Freitag, 9. Mai 2008

Gewerkschaften das neue Spielzeug des Neoliberalismus

Die heutigen Gewerkschaften sind zu riesigen Gebilden herangewachsen, die sich mit ihren Vorsitzenden genauso von dem normalen Gewerkschaftsmitglied unterscheiden, wie unsere Politiker vom Bürger.

Noch in den Jahren von 1950 bis 1980 haben die Arbeiter mit den Gewerkschaften vieles erstritten, das sie jetzt wieder unter dem Kommando der gleichen Gewerkschaften aufgeben müssen. Oft macht es den Anschein, dass die heutigen Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre die unterbittlichsten Vorkämpfer der Arbeitgeber seien.

Die Arbeiter haben bis dato bedingungslos ihren Gewerkschaften getraut und hart Erstittenes wie Flächentarifverträge aufgegeben und verwässert. Jetzt gibt es mehr Betriebsvereinbarungen denn je, die die Arbeiternehmer wieder knechten und zur weiteren Aufrage ihrer Rechte zwingen, die ihre Urgroßväter blutig und hungrig schon währende der Jahrhundertwende um 1900 erstritten haben.

Das Großschrumpfen der Gewerkschaften

Ver.di wurde 1998 auf den Weg gebracht und 2001 aus den Gewerkschaften DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV gegründet. Dadurch sind die verschmolzenen Gewerkschaften zu einem unflexiblen Konstrukt verkommen. Dieser Apparat läßt keinerlei ordentliche Interessenvertretung der vielen Mitglieder mehr zu.

Ganz so als wäre es geplant und im Sinne des Neoliberalismus. Bereits 1998 verfasste die Bertelsmann-Stiftung in der Kommission "Mitbestimmung" die Empfehlungen zur zukünftigen Gestaltung der Mitbestimmung. Mitgewirkt haben u. a.

  • Dieter Schulte - Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Düsseldorf

  • Margret Mönig-Raane -Vorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, Düsseldorf

  • Reinhard Mohn - Vorsitzender des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

  • Hans Matthöfer - Bundesminister a. D.; ehem. Vorsitzender des Vorstandes der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften AG, Frankfurt/Main

  • Herbert Mai - Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Stuttgart

  • Ursula Konitzer - stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Angestellten Gewerkschaft, Hamburg

  • Roland Hohenstein - Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Nestlé Deutschland AG, Frankfurt/Main

  • Edwin Ebert - Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Saarstahl AG, Völklingen

  • Dr. Peter Hartz - Arbeitsdirektor und Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG, Wolfsburg

  • und sämtliche andere aus der Industrie

PDF-Download "Kommission Mitbestimmung"-Bertelsmann-Stiftung



Die Gewerkschaften sind schon lange im System angekommen

1995 wurde die 35 Std.-Woche als Verzicht auf Lohnerhöhung erbarmungslos erstreikt und heute finden sich die Arbeitnehmer mit Arbeitsverträgen wieder, die zum Teil über der 42-Std.-Woche liegen. Betriebsräte vereinbaren für ihre Kollegen mit der Geschäftsleitung Samstagsarbeit und Überstunden, und immer mit dem Argument der Arbeitgeber: "Sonst gibt es Entlassungen".

So ist es kein Wunder, wenn Gewerkschaftsboss, die noch vorher glühende Verfechter des sozialen Ausgleichs waren, plötzlich in den Führungsetagen wiederzufinden sind.

Das aktuellste Beispiel dafür in 2008 ist der Chef der Bahn-Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, er soll neuer Bahn-Personalvorstand im Konzern werden. Die Verhandlung zwischen Hansen und Mehdorn haben der Bahn satte Gewinne beschwert und bezahlt wird immer hinterher - besonders bei der Bahn, wo auch viele Ex- Mandatsträger Unterschlupf gefunden haben, wenn die Verhandlungen ordentlich gelaufen sind.

Siemens macht gleich seine eigene Gewerkschaft

Aber heutzutage machen Firmen wie Siemens gleich eine eigene Gewerkschaft auf - siehe AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger). Wilhelm Schelsky (Unternehmensberater) erhielt ab 1998 insgesamt 50 bis 60 Millionen Euro von der Siemens AG, um aus der Betriebsräteorganisation AUB eine arbeitgeberfreundliche Alternative zur IG Metall aufzubauen. Heute sitzt er in Untersuchungshaft und sieht keine Schuld bei sich in der Betriebsräteaffäre - er habe nur die Vorgaben des Konzerns erfüllt.

Gottfried Linn wurde als AUB-Bundesgeschäftsführer jahrelang direkt von Siemens bezahlt - natürlich wusste er von nichts und wechselte 2001 in die Personalabteilung der damaligen Siemens-Handysparte. Nach dem dieser Geschäftsbereich wieder wegfiel und auch er rationalisiert wurde, ging es zurück in die AUB als hessischer Landesgeschäftsführer.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Adam soll auch von Schelsky "Siemens"-Wahlkampfspenden angenommen haben, ohne diese auszuweisen. Er spricht von 60.000 Euro, in Justizkreisen wird von 110.000 Euro gesprochen. Nach Adams Aussage hätte Siemens das Werk in Greifswald ohne Schelsky geschlossen. Dazu muss man aber wissen, dass Greifswald enorme Zugeständnisse und Anstrengungen für den Erhalt des Werkes unternommen hat.

Und hier verknüpfen sich wieder die Dräht von Unternehmern über psydo Gewerkschaften hin zu den Politikern und umgekehrt.


Gewerkschaften halten immer noch an prozentualen Lohnerhöhungen fest

Aber das eigentliche Problem der Gewerkschaften, die prozentuale Lohn- und Gehaltserhöhung ist nicht abgeschafft. Noch immer jagen die Gewerkschaften die kleinen Geringverdiener auf die Straße, um die Gehälter der gehobenen Administration aufzubessern. Das Aufbegehren in den 1980er Jahren wegen dieses Defizits ist bis heute mit kleinen Einmalzahlungen ruhig gestellt worden.

Anstatt sich gegen die moderne Sklaverei der Leiharbeiterfirmen aufzulehnen, sind die Gewerkschaften jetzt damit beschäftigt, diese auch noch gewerkschaftlich zu organisieren - wodurch sie sich mehr Beiträge versprechen. Auch in den Gewerkschaften hat sich die Demokratie der Organisation verselbständigt und entdemokratisiert mit der Gier nach Geld. Richtig wäre es gegen die Leiharbeiterfirmen zu streiken und zwar bundesweit.

Weitere Link:
Streikkultur Deutschland 18. - 19 Jh.
WSW - Vom Gewerkschaftsboss zum Personalchef

1 Kommentar:

Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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