Donnerstag, 2. Dezember 2010

Weihnachtsillusion: Ebenezer Scrooge das Resulat eine monotheistischen, göttlichen Wirtschaftsordnung

Weihnacht ist der Geist der Menschheit als Ganzes, losgelöst von einer Wertegesellschaft und jeglicher Leitkultur. Die Welt steht still - Abhängigkeiten werden für einen Moment überwunden und Reichtum, der nur durch Armut entsteht, existiert für ein paar Momente nicht mehr. Diesen anarchistischen Menschheitsgedanken dürfen wir nie weiterentwickeln, sondern müssen ihn  -  die Wahrheit, die Seele der Menschheit - im Konsumrausch ertränken. 

Der Monotheismus - die angeblich größte Errungenschaft der Menschheit - entpuppt sich als Leitbild einer göttlichen Herrschaftsordnung, die sich ein eigenes Geldentstehungssystem ersann, um uneingeschränkt Abhängige gemäß göttlich bestimmter, natürlicher Ordnung, unterdrücken zu können und dafür immer eine Rechtfertigung in einem heiligen Buch findet, die als Leitfaden für eine Leitkultur dient.  


Christkind ADE - Scheiden tut weh

Der Weihnachtsmann ist heute der globale Zufriedensheitsbringer - der Messias der Konsumindustrie. Er ist ein schnöder, dicker, alter Mann mit einem Rauschebart, der unentwegt HOHOHO gurrt; ein phantasieloses Wesen, das aus seinem Schlitten heraus die Geschenke durch den Kamin wirft. Diese Gestalt stieß mich schon als Kind ab. Ich wollte keine schmutzigen Geschenke, die durch den engen Kamin unseres Ofens schrammen und wie durch ein Wunder nicht verbrennen. Mein Favorit war und ist das Christkind. Ein leichtes, undefiniertes, nie dargestelltes Wesen, das auf Engelsflügeln unscheinbar und ohne Erwartungen schenkt. Der dicke Weihnachtsmann will ein Glas Milch und Kekse als Lohn für seinen Dienst.


Weihnachten hatte tatsächlich einmal einen eigenen Geruch. Das Haus dufte nach frisch gebackenen Plätzchen und alle waren irgend wie geheimnisvoll. Wenn am Weihnachtsabend die Mutter zum Vesper rief und ankündigte ein Fenster einen ganz kleinen Spalt für das Christkind offen zu lassen, legte sich eine schier unerträgliche Spannung um mein Kinderherz.

In meiner Phantasie zeichnete sich eine Lichtgestalt ab, die lautlos und ohne Eile mit einem Hauch von Zauber und Magie die sehnlichsten Wünsche von uns Kindern erfüllte. Es war schier unerträglich das liebevoll hergerichtete Vesper mit all den anderen ruhig einzunehmen. Bohrende Fragen gingen über den Tisch und wurden geduldig aber unbestimmt von den Eltern beantwortet. Ich freute mich über den Geburtstag des Christkindes, das alle Kinder der Welt dafür beschenkte - auch mich.

Dann endlich, nach dem Abwasch war es so weit. Die Tür zur Stube ging auf. Es roch nach kalter Luft, die sich am Ofen wieder erwärmte. Das spärliche Licht des kleinen Christbaumes reichte gerade aus, die Geschenke zu entdecken. Ich nahm mir jedes Jahr vor einen Blick auf das Christkind zu erhaschen und konnte nicht schnell genug, zwischen den Beinen der anderen in der Stube sein. Während dieser spannenden Minuten erwärmte sich die Luft wieder im Raum und es gab eine wohlige Wärme, die aber von innen zu kommen schien und wundervoll und einzigartig nach Weihnachten roch. Die Luft war geschwängert durch die vielen Holzfeuer, die überall in den Häuser loderten und durch das Fenster eingedrungen waren. Ich bekam ein so großes Herz, mit dem ich alle Menschen beschenken wollte und freute mich als Kind über die selbst genähten Pyjamas genauso wie über die Puppe, die alle meine Sehnsüchte sprengte. Es war so wohlig warm, weil das Konsumgeschäft der Weihnachtsindustrie damals noch nicht existierte. Puppenstuben waren mit einer Selbstverständlichkeit selbst gemacht; im Geheimen gezimmert und geschneidert. 

Natürlich entdeckte auch ich irgend wann auf leisen Sohlen, dass es das Christkind in Wirklichkeit nicht gab und die meisten Geschenke in liebevoller Kleinarbeit von Mutter und Vater hergestellt wurden aber der Zauber dieser Zeit liegt immer noch wie ein Schleier über mir und findet heute, in dieser hektischen, perfekt inszenierten Welt, einfach keinen Raum mehr.

Die Werbeindustrie tauschte das Christkind einfach durch den unkomplizierten, einfach gestrickten  Weihnachtsmann aus, der mit seinem dicken Bauch und schwingenden Hüften "Merry Christmas" schmettert und aus dem Radio oder der Musikanlage dröhnt ein "I wishhhhh you a Merry Christmas", wobei  "wish" so starkt betont wird, als ob mir einer eine wischen will. 

