Dienstag, 17. Juli 2012

Karstadt-Entlassungen: Der Kapitalismus löst keine Probleme, er ist das Problem

Ganze zwei Jahre verzichteten die Mitarbeiter bei Karstadt freiwillig auf einen Teil ihrer Löhne- und Gehälter. Sie folgten dem Motto: "Ohne Arbeitgeber keine Arbeitsplätze". Sie wollten ihr Unternehmen und damit ihr Einkommen erhalten. Nun kommt der Schock. Berggrün, der Menschenfreund und Karstadtretter, entlässt nun nach Ablauf dieser Vereinbarung 2000 Mitarbeiter. Ihre Unternehmerfreundlichkeit wird nun mit Entlassung belohnt. 

Selbstverständlich soll der Stellenabbau so "sozial verträglich" wie möglich vonstatten gehen. Als Begründung für die Entlassungen werden höhere Belastungen angegeben und diese ergeben sich nun aus der Auslaufen der Arbeitnehmer-Verzichtserklärung auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.



Schließlich hört selbst bei den Philanthropen die Menschlichkeit beim Geldbeutel auf. Gemäß den Regeln des Kapitalismus, kann man nur in Geberlaune bleiben, wenn man Geld verdient. Alles andere wäre selbstzerstörerischer Altruismus oder unternehmerischer Schwachsinn; anders ausgedrückt, wider jeder anerkannten Vernunft.

Die wunderbare Welt der Superreichen

 

Hier bleibt dem Arbeitnehmer nur das eine übrig, er muss der kapitalistischen Wahrheit ins Auge blicken und wenn nötig aus Nächstenliebe für die anderen seinen Hut nehmen. So handelt er einsichtig und vernünftig. Vielleicht könnte man die Moral innerhalb der Belegschaft noch anheben, indem sie freiwillig ihre Einkäufe von ihren Gehältern nur im eigenen Unternehmen tätig. So können sich die Lohn- und Gehaltzahlungen des Unternehmens reduzieren und das Geld bliebe in der "Familie".

Noch weiter gedacht, könnten größere Unternehmen, Arbeiterwohnviertel einrichten und die Miete gleich vom Gehalt abziehen. So könnten sie ihre Umsätze und damit Gewinne trotz "teurer" Arbeitskräft weiter erhöhen und gelten dann in der Gesellschaft als noch sozialer. Diese Konzept führte Thyssen-Krupp während der Industrialisierung ein und war damit der soziale Held der Stunde. In diesen Arbeitervierteln wurden sogar vom Großindustriellen Lebensmittelläden betrieben. So arbeiteten die Menschen lediglich noch für Kost & Logis.

Leider konnte dieses Konzept nicht auf Dauer durchgehalten werden. Die übrige Unternehmerschaft, die auch von den Einkommen der Thyssenarbeiter profitieren wollte und musste, ging pleite. Ebenso konnte der Staat keine Steuer bei den Arbeitern erheben und bei Arbeitslosigkeit stand der fleißige Arbeiter wieder auf der Straße.

Der Mensch sucht also seit Jahr und Tag nach Lösungen für die Fehler im kapitalistischen System und hat bis heute kein Mittel gefunden, die Gewinnansprüche der Unternehmerschaft sozial verträglich aus dem Bürgervermögen auszupreisen, denn irgendwann ist keine Substanz mehr im Volk. Man kann es auch Überwirtschaftung nenne. 

Jede sogenannte systemische Krise entstand also daraus, dass die Gewinnansprüche der Vermögen stetig den existierenden Markt überforderten und die Staaten zu Schulden und zu Konjunkturpakten in Form von staatlichen Aufträgen antrieben.

Tatsächliche Lösungen sind nur da zu finden, wo das gängige Denkmuster nicht nur durchbrochen, sondern auf die Seite gelegt wird. Wer die Zinsspirale aufheben will, muss gleichzeitig die Gewinnspirale der Unternehmer aufheben. Doch das wäre ein radikaler Bruch mit dem Kapitalismus und würde sogar den Kommunismus als materialistisch enttarnen, wie jedes andere angebliche System, das der Mensch sich jemals ersann.

Die Wahrheit über den Kapitalismus

Realistisch überlegt, kann der kleine Mensch nicht auf ewig seine Einkommen freiwillig kürzen, um die Gewinne seiner Arbeitgeber zu sichern, damit er seinen Arbeitsplatz behält. Es ist rein mathematisch auch nicht möglich, dass der Staat ständig die auflaufenden Defizite zwischen Existenzminimum der Arbeitnehmer und ihrer sinkenden Löhne ausgleicht. Dies sehen wir in der heutigen Staatsschuldenkrise überall auf der Welt.

