Mittwoch, 14. März 2012

Schlecker: Keine Kredite für kleine Verkäuferinnen

Nun ist bekannt, welche Filialen des Schleckerkonzerns geschlossen werden. 2000 Läden schließen bis Ende Monat ihre Türen und 12.000 Menschen verlieren ihren Job. Doch das ist noch lange kein Grund für den Staat mit Krediten einzugreifen und zu retten, was noch zu retten ist.

Die "Süddeutsche" schrieb bereits vor einigen Wochen, dass die Schleckerpleite nicht mit Nokia oder anderen großen Entlassungen verglichen werden kann. Bei Schlecker seien lediglich Frauen als Niedrigqualifizierte beschäftigt. Bei Nokia sei das etwas gaaaanz anderes. Dort verlören Hochqualifizierte ihre Jobs.

Doch noch etwas gravierendes ist anders bei Schlecker. Bei der Schleckerpleite haftet die Familie mit ihrem gesamten privaten Vermögen. Bei Opel, Nokia und der Autoindustrie handelt es sich lediglich um AGs und dort gibt es einer Pleite nicht viel zu holen. Würde heute VW aufgelöste, ergäben die Immobilien und Produktionsmaschinen niemals die Summe der Verbindlichkeiten. Die Aktien, die heute als Zahlungsmittel gelten wären im Falle eine Pleite nichts mehr wert. Die Firma könnte ihr Stammkapital ohne die Ausgabe von neuen Aktien nicht mehr erhöhen. Der Anlegen könnte sein Geld, nicht mehr in ein Pleite Unternehmen investieren. Mit jeder neuen Ausgabe von Aktien, inflationiert die Firma und die Börsenkapitalisierung steigt.

Da sitzt der Teufel wieder mal im Detail. Auch Merkle bekam keine Staatshilfen, nach seinem Mega-Deal mit den VW-Optionen, die Porsche startete, als VW von Porsche übernommen werden sollte. Nicht einmal bei den "berühmten" Jobrettungsaktionen unserer Bundes- und Landesregierungen geht es vorrangig um Jobs, sondern immer nur um den lieben Kapitalmarkt und das anonymisierte Investment Geld. Merkles Imperium konnte zerschlagen werden und fand zu Schnäppchenpreise neue AG-Inhaber.

Mit der Schleckerpleite wird der Markt bereinigt, wie man so schön sagt. Neue Marktanteile gibt es nicht mehr, man kann sie nur einem anderen wegnehmen, ohne neue Jobs zu schaffen. Ab März stehen 2000 Filialen leer. 2000 Ladeneigentümer kassieren keine Miete mehr und es wird sich nur schwer ein Nachfolger, vor allem in den ländlichen Gegenden finden. Betroffen sind nur kleine Menschen, die an der Marktwirtschaft teilnehmen wollten. Es trifft keine großen Immobilienfonds, daher gilt dieses Vermögen als NICHT schützenswert, sondern als Futter und Opfer für den großen Markt.

Schlecker ist nicht in den Einkaufszentren auf der "grünen Wiese" zu finden. Gebaut von Projektieren, die ihre Immobilien nach der Vermietung in "Regionale Immobilienfonds" der dort ansässigen Kreissparkasse legen. 

Ja, der Kreis der Auswirkungen ist groß und es gibt vieles zu beachten, wenn man die Schutz- und Fördertöpfe des Staates kommen will. Ein Privatunternehmen mit über 25.000 Beschäftigten in Deutschland fällt daher nicht unter einen der aufgespannten Rettungsschirme und schon gar nicht kleine Verkäuferinnen.

Sie arbeiten meist nur Halbtags und haben noch einen weiteren Versorger im Haushalt. Das wird wohl die Überlegung sein. Dass aber auch an diesen kleinen Jobs, die Hausfinanzierung und die Schulfinanzierung hängt, wir einfach ausgeblendet. Man sieht auch nicht, dass viele alleinerziehende Mütter auf diesen Job angewiesen sind. Doch wer will das wissen. Das ist Marktwirtschaft in ihren härtestens Zügen. Das ist unsere Daseinsdefinition in ihrer nackten Wahrheit.

Es kann jeden treffen - heute, morgen oder übermorgen. Marktwirtschaft kennt keine Solidarität oder gar Menschlichkeit. Menschlichkeit ist nur dann interessant, wenn sich daraus ein Profit schlagen lässt. Schlecker versuchte seine Mitarbeiter bis zum Ende zu halten. Er verbrauchte sein ganzes Privatvermögen, um zu retten, was zu retten ist. Ein richtiger Marktwirtschaftler hätte schon vor zwei Jahren, 12.000 Menschen entlassen. Der schlechte Ruf des Ausbeuters wäre ihm egal gewesen. Eigentlich hätte Schlecker ebenfalls nicht auf seinen Ruf achten müssen, seiner war eh schon zerstört.

Kommentare:

  1. @ Politprofiler

    Schön, dass du wieder online bist! :)

    Heute morgen habe ich mich dabei erwischt, wie ich (mein Marktwirtschaftshirn) Versandkosten sparen wollte...

    ...da hab ich mich richtig reingesteigert, wollte unbedingt ein Schnäppchen machen...

    Das war komisch das mal an sich selbst genau zu beobachten!

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Bei Opel, Nokia und Merckle standen ganz andere Kräfte dahinter.
    Opel hatte noch nie einen Cent Steuern in dEUtschland bezahlt.
    Nokia bekam sogar noch Gelder vom Staat und der EU.
    Und der (Selbst)Mord Merckle liefert Stoff für mehrer Thriller.
    Merckle durfte man nicht helfen.
    •Offenbar fühlte sich auch dafür kein Staatsanwalt zuständig.

    Ich glaube nicht das beim armen Schlecker was zu holen ist.
    2009 Anton Schlecker Vermögen 3,6 Milliarden $
    Weltranglistenplatz 156
    Ist euch schon mal aufgefallen das unter den Reichsten der
    Welt keine Bankster sind ?

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