Noch schlimmer ist der Konkurrenzkampf der Nachbar, die ihren Vorgarten derartig hell erleuchten, dass sie gerne ihre Rollläden runter lassen, um vom eigenen Schein der Dekadenz nicht geblendet zu sein und des Schlafes beraubt werden. Das größte Glück eines weihnachtlichen Vorgartenschmückers ist die Erwähnung in kleinen, ortsansässigen Anzeigenblatt. Weihnacht wurde zum Konkurrenzkampf der Schenker und Beschenkte. Die Wünsche der Kinder sind Wachs in den Händen der Werbeindustrie und die Eltern die Getriebe, die jedem neuem Werbespot hinterher jagen - kopflos, leerdenkend und verzweifelt, weil sie das ganze Jahr nicht genügend Zeit finden, sich mit ihren Kindern und Familienmitgliedern ohne Beihilfe der Freizeitindustrie zu beschäftigen. Zeit bzw. Freizeit ist ein weiterer Konsumtempel der Neuzeit, der zwischenmenschliche Beziehungen auf soziale Unterschiede reduziert.

Energieanbieter freut die Weihnachtszeit

In der Weihnachtszeit wird das Wort "Energiesparen" tunlichst vermieden. Nicht nur der Privatmann ist dem Energieverschwender-Wettbewerb erlegen, auch die Städte und Kommunen, die sich sonst das ganze Jahr über leere Kassen beklagen.

Weihnachtsbäume werden theatralisch und medienwirksam aufgestellt und Kollektivereignis gefeiert - mit Glühwein und Waffeln. Eine weiter Konsumader, die das Familienglück im Hollywood-Stil bereichern soll. Das Jagdfieber nach der Weihnachtsstimmung ist eröffnet. Die Städte tauchen in ein Lichtermeer ein, das Coca-Cola-Weihnachtsland der unerfüllten Begierden, die nur mit Konsum zu erfüllen sind und doch bleibt das Herz schwer und leer. Weihnachtszeit ist heute nur noch ein Hollywood-Fernseh-Traum aus einer Geisterwelt mit den niedrigsten Beweggründen, dem Gewinnstreben.

Wir sind Teil einer Weihnachtsillusion; 
Statisten die antizipieren, um der Werbewelt zu entsprechen.

Jedes Jahr ein neues Tischdeko für den Weihnachtstisch, das macht Stress und Kauflaune. Jedes Jahr wird ein neues Element erfunden, das zum Weihnachtsglück gehört. Plätzchenbacken ist daher ein überholtes Kleinod, wenn der Bäcker diese so schön verpackt in seiner Auslage präsentiert. Der Weihnachtsrummel in der Innenstadt zum Wochenend-Familienerlebnis und immer begleitet von den Fernsehbildern, die wir unter Selbstvergewaltigung unbedingt erfüllen wollen, denn nur dann werden wir mit weihnachtlichem Glück beschert.

Wir stürzen uns in Menschenmasse, die sich durch die Einkaufsetagen wälzt. Die überhitzte, verbrauchte Luft, wird zum Weihnachtserlebnis und die Vorweihnachtszeit zum eigentlichen Weihnachtsfest. Heiligabend ist nur noch ein unumgängliches Beiwerk, das als Familienzwang empfunden wird. Doch die Rettung naht, mit kommerziellen Weihnachtsfeiern, in trauter Gemeinsamkeit in einer anonymen Masse, die Weihnachtsgefühle erlebbar macht.

Wir sind ein riesiger, begradigter Fluss, der nur ein Ziel kennt - Heilig Abend, wie all die glücklichen Fernseh- und Hollywood-Familien. Getragen von Euphorie und Drehbuchwahn, sitzen wir an Heiligabend plötzlich mit uns ganz fremden Menschen zusammen, die sich als unsere Familien bezeichnen und nichts mit den Idealbildern aus den Medien gemeinsam haben.

Merkel macht sich zum einfühlsamen Familienmitglied

Mit künstlich erzeugter Befriedung fischt die Wachstumsindustrie uns unser Geld - das heutige, heilige Lebenselixier - aus der Tasche und gaukeln uns Weihnachtsfreuden vor. Unsere Bundeskanzlerin und unser Bundespräsident halten warme, aussagelose Reden, kommen damit aber in unsere Wohnzimmer und erklären sich damit zum Familienmitglied. Das ist der politisch kommerzielle Einheitsbrei von Volkseinigkeit, die in solchen Momenten medial erzeugt werden kann. 

Unsere Herzen laufen über vor Eintracht in einer anonymisierten Masse. Auf dieser Art lassen wir uns einfacher steuern und lenken. Das öffentliches Kollektiv ersetzt damit den Kreis der Familie. Ihnen gegenüber können wir unser großes Herz ausschütten und mit ein paar kleinen Spenden das eigene Gewissen beruhigen. Selbstverständlich hilft uns bei dieser selbstlosen Aktion wieder unser heiß geliebtes Fernsehen und die Werbeindustrie beim finanziellen Kraftakt für die Armen, die eigentlich ein Resultat unseres eigenen persönlichen Erfolges sind. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr müssen dafür arm werden oder noch ärmer werden. Ein globales Ereignis, das wir mit globalen Kollektiv-Mitleidsveranstaltungen feiern.

