Montag, 12. Dezember 2011

Wertelehre 7: Das Brett vor dem Kopf oder der Irrtum vom freien Willen

Unsere schöne Realität kann als Schachbrett brachtet werden. Der freie Wille besteht lediglich darin sich für SCHWARZ oder WEISS zu entscheiden - eben Pest oder Cholera. Das große Arrangement aller Beteiligten ist: Einer muss verlieren; die Hoffnung besteht darin, bei den Gewinnern zu sein.

Daher gibt es vor jedem Spielbeginn immer die heißesten Diskussionen auf welche Seite man sich schlagen will. Jeder fühlt sich bereits als Gewinner und hofft: Je weniger sich für die andere Seite entscheide, desto schnell wird das Spiel für uns gewonnen. Das ist Meinungsbildung der Massen.

Das heutige Schachspiel wird aber auf verschiedenen Ebenen gespielt. Wer siegt steigt auf, aber das Spiel selber hört nicht auf. Wer verliert, wird in die nächsttiefere Ebene verbannt. Wer keinen Einsatz mehr bringen kann, hofft auf die Solidarität der noch aktiven Spieler.

Wer jedoch keinen Platz auf dem Schachbett findet, ist im OFF - im Nirwana - denn der gebildet Mensch kann sich sein Leben und seine Gesellschaft ohne Brettspiel als Denkmuster nicht vorstellen. Er will unbedingt wieder am Geschehen teilnehmen, denn das bedeutet LEBEN. Ein Leben ohne Spiel funktioniert nicht einmal in unserer Vorstellungskraft. Die Menschheit leidet zusagen seit Jahrtausenden an einer Denkblockade. Sie konzentriert sich lediglich darauf andere Spielregeln zu entwickeln. Die neueste Variante ist, den Verlierer mit einer Zwangsabgabe der noch aktiven Spieler am Leben, eben im Spiel zu halten. Das ist sozial. Wir versuchen alle eine unendliche Partie Schach, Monopoly oder Go zuspielen.

Selbstverständlich existieren noch andere Varianten des Brettspiels, wie das asiatische Go. Hier wird ebenfalls ein Sieger ermittelt, aber nicht vernichtend geschlagen wie im Schachspiel. Es geht darum die Größe des eigenen Spielfeldes auszuweiten und den Gegenspieler handlungsunfähig zu machen, indem er eingekesselt wird. Die Spielwelt (unsere moderne Welt der Hochkultur) bleibt daher immer aufgeteilt, umkämpft und einem höheren Gehorsam unterstellt, der nicht der Gesamtheit der Menschheit dienen will, sondern nur den Spielregeln für das Brettspiel.

Grundlegen ist also zu fragen, braucht die Menschheit, um gemeinschaftlich existieren zu können, ein Spielfeld, das mit Regeln immer zu einem Verlustgeschäft für einen Teil, der Teilnehmer führt? Im Schach selber finden wir unser hierarchisches, gesellschaftliches Denken wieder. Jeder Figur stellt in sich selber einen Wert für die Verteidigung des Königs (Eigentümer nach der Schlacht) dar, der nicht anderes kann, als von einem Feld zum anderen zu hüpfen. Die freiwillige Verteidigung und Opferbereitschaft (Systemzwang durch wirtschaftliche Abhängigkeit/ Moral) seiner "Armee" ist die grundlegende Voraussetzung für dieses Spiel - steht aber in keiner Spielregel. Sie wird einfach praktiziert, weil es unserem anglichen natürlichen Denken entspricht - denn wer sich für die Pest entschiedet, wird diese bis zum bitteren Ende verteidigen - für seine freiwillig gewählte Überzeug angeblich freiwillig sterben, obwohl es nur eine Spielregel in unserem Kopf ist. Die Gegenseite denkt genauso, denn es geht um alles - um das Recht zu Leben. Das ist unser Leben. Vielen erscheint dieses Spiel längst sinnlos. Sie wollen nicht mehr Bauer sein, sondern Springer; Dame oder Turm; und der Turm findet sein Dasein mehr als langweilig und wäre lieber Springer. Manch einer träumt…König zu sein.

