Mittwoch, 3. Oktober 2012

Nachrichtenagentur dapd ist pleite - Die eierlegende Wollmilchsau

Vor wenigen Jahren startete die "dapd" ihren Wettlauf im Nachrichtengeschäft, um das dicke Geld. Ihr Ziel war Marktführer zu werden und damit die anderen in die Ecke zu drängen, in der sie heute selber steht. Das Leben ist irgendwie wie die Bundesliga. Man tritt mit viel Kapital an. Kauft sich die besten Leute und startet durch. Das schafft Arbeitsplätze, solange der Wettkampf anhält. Danach werden wie im Fall der dapd, mehrere hundert Menschen arbeitslos. Ein neuer muss sein Glück wagen. Sei Kapital einsetzen und an einen Erfolg/Sieg glauben. Nur so werden neue Arbeitsplätze geschaffen.

Vorderwülbecke und sein Partner Peter Löw übernahmen vor drei Jahren die kleine Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst (ddp). Ein Jahr später den deutschen Teil des US-Konkurrenten Associated Press (AP) dazu. Nun kommt das AUS für den großen Traum, führende Nachrichtenagentur in Deutschland zu werden. 


Mit kurzen knappen Sätzen gab Vorderwülbecke die Insolvenz bekannt. Er sieht die Schuld darin, dass die öffentlich-rechtlichen Sender bei "dpa" einkauft und nicht bei ihnen. Natürlich darf die teilverstaatlichte Nachrichtenagentur in Frankreich AFP nicht vergessen werden. Ein ganz böser Zustand in einer freien Marktwirtschaft. Der Staat klaut einem das Geschäft bzw. er handelt autark und hält sich seine eigene Nachrichtenagentur. Das ärgert jeden Geschäftsmann.

Offensichtlich soll jetzt eine Scharmoffensive gestartet werden. Der Staat hat wohl aus der Sicht von erfolglosen Unternehmern die Aufgabe von jeder Nachrichtenagentur gerecht verteilt einzukaufen. Das empfindet zwar jeder Langzeitarbeitslose genauso, doch diese Menschen haben keine Stimme, die gehört wird. Dagegen spricht dapd wird kein Wort vom übergroßen Medienkonzern Bertelsmann. Er könnte doch aus Solidarität mehr Nachrichtensendungen ausstrahlen und damit die Nachrichtenagenturen unterstützen, indem er mehr konsumiert. NEIN - das sollen die ÖR auf GEZ-Zahler kosten machen. Das ist gerecht.

Wir sollten uns von diesem neoliberalen Gewäsch, was jetzt wieder über uns ausgegossen wird, nicht beeindrucken lassen. Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Öffentlich-Rechtlichen zu viel für private Nachrichtenagenturen bezahlen. Es ist gerade zu erschreckend, dass sehr viele Medien fast den genauen Wortlaut der Nachrichtenagenturen ungeprüft übernehmen. Damit ist der garantierten Informationsfreiheit kein gefallen getan. Auf der anderen Seite findet gerade wieder ein massiver Angriff gegen die ÖR statt. Viele Privatsender würden gerne die Sendezeiten von ARD und ZDF übernehmen - dann wird uns wohl bald die Katzenberger die Nachrichten vorlesen und am Ende einen Schlitz in Kleid machen wie Ingrid Steeger. Man mag gegenüber den ÖR geteilter Meinung sein, aber ich halte es nicht für wichtig in Zukunft auf allen Kanälen erfahren zu müssen, dass Paris Hiltons Hündchen gerade eine Putz gelassen hat oder Bread Pit, sich durchs Haar fuhr.

Der deutschen Wirtschaft würde es ausreichen, wenn die GEZ-Gebühren in Zukunft als Ausgaben an sämtliche Dienstleister wie Nachrichtenagenturen, Show- und Eventveranstalter aufgeteilt würden. Das ist der einzige Wachstumsmarkt, der noch übrig bleibt.  

