Mittwoch, 25. März 2009

Joachim Brunner: 1.000.000 Mrd. Derivate könnten platzen!

(premiumpresse-orginal-artikel) - Swiss Trading: Interview zur Finanz- und Wirtschaftskrise mit Joachim Brunner dem Autor des Buches Finanzkrise 2008

In Deutschland wurde Finanzkrise zum Wort des Jahres gewählt und zeigt damit, wie stark wir uns alle mit dem Umstand der Finanzkrise beschäftigen.

Uns ist es gelungen, Joachim Brunner, der aktuell versucht in seinem Buch Finanzkrise 2008 Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen die Hintergründe der Krise zu klären, für ein umfangreiches Interview zu dieser Thematik zu gewinnen. Heute präsentieren wir Ihnen das gesamte Interview.

Viel Spaß beim Lesen

Swiss Trading: Herr Brunner, Gratulation zu Ihrem Buch Finanzkrise 2008 Wie es dazu kam und mit welchen Folgen wir rechnen müssen, das gerade in seiner zweiten Auflage erschienen ist. In diesem beschreiben Sie neben der Entstehung der Finanzkrise auch konkrete Szenarien wie wir aus dieser wieder heraus kommen. Womit müssen wir als Anleger noch rechnen

Brunner: Zuerst möchte ich mich für die Möglichkeit des Interviews bedanken. Ich glaube, Sie haben Ihre Frage zu sehr eingeschränkt. Diese Krise betrifft nicht nur die Anleger, diese Krise betrifft alle Menschen auch die, die nicht an der Börse investiert sind.



Swiss Trading: Sie meinen über die verteuerten Kredite und die erhöhte Staatsverschuldung

Brunner: Zum Beispiel. Aber nicht nur, bedenken Sie, dass die Finanzkrise auch eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst hat und damit eine Menge an Arbeitsplätzen verloren gehen könnten.

Swiss Trading: Sie meinen wohl gehen

Brunner: Nicht unbedingt. Wenn es die Politiker geschickt angehen, können wir durch diese Systemkrise gut durchtauchen. Dass die Arbeitslosigkeit zwangsläufig steigt, ist aber leider auch ein Fakt. Das Problem ist jedoch, dass wir eine Systemkrise haben und nicht eine allgemeine Banken- oder Wirtschaftskrise. Die Marktwirtschaft bzw. der Kapitalismus muss einfach nach einer gewissen Zeit zusammenbrechen, das bedingt alleine schon der Zinseszinseffekt und wie unser Geld geschöpft wird.

Swiss Trading: Können Sie das vielleicht noch ein wenig genauer beschreiben

Brunner: Ich meine damit eigentlich nur, dass unser System auf Schulden aufgebaut ist. Kaum ein westlicher Staat hat in den letzten Jahren seine Schulden reduziert sondern jedes Jahr mehr Schulden angehäuft, was nichts anderes heißt, als dass schon für die Zinstilgung neue Schulden gemacht werden. Aber für diese Schulden müssen auch Zinsen bezahlt werden. Bedenken Sie aus einer Mrd. Schulden werden bei 5 % Zinsen nach 30 Jahren 4 Mrd. nach 50 Jahren bereits 11 Mrd. und nach 80 Jahren 47 Mrd. Schulden. Somit bekommen wir durch die Zinsen eine exponentielle Funktion in unser Wirtschaftssystem und das wiederum bedeutet, dass es irgendwann wieder auf Null gestellt werden muss.

Swiss Trading: Ja, aber unsere Verschuldung ist im Verhältnis zum BIP noch immer akzeptabel.