Im Go-Spiel gibt es dagegen keine hierarchischen Rangfolgen der Spielsteine. Sie sind alle gleich viel wert. Ihre Wichtigkeit entwickelt sich im Spiel. Vielleicht erschließt sich so manch einem die asiatische Vorstellung von Gemeinschaft und doch unterliegen auch sie dem Gewinnen und Verlieren, wie wir - lediglich die Art und Weise - der Weg - zum Ziel ist anders - aber das Ziel ist das gleiche, wie bei uns hier im Westen.

Der Mensch denkt sich die Welt, das Leben eben nur als Brettspiel. Da ist die Vorstellung von großen Marionettenspielern und Schachspielern nicht weit. Doch im echten Leben, entscheiden die Spielfiguren - also auch jeder kleine Mensch - Doch im echten Leben, entscheiden die Spielfiguren - also auch jeder kleine Mensch - freiwillig im Determinismus der gelten Spielregeln für dieses Brettspiel inklusive der Moral nur dem jeweiligem König (schwarz oder weiß) zu dienen. Die Spielregeln sind verinnerlicht und erscheinen als freier Wille. Die Spielfiguren kennen nur ein Ziel - den SIEG, um die Vormacht auf dem Spielbrett - wie ein Spermium, das seine Eizelle sucht.

Würden die Bauern aus ihrer Verteidigung für den schwarzen König ausbrechen und sich für den weißen König entscheiden, ändert sich lediglich der Spielverlauf zu Gunsten des weißen Königs. Die Spielregeln selber und das Feststellen eines Verlierers werden aber nicht aufgehoben oder gar beigelegt. Das Schachbrett dominiert und suggeriert nur einen freien Willen, weil seine Spielregeln als natürlich anerkannt sind - doch in Wahrheit erzeugen sie einen künstlichen freien Willen, der zur Selbstzerstörung im Überlebenskampf auffordert. Eine freie Marktwirtschaft wäre also ein Schachbrett, auf dem jeder, jeden schlagen kann, um zum Vorteil zu gelangen. Einige werden sich wieder zu kleinen Gruppen zusammenschließen, um gemeinsam für eine Sache zu kämpfen. Das Hamsterrad ist also noch voll intakt. das Gewinnen und das damit zwingend notwendige Verlieren werden als Marktgesetze immer noch freiwillig anerkannt.

Wie also soll die Menschheit sich ein Leben ohne Spielbrett vorstellen, auf dem ausgemacht wird, wer zu verlieren hat, damit der andere angenehm leben kann?

Das heutige Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist also lediglich ein Brettspiel. Der freie Wille, der Voluntarismus, ist lediglich sich freiwillig an die Spielregeln zu halten und zu entscheiden ober der Springer vor oder zurückgeht, im Strategiespiel. Würde er sich plötzlich kreuz und quer über das Schachbrett bewegen wie es ihm passt, wäre das Spiel zerstört. Die Sinnlosigkeit des Gewinnens und Verlierenmüssens ist erkannt, doch dann wäre es kein Voluntarismus mehr. Voluntarismus setzt einen festen Basisgrund für die Entstehung des angeblich freien Willens voraus. Im Schach wie auch in unserem Wirtschafts- und Gesellschaftsdenken ist das das Eigentum, eben das Spielbrett.

Würde sich daher die Menschheit auf ein Leben außerhalb des Schachbrettes einigen, ergäbe sich ein Zusammenspiel ohne feste Regeln, aber mit dem Ziel des gemeinsamen Überlebens. Das Eigentum, auf einem Spielfeld stehen zu dürfen, wäre nicht mehr wichtig. Man wäre Eins im Überleben-Wollen. Die Menschheit hätte plötzlich eine nie dagewesene Kraft, die nicht mehr mit einem selbstzerstörerischen Planspiel vergeudet würde. Daraus resultiert die Leere (Burnout) die viele Menschen momentan in sich spüren. Die heutige Logik verbietet dem Menschen eine Gemeinschaft ohne Eigentumsrecht vorzustellen. Da dies die Basis und der Ursprung der Wertschöpfung darstellt.

