Ölindustrie, die die staatlichen Ressourcen zu ihrem Wohle ausnutzen.

Unter diesem Gesichtspunkt muss auch der Irakkrieg gesehen werden. Hier wird sogar die Demokratie der USA durch einen Öl-Präsidenten so ausgenutzt, dass diese Demokratie einen Krieg für private Geldinteresseren führen muss und mit allen nur möglichen Optionen versuchte und versucht die gesamte Welt für den Privatkrieg der amerikanischen Ölkonzerne zu gewinnen.

Die arktischen Fünf können sich natürlich nicht die ganze Arktis unter den Nagel reißen. Dafür aber sind sie durchaus in der Lage, eine Liste von Regeln zu erstellen, die die restlichen Nicht-Mitglieder des arktischen Clubs annehmen müssen. Russland, Kanada, die USA, Dänemark und Norwegen haben „nach dem Geburtsrecht“ immer besondere Ansprüche auf alles, was sich rund um den Arktischen Ozean befindet.

Wie soll aufgeteilt werden?

Der Status des Kontinentalschelfs (grob gesagt, der Fortsetzung des Kontinents auf dem Meeresgrund) wird durch die Festlandsockel-Konvention von 1958 und der UN-Seerechtskonvention von 1982, der „maritimen Verfassung der Welt“, geregelt. Nach der ersten gehört alles bis zur Grenze des Kontinents zum Festlandsockel, nach der zweiten gehört alles in einer Entfernung von 200 bis 350 Seemeilen vom Territorialgewässer oder 100 Meilen von 2500 Meter tiefen Gewässern zum Festlandsockel.

Die Kanadier schlugen ein „Sektor-Prinzip“ vor, nach dem die Grenzen von den Außenpunkten der Staatsterritorien nach den Meridianen bis hin zum Pol gezogen werden. Bis 2001 wurde Kanada dabei von Russland unterstützt. Bei dieser Grenzziehung wurde die Arktis wie das obere Stück einer Wassermelone in sehr ungleiche Teile gespalten: Russland bekam das größte Stück (circa 5,8 Millionen Quadratkilometer), weiter folgten Kanada, Dänemark mit Grönland, Norwegen und zuletzt die USA.

Natürlich passt die Grenzziehung Washington nicht.

Die Amerikaner haben die Konvention von 1982 bislang nicht ratifiziert und pfeifen auf alle Abgrenzungen. Sie fordern Territorien, die sich 600 Seemeilen lang von Alaska zum Nordpol erstrecken. Dabei bleibt auf dem Erdpol ein „Niemandsland“ mit einer Fläche von circa drei Millionen Quadratkilometern, wo alle fischen und Mineralien fördern können.

Die Dänen haben eine eigene Kalkulationsweise, die am eigenartigsten anmutet. Kopenhagen will die Arktis nach Grenzen aufteilen, die von den interessierten Ländern gleich weit entfernt sind. Da Grönland dem Pol am nächsten liegt, wird er bei dieser Variante Dänemark gehören. Dänemark wird überhaupt ein Stück bekommen, das fast so groß ist wie das kanadische. Russland verliert dabei circa 1,8 Millionen Quadratkilometer. Die EU unterstützt Dänemark, da sie mit dessen Hilfe ein Stück der Arktis bekommen will.

Bis 2001 hielt sich Russland an das Sektor-Prinzip, ratifizierte 1997 aber die Konvention von 1982 und stimmte dabei dessen Einschränkungen zu. Der Staat kann entweder 350 Meilen des Kontinentalschelfs oder 100 Meilen außerhalb des Schelfs, gemessen von 2500 Metern tiefen Gewässern, beanspruchen. Russland hat die letzte Variante gewählt und versucht jetzt zu beweisen, dass der unter Wasser liegende Lomonossow-Rücken eine Fortsetzung des sibirischen Festland-Sockels ist und Russland alle Rechte daran zustehen.