Brunner: Vergessen Sie doch diese Kennzahl. Was hat das BIP mit den Schulden des Staates zu tun Sie vergleichen ja auch nicht die Verbindlichkeiten eines Unternehmens mit dem Gesamtumsatz der ganzen Branche. Ich weiss, der Vergleich hinkt ein wenig, aber wir müssten die Staatsverschuldung mit den Einnahmen also Umsatz vergleichen und das wiederum ist das Steueraufkommen oder Jahresbudget jeder Nation. In Deutschland belaufen sich die Steuereinnahmen (Bund, Länder und Kommunen) auf rund 1.070 Mrd. Euro. Die Verschuldung liegt offiziell beim Bund schon bei rund 1.600 Mrd. Und wenn wir hier noch die Länder und Kommunen und die Zusagen aus den letzten Rettungs- und Hilfspaketen noch hinzurechnen, sind wir mindestens bei 2.500 eher aber bei 3.000 Mrd. Euro. Das heißt, wir haben eine Verschuldungsquote von 150 % eher aber 300 %. Es gibt nicht viele Unternehmen, die so eine hohe Verschuldungsquote aushalten, geschweige denn abbauen können.

Swiss Trading: Sie sprechen also davon, dass unser Staat schon längst überschuldet ist

Brunner: Genau Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass nicht nur wir sondern fast alle westlichen Staaten dieser Erde überschuldet sind. Aber das liegt nun einmal an unserem System. Man muss auch die Politiker verstehen. Wir Bürger fordern doch immer ein besseres Leben und mehr Sozialleistungen oder geringere Steuern usw. und die Politiker wollen ihren Job behalten und dazu müssen sie uns Wahlzuckerl versprechen und wenn sie gewählt werden, auch manche geben. Das ist der Start der Verschuldungsspirale. Aber das ist ganz normal und hat es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Nur leider kann sich daran niemand mehr erinnern und daher ist das jetzt alles sehr ungewöhnlich. Man muss aber auch dazu sagen, früher gab es viel mehr Kriege und diese Kriege stellten in der Regel das System wieder auf Null. Da wir nun Gott sei Dank schon lange keinen Krieg mehr gehabt haben, müssen wir jetzt selber das System zurückstellen.

Swiss Trading: Wie kann man das System zurückstellen bzw. wie kommen wir aus der Schuldenfalle

Brunner: Es gibt mehrere Möglichkeiten, aber ich halte zwei davon für realistisch an. Die erste Möglichkeit ist Inflation und hier spreche ich nicht von 5 oder 10 % sondern eher von 20 % und mehr. Die zweite und wohl wirklich smarteste Lösung wäre eine Währungsreform bzw. ein Währungsschnitt.

Swiss Trading: Sie meinen einen Staatsbankrott

Brunner: Richtig Das wäre die smarteste Lösung und würde die Wirtschaft am wenigsten schmerzen und die meisten Arbeitsplätze retten. Jedoch glaube ich nicht, dass ein Politiker der westlichen Staaten den Mumm haben wird, dies zu tun. Zu sehr würde das dem Ego des Politikers widersprechen. Am ehesten würde ich es dem US-Präsidenten Obama zutrauen, aber der ist leider ein bis zwei Jahre zu früh ins Amt gekommen. Daher vermute ich, dass wir den beschwerlichen Weg gehen müssen und der führt über die Inflation.

Swiss Trading: Für Staatsanleihenbesitzer wäre das aber ein Horrorszenario

Brunner: Das stimmt, daher habe ich persönlich alle Staatsanleihen bereits verkauft, denn entweder werden sie über den Staatsbankrott wertlos oder sie werden weginflationiert.

Swiss Trading: Wie müssen wir uns diese Inflation vorstellen bzw. was würde uns da erwarten

Brunner: Zuerst muss einmal gesagt werden, dass wir in der Regel vor der Krise eine Deflation, also eine negative Inflation sehen bzw. sehen werden. Am Beginn dieser befinden wir uns bereits.