Der Grundwert wäre die Leistung, die jeder Mensch für das gemeinsame Überleben einbringen wird (Leistung ist Energie, die Rohstoff zum sinnvollen Gut macht). Hierarchiedenken und Rangfolgen werden sich als kontraproduktiv darstellen. Die Gemeinschaft wird durch Vorteilsdenken und Bonidenken nur geschwächt, der heutige Luxus erscheint als unangebrachte Leistungs-und Ressourcenverschwendung. Der Mensch erhält so seine natürliche Vernunft zurück, die nicht mehr gebeugt wird durch das Eigentumsrecht und Ego Belohnungssystem.

All diese Dinge fallen uns aber heute nicht auf, da jeder kontraproduktive Schritt auf einem Schach- oder Gobrett gegen einen Teil der Menschheit zum Vorteil einem andern Teil der Menschheit dient, aber eben nicht allen.

Um diesen inneren Konflikt zu unterdrücken erfand sich der Mensch die Moral. Sie soll den späteren Verlieren als Gnade zu Gute kommen, damit er sich wieder aufrappelt, um beim nächsten Spiel voller Hoffnung aufs Neue antreten zu können.

Nun ist unser Schachspiel längst in einem Remis angekommen. König und König stehen sich gegen über und flüchten von einem Feld zum anderen. Im Hintergrund brodelt es in den geopferten Schachfiguren. Sie verlangen nach neuen Spielregeln, damit sie wieder in Aktion treten können.

Das ist immer noch der freie Wille zwischen Pest oder Cholera. Egal wer gewinnt, die Menschheit an sich verliert immer. Ich will mich für keines entscheiden. Ich bin für ein Leben ohne Brett!
Hast du es noch? Das Brett vorm Kopf?





Pest:
... auch als schwarzer Tod bezeichnet – eine hochgradig ansteckende, bakterielle Infektionskrankheit. Sie tritt in Epidemien auf und war bereits in der Antike bekannt. Seitdem hat sie unzählige Todesopfer gefordert. Unbehandelt verläuft die Pest in der Regel tödlich. Allerdings sind auch milde Verläufe möglich.
(Quelle: www.onmeda.de)

Cholera:
... eine durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöste Durchfallerkrankung, die unbehandelt in bis zu 60 Prozent der Fälle tödlich endet.
(Quelle: www.onmeda.de)

Kommentare:

  1. Ich hatte nie dieses Brett vorm Kopf.

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  2. Rudolf Steiner stellt in seiner Philosophie der Freiheit die Frage: "Ist der Mensch in seinem Denken und Handeln ein geistig freies Wesen oder steht er unter dem Zwange einer rein naturgesetzlichen ehernen Notwendigkeit?" Diese Form der Fragestellung ist originell, insbesondere deswegen, weil Steiner nicht nur nach Freiheit im Handeln sondern auch nach Freiheit im Denken fragt! Damit weist er aber auch bereits auf die Beantwortung der Frage hin. Für Steiner ist Freiheit davon abhängig, in welchem Maße der Bezug des Handelnden zu seinen Gründen und Motiven ein ideeller und erkennender ist.

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  3. Der Mensch agiert in allen seinen Handlungen immer optimal für sich. Das macht jeder Mensch völlig automatisch. Dass ich diese Zeilen schreiben und nicht etwas anderes mache, ist für mich diesem Moment die optimale Entscheidung; ich habe etwas mitzuteilen.

    Selbst ein Leben als Penner ist für diesen die optimale Wahl, denn wäre es das nicht, würde er sich für ein anderes Leben oder vielleicht auch den Tod entschieden haben, wenn dieser "optimaler" gewesen wäre. Falls man Letzteres überhaupt so nennen kann und dann noch im Komparativ, brrrrr, igitt.