Wenn Russland das beweisen kann, wird der Nordpol Russland zugesprochen. Doch das wird schwerer werden, als dessen Eroberung und US-Vizeaußenminister John Negroponte unterstrich im September 2007: „Die USA sind bereit, ihr Recht auf die in diesem Festlandssockel liegenden Reserven zu verteidigen."

Hoffnung auf neues Öl unter der Antartis

Die erschlossenen Öl-Vorkommen gehen zur Neige. Russlands Ölreserven reichen nach Schätzungen noch bis 2030, die amerikanischen noch zehn und die Norwegens rund sieben Jahre. Die Suche nach neuen Lagerstätten muss zwangsläufig intensiviert werden, und je höher der Erdölpreis steigt, desto lukrativer wird die Rohölförderung auch in schwer zugänglichen Gebieten wie der Arktis.

Also ist die Sorge um die Antarktis bezüglich des Klimawandels nur vorgegaukelt in Wirklichkeit geht es wieder einmal um Rohstoffe, für die sich Demokratien einsetzen müssen, damit private Unternehmen diese teuer verkaufen können.

Bush zögerte nicht der UN falsche Beweise vorzulegen, um in den Irak einmarschieren zu können. Also wird die US-Regierung auch einen Trick auf Lager haben, der die "Verteidigung" der Antarktis notwendig macht. Nur wird die USA dieses Mal nicht wieder den Fehler begehen, ihre Lügen so schnell aufdeckten zu lassen.

Denn der Politik wird immer wieder aufs Neue eingeredet, dass nur die Nation die Globalisierung überstehen kann, die die meisten Rohstoff-Ressourcen für sich sichern kann.

Dies ist aber ein Irrglaube, es ist nur der Kriegsgesang der Wirtschaft. Sie hat noch niemals einen eigenen Krieg für ihre Gewinne führt - sie wusste schon immer wie man Demokratien und auch Monarchien für diesen Frondienst kostenlos anheuert.

Wo kommt das Öl der Zukunft her?

Derzeit werden 86 Millionen Barrel pro Tag gefördert. Der geschätzte Bedarf für 2030 liegt aber bei 120 Millionen Barrel pro Tag. Mittlerweile wird darüber spekuliert, dass der Zenit der Ölförderung bereits schon 2006 erreicht wurde und eine Steigerung der Ölfördermenge wohl nur bis max. 100 Millionen Barrel pro Tag innerhalb der nächsten 10 Jahre erreicht werden kann.

Die IEA prophezeit für 2015 Versorgungsengpass in der Ölversorgung. Unter diesen Aussichten wäre es wohl sinnvoller noch massivere Bemühungen für alternative Energien anzustrengen, als die Staatsgelder in Rüstung und Militär zu pumpen, für einen Rohstoff, der nicht einmal mehr 20 Jahre für alle ausreichen wird.


Weitere Links:
Kalter Krieg um den Nordpol

Nachträge:
Am 24.06.2008 berichtet sie SZ: Russland habe als Reaktion auf ein US-Manöver in Alaska, damit begonnen mögliche Kriegspläne für die Antarktis auszuarbeiten.
Bei dieser US-Übung seien im Raum von Alaska zuletzt 5000 Soldaten, 120 Flugzeuge und mehrere Kriegsschiffe im Einsatz gewesen. Der SZ-Bericht liest sich aber eher, als ob Russland der Aggitator sein.
>>>Originalbericht


