Samstag, 18. September 2010

Was geschah mit Flug 870?

30 Jahre nach dem Absturz vor Siziliens Küste

Was geschah mit Flug 870?

Der Absturz einer Passagiermaschine vor Sizilien am 27. Juni 1980 gilt als einer von Italiens größten Skandalen. 81 Menschen kamen damals ums Leben, und bis heute ist der Fall ungeklärt: Beweismittel verschwanden, Zeugen kamen ums Leben. Spuren führen zur NATO, nach Libyen - und nach Ramstein.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
"Wir warten seit 30 Jahren auf die Wahrheit. 30 Jahre warten wir darauf, zu erfahren, wer es war, warum, aus welchem Grund, auf wessen Befehl" - sagt Elisabetta Lachina, die beim Flugzeugunglück von Ustica ihre Eltern verloren hat und nicht an einen Unfall glaubt. Der Fall ist einer von Italiens größten Skandalen. Ein Thema, über das man nicht gerne spricht, über das von Regierungsseite auch heute noch keine klaren Aussagen zu bekommen sind.
Es geschah am Abend des 27. Juni 1980. Eine DC9 der Itavia auf dem Weg von Bologna nach Palermo verschwindet von den Radarschirmen. Die Maschine stürzt in der Nähe der kleinen Insel Ustica nördlich von Sizilien ins Meer, keiner der 81 Insassen überlebt. Die Behörden sprechen von Materialermüdung, von einer Bombe an Bord - es wird vertuscht, gelogen und gemauert.
Sieben Jahre später wird das Wrack geborgen. An der Maschine werden Einschläge gefunden, außen entdeckt man Spuren von militärischem Sprengstoff. Außerdem kommt heraus: An dem Abend waren im fraglichen Gebiet mehrere NATO-Jagdflugzeuge und ein AWACS-Radaraufklärer in der Luft. Maschinen, von denen die Zivilpiloten nichts wussten, deren Existenz die NATO abgestritten hatte.
Wrack der vor Ustica abgestürzten DC9 Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In einer von den Angehörigen errichteten Gedenkstätte bei Bologna ist das Flugzeugwrack wieder aufgebaut worden. ]

Gaddafi als Ziel - und das Passagierflugzeug getroffen?

Und weitere Flugzeuge soll es gegeben haben: An Bord des einen war angeblich Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi, flankiert von libyschen Mig-Kampfjets. Einer davon soll sich im Radarschatten der DC9 versteckt haben. Die Vermutung liegt nahe, dass Itavia Flug 870 in einen Luftkampf oder einen NATO-Angriff auf Gaddafi geriet oder verwechselt wurde.

Beweismittel verschwinden

Untersuchungsrichter Rosario Priore Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Für Richter Priore steht fest: Die DC9 wurde abgeschossen. ] Zehn Jahre nach dem Unglück wird Untersuchungsrichter Rosario Priore mit den Ermittlungen betraut. Er rollt den Fall von vorne auf: "Sie müssten mal sehen, wie viele Beweismittel wir nicht bekommen haben: Dienstbücher der Luftwaffe, aus denen die Seite von diesem Abend mit dem Rasiermesser rausgetrennt wurde. Die Radaraufzeichnungen von den Minuten des Absturzes der DC9  und von denen danach. Man spricht davon, dass da jemand seine Hände drin hatte, es gab wohl eine Art Befehl, alle Proben zu vernichten, die auf eine andere Unglücksursache hinweisen als auf Materialermüdung oder einen Sprengsatz."

Die DC9 wurde abgeschossen - von wem?

Priores Abschlussbericht umfasst etwa 5000 Seiten. Er kommt zu dem Schluss: Die DC9 wurde abgeschossen - die Frage ist nur, von wem. Von französischen Kampfjets, die in Korsika gestartet sind, tippt Priore, der die wenigen Radaraufzeichnungen hat auswerten lassen, derer er habhaft werden konnte. Einen endgültigen Beweis hat er nicht.

Mutmaßliche Zeugen: Die Piloten der Ramstein-Katastrophe

Es gibt auch Hinweise auf eine Verwicklung der USA. An diesem Punkt kommt auch die Flugtag-Katastrophe auf dem US-Fliegerhorst Ramstein im August 1988 ins Spiel. Am Abend des Absturzes der DC9 nämlich sind die italienischen Militärpiloten Ivo Nutarelli und Mario Naldini mit ihrem Kampfjet im Anflug auf Grosseto. Sie kommen zurück von einem Trainingsflug. Priore vermutet: "Sie müssen etwas Seltsames gesehen haben, weil sie sofort zur Basis umgekehrt sind, und das in kompletter Funkstille. Sie haben den Notfallcode ausgelöst und sind sogar Dreiecke geflogen, um zu signalisieren, dass da etwas nicht stimmt, dass sie notlanden wollen. Sie wurden viele Jahre nicht befragt. Als ich sie dann als Zeugen einbestellt habe, sind sie kurz darauf in Ramstein ums Leben gekommen." Denn beide flogen inzwischen bei der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori, die in Ramstein verunglückte.
Zwei Militärjets stoßen in der Luft zusammen und explodieren. 
(Foto: dpa) Großansicht des Bildes 
[Bildunterschrift: Am 28. August 1988 stießen in Ramstein drei Militärjets der "Frecce Tricolori" in 40 Metern Höhe zusammen. 70 Menschen wurden dabei getötet. ]
 
Wussten die Piloten etwas, was sie nicht hätten wissen sollen? Waren ihre Jets manipuliert? Menschen, die nicht davor zurückschrecken ein Passgierflugzeug abstürzen zu lassen, dürften auch sonst keine Hemmungen haben. Richter Priore ermittelt weiter und stößt in diesem Zusammenhang auf andere ungeklärte Todesfälle. Der Fliegerarzt von Nutarelli und Maldini hat sich umgebracht. Der Kommandant der Basis Grosseto ist bei einem Autounfall gestorben. Einen Radarlotsen hat man erhängt an einem Baum gefunden. Der Offizier einer anderen Radarstation ist im Alter von 32 an einem Herzinfarkt gestorben.

Italiens Ex-Präsident droht Ermittlern

Journalisten, die den Fall anlässlich des Jahrestages untersuchen, hat Italiens Ex-Staatspräsident Francesco Cossiga vor einem Monat allen Ernstes geraten, besser ins Ausland zu gehen, sonst könnte ihnen etwas zustoßen - eine Lebensmittelvergiftung oder ein Zusammenstoß mit einem Lkw. Und das sagt Cossigas aktueller Nachfolger Giorgio Napolitano: "Es gibt Spuren einer Verschwörung, im Fall von Ustica vielleicht auch eine internationale Intrige, die wir in Erinnerung rufen müssen."
Die Frage ist allerdings, ob die jemals aufgeklärt wird. Fest steht nur: im Himmel über Ustica sind vor 30 Jahren 81 Menschen gestorben. Alles deutet darauf hin, dass sie umgebracht wurden.

http://www.tagesschau.de/ausland/ustica102.html

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