Samstag, 14. Januar 2012

Unfall / Havarie im Mittelmeer "Costa Concordia" - Ein Konsumknast ging unter

Die Bilder der Havarie aus Italien bewegen. Die allgemein anerkannte Kultur, "Untergang der Titanic" bringt Emotionen hervor. So vergisst man leicht, dass jede Schifffahrt, das Risiko eines Untergangs bedeutet, wie jede Autofahrt. Je mehr Schiffe sich auf dem Meer befinden, desto öfter werden sich diese Dramen ereignen. Ich versuche mit diesem Artikel eine objektive Betrachtung. Ich möchte mich nicht dem Emotionaljournalismus willenlos ergeben.



Emotions-Journalismus: Schockierte und wütende Passagiere als Aufhänger der Story

Vorzugsweise kommen noch unter Schock stehende und emotional geladene Passagiere zu Wort. Sie berichten von inkompetentem Personal, das sich zu wenig um sie kümmerte. Schwimmwesten waren nicht sofort verfügbar, sagen sie. Doch soll in Zukunft jedem Passagier ein Steward abgestellt werden, der ihnen die Schwimmweste hinterher trägt?

Das Personal sei genauso darauf bedacht gewesen, in die Rettungsboote zu kommen wie die Passagiere. Was ist das für ein Vorwurf? Erwarten diese Menschen, das sich andere für sie opfer, wie im Film "Titanic"? Jeder kann sich diesen "LUXUS" von Kreuzfahrt mittlerweile schon ab 499 Euro leisten.

Das Restrisiko einer jeder Seefahrt ist heute im Mittelmeer eingetroffen. Unvorhersehbar und schonungslos - so scheint es. Ein Schock für viele  Zuschauer und Passagiere. Der Heldenmythos der Titanic-Mannschaft mit einem Board-Orchester, das spielte bis es unterging, ist mit der "Costa Concordia" untergegangen. Das zeigt wie geprägt die Masse der Menschen von Emotionen durch Film und Literatur ist oder besser gesagt, manipuliert ist. Eine Selbsteinschätzung von Risiko, Notwendigkeit und Sinn von Reaktionen oder Aktionen ist unter diesen Voraussetzung meist gar nicht mehr möglich.

So wird es ist in der nächsten Zeit zu immer weiteren und schmerzhafterem Erwachen aus dem selber vorordneten Traum der Sicherheit geben.


Luxus des kleinen Menschen: Kreuzfahrt als freiwilliger Aufenthalt im Konsumknast 

Kreuzfahrten sind der Renner in der Ferienindustrie. Alleine das Wort "Industrie" gibt Auskunft darüber, dass es sich bei Kreuzfahrtschiffen lediglich um Wertschöpfungsmaschinen handelt. Der Schutz der eigenen Wertschöpfungskette wird unter der Argumentation eines schonenden  Tourismus betrieben. Im Grund ist diese aber eine Ausgrenzung der bereiten Länder, an der Wertschöpfungskette teil zu haben. Kreuzfahrten sind daher eine Sightseeingtour durch die Armut der Welt. Tolle Show mit traditionellen Tänzen ausgesuchter einheimischer Dienstleister, organisiert durch die Reisegesellschaften, eine Art des Wertschöpfungskolonialismus der Moderne. Ein Systemzwang der bis zur Spitze getrieben wird. 

Ein Kreuzfahrtschiff ist eine in sich geschlossene Wertschöpfungskette. Der Gast, Kunde bzw. Konsument verpflichtet sich mit der Buchung, für einen festen Zeitraum, sein Geld ausschließlich an Bord zu verkonsumieren. Eine optimale Lösung gegenüber der gängigen Methode "Ferienhotel". Freizeitindustrie ist ein hart umkämpfter Markt.

Bei einer Kreuzfahrt wird Mitbewerbern der Zugriff auf die generierte Melkherde alleine durch die Lokalität verweigert. Das eigentliche Problem besteht darin, die Menschen zu begeistern, sich für 14 Tage im Konsumknast auch noch ein Eintrittsgeld abzuverlangen. Das kann nur mit Emotionen geschehen. Dazu muss man einen Blick zurück in die Entstehungsgeschichte der Kreuzfahrt wagen.

Die "Titanic" ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Reisen in die USA waren damals nur mit dem Schiff möglich. Auch damals waren Reisen für die bessere Gesellschaft auf einem großzügigen Schiff schier unerschwinglich. Deshalb ging man dazu über Auswanderer in "Luxusliner" zu transportieren. Deshalb durfte der kleine Mensch in Massen auch in den Bauch der Titanic, zwar zu widrigen Bedingungen - aber das war ihm egal. Die Überfahrt der Massen, machte den Luxus im Oberdeck erst möglich.

Die Masse bezahlt so den Luxus der Wenigen. Ein gängiges Profil unserer Daseins-Definition, das wir kleine Menschen auch erfüllen. Mit der heutigen Werbung im dem modernen Kreuzfahrer die Emotion ausgelöst, er gehört zur gehobenen Kasse. Er ist First Class auf der Titanic. Wertschöpfung ist also die Triebfeder unseres Willens zur Innovation. Sinnhaftigkeit und Allgemeinnutzen ist lediglich an angenehmer Nebeneffekt, aber nicht zwingend. So auch in der Kreuzfahrt. 

