Mittwoch, 21. März 2012

Terror in Toulouse: Die Welt im Taumel der ewigen Magdeburgisierung

Vor wenigen Wochen erschossen amerikanische Soldaten, vermutlich im alkoholisierten Zustand, neun Kinder und sieben Erwachsene. Der Westen sieht dies nicht als Terrorakt, sondern als verblendeten Amoklauf. Die westliche Öffentlichkeit zeigte sich in keiner Weise bestürzt. Es gab keine Bilder der trauernden Angehörigen. Es gab keine Computeranimationen, wie die Täter vorgingen und kaltblütig und berechnend in Häuser eindrangen und Kinder hinrichteten. 

Noch schlimmer ist die Tatsache, dass der/die Täter nicht vor ein afghanisches Gericht gestellt werden, sondern längst in die USA ausgeflogen wurden. Nur dort kann ihnen anscheinend ein "gerechter" Prozess gemacht werden. In der Öffentlichkeit wird dieser Terrorakt - so muss es nun mal genannt werden, wenn man die Sachlage neutral betrachten will - immer noch von einem Einzeltäter gesprochen. Die unsägliche Hasskampagnen gegen Moslems in den Besatzerkasernen (muss auch so genannt werden - sie sind nichts anderes), wird erst gar nicht thematisiert.

Danach wurden wahllos franz. Soldaten erschossen. Auch hier zeigte sich die Gesellschaft nicht schockiert. Erst als es zu der Bluttat vor einer jüdischen Schule und zwei Toten Kinder kam, reagierte die Öffentlichkeit mit konditionierter Entrüstung. Nur diese Tat wird als Terrorakt offiziell anerkannt. Die Empörung ist politisches Programm und schon befinden wir uns wieder in einer unsäglichen Religionsdiskussion, die ausschließlich Moslems als Täter anerkennt. Alle anderen Verbrechen geschehen aus purer Gerechtigkeit und rechtfertigen sich mit unseren Gesetzen des Völkerrechts.

Justitia - das RECHT zu RICHTEN.
In der einen Hand das Schwert der STRAFE, der GERECHTEN.
Letztendlich muss man sich eingestehen, dass sämtlich Soldaten in Afghanistan ein Erschießungskommando der Vereinten Nationen darstellen, die nicht fähig ist, Morden grundsätzlich als Morden anzuerkennen, sondern immer mit den verbunden Augen einer Justita, die der einen Hand nicht geeichte Waage der Gerechtigkeit hält und in der anderen, das Schwert, das ihr erlaubt zu richten, was nicht gerichtet werden müsste.

Wer den/die amerikanischen Soldaten für ihre Bluttat und ihr Morden an den neun Kindern und sieben Erwachsenen (hauptsächlich Frauen) mit blank liegenden Nerven und Überforderung abwiegelt und sein Gewissen damit entschuldet, muss die gleichen Maßstäbe dem jungen 24jährigen Mann in Toulouse genauso zugestehen. Doch das scheint nicht möglich. Eine seltsame Art von ungleicher Betroffenheit hat längst in uns Platz genommen. Wer hier nicht eindeutig Position pro Islam-Terrorismus bezieht, wird als Antisemit gebrandmarkt.

Folglich haben wir in Europa und den USA einen verirrten Gerechtigkeitsbarometer, der uns nicht erlaubt, Selbstreflektion zu betreiben. Die Staatsräson und der amtlich anerkannte Völkermord an Juden lässt das leider nicht zu. Selbstverständlich kam es innerhalb Europas zu grauenvollen, religiös motivierten Taten gegen eine Glaubensgruppe, die oft sogar vom niedrigsten Beweggrund, dem Neid, angetrieben waren. Doch das sollte uns nicht davon abhalten, jeden Mord und jeden Toten gleichermaßen zu beklagen, sonst geht jede Objektivität verloren. Wer jüdische Kinder kaltblütig erschießt ist genauso brutal, wie ein Soldat, der kaltblütig afghanische Kinder in ihren Betten ermordet. Für mich sind all diese Toten gleichermaßen MORD.
Es gab nie einen gerechten Krieg - Krieg ist immer morden

Wir empfinden die Ermordungen von iranischen Atomwissenschaftler durch Geheimdienst nicht als Terrorakt, sondern als gerechtes Gericht und Strafe. WARUM? ...  auch diese Männer haben Familie und Angehörige, die sie betrauern und nach einem plausiblen Grund für den Tod ihres Vaters fragen. Nur sie erfahren keine Teilnahme der Weltgesellschaft, sondern nur Hohn und eine Entpersonifizierung.


Wir vergessen die berechtigten Fragen, der afghanischen Dorfgemeinschaften, warum ihre Kinder und Frauen nun tot sind. Die Welt ist nicht SCHWARZ/WEISS, sie ist nur SCHWARZ. SCHWARZ durch einen Hass, der aus den niedrigsten Beweggründen entstand, den unsere heutige Gesetzgebung kennt - und das ist die Gier. 

Die einen fühlen sich in einem gerechten Krieg, weil sie angeblich am 11. September 2001 von Terroristen angegriffen wurden. Doch das Vorspiel zu diesem Krieg der angeblich Gerechten blenden wir aus, weil wir sonst zu falschen Schlüssen kommen, die unser eigenes Gewissen belasten würden.