Staatskonzerne sollen Schatz im Eismeer heben

Russland schafft Gesetzesgrundlage für Erschließung der Arktis - Staatskonzerne Gasprom und Rosneft profitierenMoskau - Russland hat den Wettlauf um die gewaltigen Energiereserven in der Arktis eröffnet.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat die gesetzliche Grundlage für die Förderung der Rohstoffe im russischen Kontinentalschelf geschaffen. Demzufolge ist die Regierung berechtigt, Aufträge ohne Ausschreibungen zu vergeben. "Diese Entscheidung wurde bewusst getroffen, um unsere nationalen Reichtümer rationell zu nutzen", sagte Medwedew im russischen Fernsehen. Der russische Staat verstärkt damit seine Kontrolle über die nationalen Rohstoffvorräte. Im arktischen Meer werden riesige Öl- und Gaslager vermutet.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ria Nowosti sollen im russischen Kontinentalschelf rund 63 Billionen Kubikmeter Gas, neun Milliarden Tonnen Erdöl unter Wasser und 3,5 Milliarden Tonnen an der Küste schlummern. Dies entspricht etwa einem Viertel der weltweiten Mineralrohstoffvorkommen. Knapper werdende Ressourcen zwingen die Energiekonzerne neue Öl- und Gasquellen anzuzapfen. Aufgrund des Klimaerwärmung werden die arktischen Rohstoffe künftig leichter zugänglich. Nichtsdestotrotz wird die Erschließung und Förderung der Vorkommen Milliarden verschlingen.

Sergej Bogdantschikow, Vorstandschef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, rechnet damit, dass die Entwicklung der russischen Offshore-Vorkommen 61 Billionen Rubel (rund 1,6 Billionen Euro) kosten wird. "Gesetz über Kontinentalschelf" Der Präsident beauftragte Vizepremier Igor Setschin, der der Geheimdienstfraktion Silowiki nahe steht und Aufsichtsratsvorsitzender des staatlichen Ölkonzerns Rosneft ist, mit der möglichst schnellen Umsetzung des "Gesetzes über den Kontinentalschelf". Laut Setschin kommen für die Erschließung des Festlandsockels nur Unternehmen in Frage, an denen der Staat ein Kontrollpaket hält und die bereits fünf Jahre Erfahrung in Sachen Schelferschließung haben.

Damit sind alle privaten und ausländischen Unternehmen aus dem Rennen und die großen Gewinner der staatliche Gaskonzern Gasprom und der staatliche Ölkonzern Rosneft. Analysten bezweifeln jedoch, dass die beiden Staatskonzerne auf Grund des hohen finanziellen Aufwandes und der technischen Herausforderungen ganz ohne internationale Unterstützung auskommen werden. Dazu kommt, dass nicht nur Russland einen Anspruch auf die Schätze im Eismeer erhebt. Auch die übrigen Anrainerstaaten, die USA, Kanada, Island, Dänemark, Norwegen und Russland wollen ihren Teil vom Kuchen. Nach der UN-Seerechtskonvention haben Staaten nur Rechte auf Meeresgrundgebiete im Umkreis von 200 Seemeilen, soweit diese mit dem eigenen Festland verbunden sind. Russland fordert seit 2001 von den Vereinten Nationen eine Anerkennung von zwei Dritteln der Arktis. Um seine Ansprüche zu untermauern, hat der Kreml im vergangenen Sommer eine Expedition in die Arktis geschickt, die symbolträchtig in 4500 Metern Wassertiefe eine Titanflagge gehisst hatte. Doch auch die USA schlafen nicht.

Präsident George W. Bush hob vergangene Woche ein Offshore-Bohrungsverbot auf, das von seinem Vater 1990 in Kraft gesetzt wurde. Nun ist der Ball beim Kongress, der ebenfalls eine Sperre für die Erschließung von Rohstoffvorkommen in den Meeresgebieten verhängt hatte. Obwohl die Sperre am 30. September ausläuft, gilt es als wahrscheinlich, dass der Kongress das Verbot erneuert. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2008)

Quelle: http://derstandard.at/druck/?id=1216325301510

Nordpol: Russland will Grenzen festlegen

Die nächste Kampfansage im Streit um die Arktis hat nun der russische Präsident Dimitri Medwedew verkündet: Er lässt die Grenzen entlang des Festlandsockels im Nordpolarmeer festlegen. Damit will er für Russland die Rohstoffe "für das 21. Jahrhundert" sichern. Das russische Militär will notfalls eingreifen, um die russischen Ansprüche zu verteidigen. Damit kommt Russland den Interessen der anderen Anrainerstaaten der Arktis massiv in die Quere.

Quelle: ORF NEWS 18.09.08

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