Aus diesem Grunde sind wir so angetan von Ebenezer Scrooge, dem der Geist der Weihnacht erschient. Wir sind nicht der kleine Junge, der gerettet wird, sondern wir das erbarmungslose menschliche Geschöpf, das all jährlich unter Einkaufszwang um seine Erlösung bietet. Ebenezer Scrooge kauft sich von seinem Gewissen frei, in dem er einen großen Puter kauft und eine kleine Gehaltserhöhung genehmigt.

Zeit ist der Luxus unseres Sein



Wir sind ein leeres Gefäß, das tagtäglich mit neuen Bedürfnissen gefüllt wird, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Das ist Marktwirtschaft, die sich angeblich nach Angebot und Nachfrage richtet. Doch heute wird nicht mehr auf Nachfrage gewartet, sondern sie wird künstlich generiert und wenn die Werbeindustrie nicht mehr ausreicht, erfolgt ein neues Gesetz, das Nachfrage nach neuen, innovativen Produkten schafft, um irgend welches Ungemach von der Menschheit abzuwenden. Ferne Reiseziele werden nicht allgemein in Frage gestellt, sondern einfach mit einer CO2-Abgabe belegt, denn zu viele Arbeitsplätze und Kaufkraft in anderen Ländern ginge verloren, wenn der Deutsche tatsächliches und unumstößliches Umweltbewusstsein umsetzen würde. Das ewige Spiel des Guten und Bösen und dem daraus resultierenden Ablasshandel.

Zeit zum Weihnachtbaum schmücken findet sich nur noch zwischen Tür, Geldbeschaffung und Einkaufszentrum. Diese inneren Tränen der Einsamkeit, sind mittlerweile tiefe Seen der Verzweiflung in unserer Kultur geworden. Rücksichtslosigkeit ist das einzige was uns aus den Tiefen unserer verletzten Seelen reißen kann. Ebenezer Scrooge sitzt ganz tief in uns und hält uns in seinem Bann, denn der Ablasshandel mit Politik, Regierung und Wirtschaft ist uns gewiss, bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir ihnen nichts mehr nutzen - unsere Kassen leer sind und wir nicht mehr an der Konsumgesellschaft teilnehmen können. Das ist der Verlust unserer sogenannten Freiheit, wir werden Abgehängte und Findelkinder unserer eigenen Gesellschaft.



An Heiligabend trifft harte Wirklichkeit auf Scheinwelt

Unsinniges wird zum unwiderstehlichem Wunsch, zum Grundbedürfnis, zur Begierde und zur Lust, die nicht befriedigt. Weihnachtszeit ist Stress und Hektik. Sie beschert uns einen Adrenalinstoß nach dem anderen. Sie hält uns auf Trab und verhindert jedes vernünftige Denken. Es ist wie ein Sog in einen Wirbel hinein, aus dem wir erst am 24. Dezember abends entlassen werden, wenn unsere Kassen geplündert sind.   

Wie Betrunkene erwachen wir aus einem Rausch, finden uns im Kreis von Menschen wieder, die wir lieben, aber oft gar nicht mehr kennen. Weihnachten wir zu einem Moment des Zwangs und legt sich wie eine dunkle Nacht auf unser Gemüt, vor allem dann, wenn die Kunstbilder in unseren Köpfen nicht erfüllt werden und die im Rausch gekauften Geschenke, nicht die Szenen aus Hollywood nachempfinden lassen. Es gibt keinen Kameraschwenk auf glücklich glänzende Kinderaugen oder das freudige Öffnen der Geschenke in Zeitlupe.


Weihnachtszeit (Adventszeit) sollte die Zeit sein, sich an das Ufer seines Selbst zu setzen. Sich im kritischen Licht zu betrachten, das nicht aus Lichterketten und Werbefilmen ausgeleuchtet ist. Weihnachtszeit ist Augen und Ohren zu schließen und sich selbst zu zuhören. Der Mensch muss sich selbst wieder entdecken, das ist die größte Gefahr, dem Kommerz und Wachstumsdrang ausgesetzt sind.



Der Geist der Weihnacht war eigentlich das Urstreben der Menschen nach Freiheit und Gerechtigkeit; die Absage an die göttliche Ordnung, die der Monotheismus mit sich brachte und hierarchische Gesellschaftsstrukturen als unumstößliche Ordnung in unsere Hirne einpflanzte, die nur augenscheinlich durch Demokratie einen Hauch von Selbstbestimmtheit suggerieren.

Weihnachten ist der Geist der Menschheit als Ganzes, losgelöst von einer Wertegesellschaft, die Abhängigkeiten anderer als Erfolg ansieht. Diesen Gedanken sollen wir nicht erkennen und sehen, sondern im Konsumrausch die Wahrheit ertränken.

1 Kommentar:

Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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