Die afghanischen Gesellschaftsstrukturen lassen ein Marktwirtschaftsdenken, wie es in Europa und den USA praktiziert wird, nicht zu. Eine Ausbeutung der Ressourcen in der gewohnten us-europäischen Hierachiestrukturen ist nicht möglich. Landeigentümer in Afghanistan fühlen sich als Clan der gesamten Bevölkerung des Gebietes verpflichtet. Eine Veräußerung von Schürfrechten durch einen Einzeleigentümer, Firma oder Staat ist daher nicht möglich. Die Profite könnten nicht in den Westen fließen, wie in anderen Weltgebieten, die längst mit unserer Logik resozialisiert wurden.

Für einen Taliban - wollen wir diese Denkstruktur mal auf diesen Personenkreis herunterbrechen, um  es zu vereinfachen, sind daher unsere marktwirtschaftlichen Werte geradezu eine Ausbeutung der eigenen Bevölkerung, gegen die sich wehren. Sie erkennen den egomanisch ausgeprägten Charakter unserer Definition von RICHTIG UND FALSCH, "noch" nicht an, aber der Westen braucht deren Rohstoffe und damit die Kooperation einer Demokratie, die eine neue Rechts- und damit Wertesprechung erlässt. Deshalb hat sich der Westen anhand seinem gültigen Recht dazu entschlossen, einen Krieg gegen die Wertevorstellung der Afghanen zu führen. Ein ganzes Volk soll resozialisiert werden, also mit Gewalt und Brutalität in unsere Werteauffassung und Marktwirtschaftslehre gehirngewaschen werden. Die Auswirkungen sehen wir heute. Es kommt zu einem sinnlosen Morden und Vergelten - alles nur wegen der Gier, deren Anwesenheit wir uns nicht eingestehen wollen. Wir definieren lediglich das ungerechtfertigte Verhalten DER ANDEREN aufgrund von Auswirkungen, die wir selber - bzw. die von uns legitimierte Politik auslöste.

Eine Ende der weltweiten Magdeburgisierung ist nicht in Sicht

Daher wäre es ratsam endlich die Gefühle und Wertschätzung der anderen Menschen anzuerkennen, anstatt sie mit übertriebener Propaganda erst gar nicht in die Wahrnehmung der westlichen Bevölkerung hinein zulassen oder es als eine ART RELIGIÖSEN KONFLIKT in der Öffentlichkeit darzustellen. Selbst die Kreuzzüge waren kein Religionskrieg, sondern Raubzüge.

Die Lösung liegt nicht in der Kritik DES ANDEREN, sondern wir müssen lernen uns selber zu kritisieren. Nicht alles was gemäß unserem Gesetz richtig ist, ist richtig. Provokation eines Konflikts findet oft mit verbalen Attacken, falschen Behauptungen und Sanktionierungen statt. D. h. die Bevölkerung wird vom Welthandel abgeschnitten. Das kommt einer Belagerungstechnik im Mittelalter gleich, mit der die Stadt zur Aufgabe gezwungen werden soll.

Doch je länger die Belagerung dauert, kommt es ihm Heer der gerechten Belagerer zu Wut und Hass. Dies ist besser bekannt als "Magdeburgisierung". Fällt der Belagerte kommt es zu einer brutalen Wutentladung und jeder Stadtbewohner wird dahin gemetzelt - selbst gegenüber Frauen und Kindern kennt man kein Erbarmen mehr.

Die Welt befindet sich offensichtlich seit Jahrtausenden im Zustand der geistigen Umnachtung, die sich als Magdeburgisierung in allen Teilen dieser Welt entlädt. Jeder scheint das Recht auf seiner Seite zu haben und merkt nicht, dass es kein Recht auf Morden, Töten und Rauben gibt.

Kommentare:

  1. Und der Wortwahl Terrorakt stimme ich voll. Denn die unterschiedliche Betrachtungsweise der Tat an sich ist schon manipulativ in eine Richtung, denn als in Afghanistan Kinder und Erwachsene von einem US Soldaten ermordet worden sind, sprach man statt von einem Terrorakt, von einem Amoklauf.
    Wo ist der Unterschied zwischen den beiden Taten? Es gibt keinen. Danke für deinen Artikel..er wird verteilt. :-)

    neben der Stimmungsmache gegen bestimmte Gruppen, kann es auch sein, das im Zug der Wahlen das Thema Nationalismus in Frankreich genau das Thema ist, damit der kleine “Napoléon” noch eine weitere Amtszeit bekommt?

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  2. @ Empörte
    Sarkozy bettelt um eine Wahlmanipulation seitens der Marktwirtschaftshirne.

    Wird wohl laufen wie bei Karsai. Dieser manipulierte zwar seine Wahl, aber es hatte keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis.

    Kicher - ich finde diese Erklärung der USA soooooo genial einleuchtend.

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  3. Das sind alles Projektionen...

    ...der eigene Hass wird auf äußere Objekte übertragen und dort bekämpft...

    Aber sag mal diesen Leuten, dass das ganze Übel in ihnen selbst steckt...

    ...dann flippen sie alle aus... :D

    Besonders die Weltverbesserer!

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