    Auch wenn es anderen Leuten nicht so erscheinen mag, ist die Wahl für jede einzelne Aktion immer danach ausgerichtet, das sie optimal ist. Wenn der Bus einem öfters vor der Nase wegbraust, so gibt es anders, das für die Person wichtiger war, so dass der verpasste vernachlässigbar dagegen ist.

    Aus diesem Grund ist Information m. E. so ungeheuer wichtig.

    Denn nur, wenn man über etwas informiert ist, kann man Alternativen, bessere Wegen, Fehler vermeiden wählen.

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  4. @Europa, der Penner ist Penner, weil er sich mit seiner Situation arrangiert hat und nicht weil er es als optimal empfindet. Er hängt am Leben und wartet bis er nicht mehr die Kraft hat und erfriert ... was hindert ihn daran in einer warmen Wohnung zu schlafen? Es also nicht die optimalste Lösung, sondern nur das Optimalste, was ihm als beschissene Lösung zugestanden wird.

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  5. Die Menschen sind weit davon entfernt das optimalste für sich zu tun, in der Regel gehen sie den einfachsten Weg, doch in unserem System ist das fast immer der Weg in die Sklaverei und zu immer weniger Freiheit.
    Die meisten Menschen entscheiden ja nichteinmal selber für sich was sie tun, wie können sie dann das optimalste für sich tun, wenn sie garnicht entscheiden was sie tun?

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  6. @anonym
    ...weil er sich mit seiner Situation arrangiert hat...

    Sorry, dass ich widerspreche, aber das ist für ihn die optimale (mögliche) Lösung, auch wenn er vielleicht von etwas anderem träumt oder vielleicht plant, dies zu tun.

    Nur, kann er diese Träume, jedenfalls vorerst, nicht realisieren.

    Deshalb ist es für ihn im Moment die optimale Lösung, denn, wie wie gesagt, sonst hätte er es bereits anders gemacht.

    @Bersenker
    Das hängt ja immer von den Möglichkeiten ab, die einer hat. Wenn meine Jacht nur 2,90 Meter lang ist und sich Paddelboot nennt, habe ich halt keinen Hubschrauberlandeplatz wie Lawrence Joseph Ellison, genannt Larry Ellison, von Oracle auf seiner paarhundert Millionen Yacht.

    Der "einfachste Weg" (für andere) ist für ihn bereits der optimale Weg, denn sonst würde er andere Wege nehmen.

    Natürlich sind sie wie wir alle eingespannt im System, das nicht viel Freiraum lässt.

    Aber es bleibt der für ihn optimale bzw. optimal mögliche Weg.

    Träumen kann man immer. Aber warum mache ich es so und nicht anders? Weil es für mich in diesem Moment optimal ist.

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  7. @Europa
    Diese optimal-Theorie ist der größte Rotz den ich in der letzten Zeit gelesen hab, es ist nur ein armseliger Versuch eine armselige Situation zu rechtfertigen in der man sich befindet, indem man versucht es sich so lange schönzulügen bis eben das rauskommt was du von dir gibst, nämlich die Illusion, dass es so wie es ist am besten ist, das rechtfertigt erstens, dass alles was man tut richtig ist und man sich nicht ändern braucht und bezieht überhaupt garnicht die Möglichkeit ein, dass man vielleicht mal Mist gebaut haben könnte im Leben, alles in allem ein schöner arroganter ignoranter Ego-Traum aber leider fern fern fern jeglicher Realität.

    Die Realität ist leider, dass in diesem System so ziemlich alles falsch läuft und es für 99% einfach nur in jeder Hinsicht unoptimal ist. Wer in diesem System lebt dient einzig dem Kapital und damit der Elite und tut für sich selber folglich immer das unoptimalste und für die Elite das optimalste.
    Und "optimal" handeln bedeutet in diesem System so, dass aus einem selbst maximaler Profit rausgeschlagen werden kann, das dient dann in erster Linie zwar wieder der Elite und der Abstrakten Reichtumsvermehrung aber man bekommt als Belohnung für soviel gehorsam wenigstens ein ganz klein bischen Reichtum ab, denn schließlich soll einen das ja motivieren weiter zu schuften und weiter Profit abzuwerfen.

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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