Swiss Trading: Also die Inflationsrate sinkt. Woher kommt dann die Inflation

Brunner: Bevor ich näher auf die Inflation eingehe, möchte ich vorher auf das Thema Deflation eingehen. Eine Deflation entsteht meistens am Anfang einer wirklich großen Weltwirtschaftskrise oder eben einer Systemkrise. Es gibt immer zuerst einen Auslöser. Dieses Mal war es die Subprimekrise in den USA, die den größten Konsumentenmarkt der Welt zusammenbrechen hat lassen. Daraufhin kam es zu einer Bankenkrise und die wiederum löste eine weltweite Wirtschaftskrise aus. Das sind alles bereits bekannte Faktoren. Dieser Einbruch der Nachfrage lässt die Preise sinken wie zum Beispiel für Autos, EDV, Aktien oder auch Rohstoffe wie Öl. Des Weiteren werden die Konsumenten in dieser ersten Phase von einer massiven Verunsicherung befallen, die darauf mit Konsumverzicht reagieren, was den Trend zu sinkenden Preisen massiv verstärkt. Die Regierungen und Notenbanken versuchen nun in dieser zweiten Phase, in der wir uns gerade jetzt befinden, diesen Teufelskreislauf mit allen Mitteln zu durchbrechen und schnüren Konjunkturpakete oder drucken Geld und senken die Zinsen. Dies ist auch ein wichtiger Unterschied zu den 30er Jahren, denn damals ist die Geldmenge gesunken und nicht wie jetzt explodiert.

Swiss Trading: Ja, aber wenn die Zinsen derart fallen und die Notenbanken Geld drucken bis zum Gehtnichtmehr, warum steigt dann nicht die Inflation

Brunner: Das ist ja das Besondere dieser Weltwirtschaftskrise. Durch die Subprimekrise haben die Banken so viele faule Kredite in den Büchern, dass sie sich einerseits untereinander nicht mehr trauen, was wiederum die Refinanzierung massiv erschwert bzw. unmöglich macht und andererseits sind die Sparer sehr verunsichert und leihen auch langfristig den Banken kaum Geld. Daher haben sich die Kredite für Unternehmen, besonders wenn es sich um langfristige Kredite handelt, massiv verteuert. Eine derartige Situation bezeichnet man als Kreditklemme und das ist auch der Grund, weshalb die Zinssenkungen und das Gelddrucken nicht bei den Konsumenten ankommen. Die Banken benötigen das Geld noch selber, um ihre Liquidität zu verbessern. Das ist im Wesentlichen auch der Grund, warum wir jetzt noch keine Inflation sehen. Sobald sich jedoch die Banken mit genügend Geld der Notenbanken ausgestattet haben, wird uns eine massive Inflationswelle treffen.

Swiss Trading: Wann rechnen Sie mit dem Auftreten einer Inflationswelle

Brunner: Ich glaube, wir haben eine gute Chance, dass es im zweiten Halbjahr dieses Jahres soweit sein wird. Das wirklich Interessante wird aber das Verhalten der Bürger sein. Irgendwann kommt der Tag an dem die Einwohner eines Landes nicht mehr an das System glauben und dann erleben wir einen sogenannten Crack-up Boom. Das heißt, die Bürger beginnen schlagartig nicht mehr zu sparen sondern nehmen das hart verdiente Geld und kaufen sich Sachwerte. Es wird alles verkonsumiert, vom Auto über Lebensmittel bis hin zu Reisen, denn sie befürchten, dass irgendwann in naher Zukunft das Geld nichts oder nicht mehr viel Wert ist. Diese Phase wird alle wieder überraschen und die Konjunktur wird kurzfristig extrem stark wachsen, die Preise explodieren und damit die Inflation weiter anfachen. Dabei werden diese Phasen von Deflation, Inflation, Crack-up Boom und dann Hochinflationsphase relativ kurz hintereinander stattfinden.

Swiss Trading: Wann glauben Sie, wird diese Krise überwunden sein

Brunner: Ich denke, dass wir die Krise bis 2012 überstanden haben.

Swiss Trading: Und wie wird unsere Wirtschaft dann aussehen

Brunner: Eigentlich nicht viel anders als jetzt. Es kann sein, dass wir eine neue Währung in Nordamerika haben. Also einen Zusammenschluss zwischen Kanada, USA und vielleicht Mexiko. Die asiatischen Länder werden enger zusammenrücken und auch an einer neuen Währung basteln. Einige Länder werden sich entschuldet haben, allen voran die USA aber auch ein paar europäische Staaten. Es wird ein neues Finanzsystem entstanden sein, das stärker reguliert ist als das heutige und es wird ein neues Energiezeitalter angebrochen sein. Die USA sind nicht mehr die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt sondern Asien, aber die USA werden noch immer der größte Konsumentenmarkt der Welt sein. Im Prinzip können wir ganz glücklich sein, wenn es so kommt, denn von diesem Zeitpunkt an können wir wieder 30 bis 70 Jahre lang ein Wirtschaftswachstum sehen.