In Wahrheit wurde lediglich das Problem der sinkenden Löhne zum erhalten der Marktwirtschaft auf die Staaten verlegt. Daher ist es genauso aussichtlichlos diese nun in noch größeren Staatengemeinschaften "gesund" zu vergrößern, wie die fehlenden Löhne zu früherer Zeit in die Aufgabe der Menschengemeinschaft Staat gelegt wurden. Es ist nur eine Verzögerung des totalen Zusammenbruchs.

Es wird genauso scheitern wie die philanthropische Lösung des Krupp in der Industrialisierung. Der Fehler liegt eindeutig in der Ausgangsformel auf der sich der gesamte Kapitalismus begründet. Eigentum kann sich nicht ständig mit Gewinn verzinsen, der durch die Arbeitskraft und Leistung des Habenichts sich errechnen muss und von ihm erwirtschaftet werden muss.

Es musst eine grundlegende Diskussion über die Grundformel des Kapitalismus geführt werden und die Frage gestellt werden, wie sozial sind Unternehmergewinne? Noch ist die Politik in der Frage verhaftet, wie die Gewinne in der Marktwirtschaft gerecht verteilt werden. Die stetig wachsenden Gewinne bei den Unternehmern wird nicht in Frage gestellt. Man hält es für eine Prämisse und ist lediglich bemüht "sozial verträglich", die Ansprüche der Masse zu reduzieren. Doch auch das kann nicht ewig funktionieren.

Die Substanz der Völker ist aufgebraucht und längst in den Händen der sogenannten reichen Philanthropen, die ihre Existenzberechtigung nun in Konzepten wie Karstadt oder anderen Arbeitnehmer- und Spendenmodellen suchen.

Es kann auch kein menschlicher Grundsatz sein, dass Reiche immer noch reicher werden müssen, um Menschlichkeit ausüben zu können. Das ist der Denkfehler der Vernunft. Am Ende hätten diese Philanthropen den Staat als privates Sozialmodell in ihren Händen und würden die angestrebten Überwesen und Götter der Menschheit. Aus diesem Grund respektieren wir auch reiche Menschen mehr als arme. Es ist uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen.

Der Mensch muss endlich der Tatsache ins Auge schauen, dass sein Lebensmodell "Kapitalismus" nicht funktioniert. Nicht das Eigentum ist Grundwert auf dem sich die Existenz der Menschheit aufbaut, sondern die Leistung jedes Einzelnen. Nur unter diesen Umständen kann der Mensch sein kommerzielles Gewinn- und Bonidenken aufgeben und Eigentum damit wertlos machen. D. h. es hat keine erpresserische Position mehr gegenüber den Habenichtsmenschen. Das Verlangen und der Überlebenstrieb der sich im letzten Stadium des Kapitalismus immer in Diebstahl auf die eine oder andere Art kompensiert, wäre nicht mehr möglich und nötig. Sämtliche moralischen Grundsätze, ja sogar die 10 Gebot würden sich dann erübrigen. Sie müssen nicht mehr formuliert und bei Missachtung mit Strafen belegt werden. Regelverletzungen wären nicht mehr notwendig, zum Lebenserhalt. Existiert kein Eigentum mehr, kann es nicht mehr gestohlen und auf der anderen Seite durch Verkauf zu Geld gemacht werden.

Der Mensch hätte zu seiner Natürlichkeit zurück gefunden und müssten sich nicht mehr der künstlichen und menschenverachtenden Ordnung des Kapitalismus unterwerfen. Demokratie hätte plötzlich eine ganz andere Aufgaben. Sie könnte sich darauf konzentrieren Entscheidungen zu treffen, die allen Menschen gleichermaßen zum Vorteil wären und müsste nicht immer Minderheiten per Mehrheitsentscheid zum Ertragen der negativen  Auswirkungen des Kapitalismus verdonnern.

Vieles würde sich im Leben der Menschen ändern, da sie eine ganz andere Perspektive auf Leistung und Existenz haben. Popstars oder Fußballstars wird es dann wohl nicht mehr geben. Man könnte mit diesen Ikonen kein Geld mehr verdienen und müsste daher keine Fangemeinschaften mehr gründen, was aber der Kreativität der Menschheit bestimmt keinen Abbruch macht. Fortschritt wäre dann erreicht, wenn Lebensverbesserungen erzielt werden, die allen zu Gute kommen und müssten diese nicht auch noch mit kommerziellen Gewinn gerechtfertigen. 

Dann könnte der Mensch tatsächlich aufhören Waffen zu produzieren, sondern Wasserpumpen bauen. Doch ein Schritt der Vereinigung wäre noch zu machen. Die älteste aller Ordnung die sich über die Menschheit legt und sie von einander trennt sind die Religionen. Sie verkörpern die innere Festigung der kapitalistischen Gewinnordnung und des Denkens. Auch diese müsste der Mensch aufgeben. Er müsste also all das aufgeben, was er heute Kultur nennt. Doch das fällt nicht schwer, wenn man mit Verstand die Dinge auf dieser Welt begreift und seine künstliche und anerzogene Emotionalität nicht ignoriert, sondern als inneres Lügengebäude selber einreißt.