Die ersten Kreuzfahrten, waren immer noch ein Luxusnachweis und Statussymbol für die Elite einer Gesellschaft. Man bereiste die Welt über mehrere Monate. Das überschreitet das Budget des Durchschnittskonsument bei weitem, doch die Wirtschaft muss wachsen. Immer mehr "Kreuzfahrtschiffe" bieten immer kleinere Routen zu erschwinglichen Preisen an. Der kleine Mensch fühlt sich in der Luxusklasse der Reiche, Schönen und Mächtigen. Er begibt sich freiwillig und mit der größten Überzeugung von Freiheit in das Konsumgefängnis von Reedereien und Investmentgesellschaften. 

Da Gewinnoptimierung das oberste Gebot allen Schaffens der Menschheit ist, wird jeder Luxusartikel - je länger er existiert - durch Quantität in die breite Masse, mit sinkenden Preisen katapultiert. In der Zwischenzeit sucht sich die Elite neue Repräsentationsartikel. Wer sich vor 10 Jahren keine Kreuzfahrt leisten konnte, kann es heute. Ich möchte damit nicht sagen, dass die früheren Kreuzfahrten einen kulturellen höheren Stellenwert hatten, als die heutigen.

Das Konsumvieh in der ersten Phase der Kreuzfahrt, stellt seinen Status genauso zur Schau, wie der heutige Mini-Kreuzfahrer. Kreuzfahren ist heute Massentourismus, absolut Umsatz orientiert. Wer eine Nilkreuzfahrt macht, sieht hunderte von Nilkreuzfahrtschiffen und das Ausmaß des Charlynismus der heutigen Hochkultur. Personaleinsparungen und immer geringere Bezahlung sind eine natürliche Auswirkung unseres Daseins in einer Hochkultur, basierend auf Wertschöpfung. Immer gefährlichere Routen, aus Sicht des Seefahrers werden unter dem Aspekt, Profit gebeugt. Da ist es nicht verwunderlich, dass es zu immer mehr Unfällen kommt und kommen wird.

Das gleiche gilt für die Luftfahrt. Die startenden Flugzeuge werden immer älter, die Preise müssen immer geringer werden, um noch die Masse befördern zu können, um wirtschaftlich überleben zu können. Da erhöht sich alleine das Risiko durch die Quantität. Der neutrale Beobachter nimmt allerdings nur die Zahl der Unfälle wahr, nicht die immer höhere Anzahl von Flügen oder Kreuzfahrten.  So verfällt er in seiner Logik der Annahme Katastrophen häufen sich. Sie häufen sich aber nur, weil die Risikofreude der Menschen steigt.

Das gilt auch für Naturkatastrophen. Küsten waren heute nur deshalb noch unbewohnt, weil die dortige Bevölkerung die Risiken kannte und lieber im Hinterland blieb. Wie in Thailand. Es blieb Platz für all die Hotelparadiese, wie wir bequem im Reisebüro buchen können.

Jetzt sprechen wir von verheerenden Flutkatastrophen mit viele 100.000ende Toden. Die Verantwortung der Entscheidungsträger wird hierbei nicht in Betracht gezogen. Bezogen, hätte sich die thailändische Regierung geweigert, die Bebauung der Küstenstreifen freizugeben, wäre sie unter dem Druck des Systemszwangs unseres Bonusdenken zusammengebrochen.

Solchen Entscheidungen geht immer eine Kalkulation des Restrisikos voraus. D. h. ein Ausschlussverfahren gemäß der Wahrscheinlichkeit beginnt - aber immer im Vergleich zu den Kosten der Schutzmaßnahmen. Im Falle Thailand mussten wir sehen, wie ein Restrisiko vielen Menschen das Leben nahm. Ein Restrisiko, dass Unternehmer eingingen.

Die Tsunamiwelle in Japan verlief dagegen glimpflich. Der Japan bevorzugt höher gelegene Wohnort. Er weiss warum.

Wie lange wird es dauern, bis die Masse der Menschen wieder vergisst, dass ein Rückgang des Meeresspiegels kein Naturschauspiel ist, das man bewundert, sondern das Signal ist, weg zu laufen! Das Restrisiko fährt aber auch mit jeder Kreuzfahrt im Nacken mit. Kein Steward und Kapitän der Welt, kann es eliminieren. Es ist und bleibt da. Egal welche Vorkehrungen die Menschheit trifft.

Kommentare:

  1. Der Journalist hat das Thema brillant analysiert. Noch selten so ein kritisch und guter Artikel gelesen. Stimme 100 %-ig mit ein.
    "Nobel muss die Welt zu Grunde gehen" sagte meine Grossmutter.
    Und: Recht hatte sie!

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  2. Brillant geschriebener Artikel. Treffender koennte es nicht geschrieben sein. Dem Journalisten ein Bravo & Allerbesten Dank !

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  3. Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied zwischen Emotionen und Gefühl!

    Emotionen werden künstlich konditioniert und kommen somit nicht aus dem Innern des Menschen!

    Außerdem mag ich es nicht, wenn Sachverhalte objektiv ohne Gefühle analysiert werden! Wir sind doch hier auf dem Blog keine Maschinen und ich denke auch das hier keine Psychopathen unterwegs sind!

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  4. Habe vor zwei Tagen eine interessante Seite gefunden...

    ...dort beschweren sich europäische Frauen und Männer darüber, dass sie angeblich von Menschen aus armen Ländern ausgebeutet wurden, weil diese ihnen Liebe vortäuschten, aber in Wirklichkeit nur Wertschöpfung an ihnen betrieben...

    http://www.1001geschichte.de/inhaltsverzeichnis-geschichten-1/

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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