Swiss Trading: Und wenn wir nicht so viel Glück haben

Brunner: Dann wird es leider zu massiven sozialen Unruhen und Kriegen kommen. Wobei ich glaube, dass Europa dieses Mal kein Kriegsschauplatz sein wird, dazu gibt es zum Glück die EU und Europa als Ganzes ist zu unwichtig geworden. Die Wachstumsraten der Zukunft liegen in Asien, Afrika und Südamerika. Daher ist es viel wahrscheinlicher, dass es dort zu Kriegen kommen wird - wahrscheinlich um das Thema Ressourcen.

Swiss Trading: Wie hoch halten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass es ganz anders kommen wird

Brunner: 10 %. Ich glaube, dass es weniger einer Frage bedarf, wie es kommt, sondern eher wann es kommt. Fakt ist, wir leiden an einer Überschuldung und Fakt ist, wir müssen das System auf Anfang stellen. Wann das ist, werden wir sehen. Ich hoffe nur früher als später, denn die Unsicherheit ist nervenaufreibend. Ein Auslöser für eine schnelle Variante könnte das Platzen der Derivateblase sein.

Swiss Trading: Inwiefern

Brunner: Nun laut BIZ der Bank für internationalen Zahlungsverkehr, betrug das Volumen allein an OTC Derivaten Ende Juni 2008 863.000 Mrd. US. Mit den auch an der Börse gehandelten Derivaten nähern wir uns rasend schnell der 1.000.000 Mrd. US. Das ist eine so unvorstellbare Summe, die rund 18 Mal der ganzen Weltwirtschaft entspricht. Würde diese Platzen, dann würde sich das oben beschriebene Szenario massiv beschleunigen.

Swiss Trading: Optionen oder der derivative Markt ist in Summe betrachtet ein Nullsummenspiel - was der eine verliert, gewinnt der andere. Also wo sehen Sie das große Problem

Brunner: Im Prinzip haben Sie Recht, der derivative Markt ist ein Nullsummenspiel und ein Marktteilnehmer kann schief liegen und damit massiv Geld verlieren, aber auf der anderen Seite gibt es auch jemanden, der das Geld gewinnt. Das Problem dabei sind die Gebühren, Provisionen und Gewinnbeteiligungen, die bereits vorab ausbezahlt wurden. Bedenken Sie, viele Produkte wurden kreiert und mit einer saftigen Gewinnmarge ausgestattet, die bereits vorab bezahlt wurde, ebenso die Provisionen und die Gebühren beim Handel. Nehmen wir einmal an, diese Posten belaufen sich auf 1 bis 3 Prozent des derivativen Volumens, dann fehlen beim Auflösen der Positionen zwischen 8.000 und 26.000 Mrd. US und das entspricht ungefähr 50 % der Weltwirtschaftsleistung. Diese Summe hält kein System aus und daher unternehmen die Regierungen und Notenbanken auch alles, um die Big Player in diesem System im Spiel zu halten. Sie haben aus dem Fehler, die Investmentbank Lehman Brothers fallen zu lassen, gelernt. Wir leben also in wirklich interessanten Zeiten.

Swiss Trading: So kann man es auch nennen. Herr Brunner, wir danken für das Interview

Das Buch kann unter folgendem Link bei Amazon erworben werden: http://www.amazon.de/gp/product/3950265503ieUTF8tagirworldcomlinkCodeas2camp1638creative6742creativeASIN3950265503

Aussender:

Swiss Trading
V.i.S.d.P./Chefredakteur: Dipl.-Kfm. Robert F. Burschik

Herausgeber:
trendstrades Verlags GmbH
Michaelkirchstraße 17/18
10179 Berlin
E-Mail: aboservicetrends-trades.de
http://www.trends-trades.de

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