Das "Jüngste Gericht" bist Du selber - aber nur für Dich alleine

Ein Gott, der Vorschriften erlässt, die andere bevorzugen und übervorteilt, kann kein Gott sein, sondern er wurde von Menschen erfunden, die andere unterdrücken wollen. Diese Wahrheit wird bei vielen auf Widerwillen, Unmut und gar Wut stoßen. Es liegt also alles am Willen des Menschen, die Wahrheit zu erkennen und sie zuzulassen.  Das ist wohl das "Jüngste Gericht", das dann in einem toben wird und all das Schlechte und Hinterhältige hinweg wischt.

Die mystischen Engel und Gewalten kommen nicht von Außen und schon gar nicht vom Himmel, sie senken sich mit der Erkenntnis des Verstandes auf die Seele des Menschen und lassen ihn sich selber der Richter sein. Das ist die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben.

Diese Menschen werden die heutigen Tempel - die Ordnungen über der Menschlichkeit - einreißen und nie mehr erbauen wollen, denn sie sehen die neue Ewigkeit der Menschheit als neues Einverständnis zum Leben vor sich ... für alle Generationen, die nach ihnen kommen. So definiert sich Ewigkeit in bezug auf ein Menschenleben.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. * Ein Sohn fragt seinen Vater: "Papa was ist eigentlich Politik?" Da sagt der Vater: "Also, ich kriege das Geld nach Hause, also bin ich der Kapitalist. Deine Mutter verwaltet das Geld, also ist sie die Regierung. Der Opa paßt auf dass alles sine Ordnung hat, also ist er die Gewerkschaft. Unser Dienstmädchen ist die Arbeiterklasse. Wir alle haben eines im Sinn, nämlich dein Wohlergehen. Also bist du das Volk. Und dein kleiner Bruder, der noch in den Winden liegt,ist die Zukunft. Hast du das alles verstanden, mein Sohn?" Der Sohn überlegt kurz und bittet seinen Vater, dass er noch eine Nacht darüber schlafen möchte. In der Nacht wird der kleine Junge, aber wach, weil sein kleiner Bruder in die Windel gemacht hat und deshalb furchtbar schreit und weint. Da er aber nicht genau weiß, was er jetzt tun soll, geht er rasch ins Schlafzimmer seiner Eltern. Da liegt aber nur seine Mutter und schläft so fest, dass er sie nicht wecken kann. So geht er ins das Zimmer des Dienstmädchens, wo der Vater sich gerade mit derselben vergnügt, während der Opa durch das Fenster unauffällig zuschaut. Alle sind so sehr beschäftigt, dass sie nicht mitbekommen, dass der kleine Junge vor ihnen steht. Also beschließt der Junge, unverrichterter Dinge wieder ins Bett zu gehen. Am nächsten Morgen beim Frühstück fragte der Vater den Sohn: "Ob er alles verstanden hätte?" Da antwortete der Junge: "Der Kapitalismus mißbraucht die Arbeiterklasse, die Gewerkschaft schaut tatenlos dabei zu, während die Regierung schläft. Das Volk wird vollkommen ignoriert und die Zukunft liegt in der Scheiße!"

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  3. haha - schöne Institutionsbeschreibung - da hat man die Lacher garantiert auf seiner Seite.

    So ergibt sich die Lösung innerhalb des Kapitalismus: Jeder nimmt seine vom System zu geteilte Aufgabe mit höchster Moral wahr!

    "Der Kapitalismus mißbraucht die Arbeiterklasse NICHT, die Gewerkschaften werden überflüssig, wie auch die Regierung. Das Volk mault nicht mehr und braucht keine Demokratie. So hat es Zeit, die Zukunft in trockene Tücher für den Kapitalismus zu packen!"

    Klingt für mich wie Neoliberalismus ;-) In dieser Satzung steht nicht der Mensch als Priorität an erster Stelle - sondern eben der Kapitalismus als externe Ordnung, die, wenn sie eingehalten wird, direkt zur Glückseligkeit im Himmel auf Erden führt.

    Somit ist festzustellen, dass der Neoliberalismus eine Religion mit dem Gott "Kapitalismus" ist und jeder Kapitalist ist der Priester, der ein schlechtes Gewissen bei seinem Nächsten erzeugt, um dessen Opfergaben als Gewinn einsammeln zu können.

    ... denn die Arbeiterklasse ist keine externe Partei, die außerhalb des Volkes steht.

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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