So kam es, dass die Tagesschau-APP gegen das Medienrecht (oder was auch immer) verstößt und unangemessene staatliche Konkurrenz darstellt. Auf der anderen Seite sollen aber genau diese Medien teure Nachrichtendienste von Nachrichtenagenturen in Anspruch nehmen, damit die Privatwirtschaft kräftig am GEZ-Zahler verdient. Der Staat wird gerade zur eierlegenden Wollmilchsau für die Wirtschaft geklont und viele der ÖR-Kritiker unterstützen dies aus tiefster Überzeugung.

Ich kann mir sogar vorstellen, wenn unsere Öffentlich-Rechtlichen eine eigene Nachrichtenagentur gründen, wird diese sofort per Richterbeschluss unterbunden, weil sie gegen das Wettbewerbsrecht vorstoße.

Das ist aus meiner Sicht, eine sehr einseitige Bewertung unserer Marktwirtschaft und legt gleichzeitig diese überall vorherrschende Mentalität offen, dass der Staat jede unternehmerische Tätigkeit ohne Beanstandung subventionieren darf, aber niemals in eigener Sache zur Kosteneinsparung sich als Medienanstalt zu erweitern.

Diese seltsame Rechtseinstellung und Gesetzesauslegung führte dazu, dass die heutigen Stromriesen, Privatunternehmen sind, denen wir als Steuerzahler ihre Windparks subventionieren müssen, ebenso die notwendigen Hochspannungsleitungen. Das empfindet keiner der Unternehmer als wettbewerbsverzerrend. Auf der anderen Seite galt es als schweres Wirtschaftsvergehen, diese Betrieb weiter als Staatsbetriebe zu führen, weil keine Gewinn für Privatunternehmer heraus sprangen. Deutschland hat diesen Kampf gegen den Neoliberalismus verloren. Seine soziale Marktwirtschaft mit Helmut Kohl in die Gosse gekippt. Nun ist Russland an der Reihe. Es soll seine Energiekonzerne genauso privatisieren wie Deutschland. Noch hält Putin dagegen, doch das eigene Volk will sich selber, um seine eigenen Einnahmen bringen. Nur so ist eine hohe Staatsverschuldung erst möglich.

Natürlich ist diese Betrachtungsweise von mir, ein Wechselbad der Gefühle. Man sucht vergeblich, die Front an der ich stehe. Denn ich habe keine Front. Ich bin nur der stille Beobachter des ewigen Kampfes um den kommerziellen Erfolg auf dieser Welt.

Dieser Raubbau am Allgemeinvermögen, Steuer- und Gebührenaufkommen unseres Staates wuchert in ungeahnter Art und Weise bereits so tief in uns drin, dass wir diese Denkart sogar als natürlich und gerecht empfinden. Jeder Staat als Auftraggeber verzerrt den Markt genauso, wie jede direkte Subvention. Doch das will man nicht wirklich wahr haben. Selbst ein Staatsauftrag ist eine Subvention, für den Sieger im Ausschreibungswettbewerb. Jede wirtschaftliche Beurteilung dieser Welt ist also lediglich eine Sichtweise und eine Interpretation der Wahrheit, aber niemals die reine und nackte Wahrheit. Immer und überall lauert das Geschäft, der Gewinn, der Auftrag, der jede Wahrheit beugt und nur zu einer Interpretation derselben formt.

Die Wirtschaft kann auch nicht, wie im Falle von Nachrichtenagenturen, verlagen, dass die ÖR in Zukunft gerecht verteilt, von jeder Agentur gleich viel einkaufen. Das ist, wenn sie so wollen der pure kapitalistische  Kommunismus.

Langsam aber zielstrebig bewegt sich die heutige Privatwirtschaft, die wir gerne als "freie Wirtschaft oder gar soziale Marktwirtschaft" bezeichnen, in die Postion von kommunistischen Funktionärsstrukturen. Eine Elite bedient sich ganz bequem und geschützt von einer neuen Moralität, Gesetzen und Regeln, direkt und ungeniert an der Volksleistung. Was nicht heißen soll, dass das klein Verlangen der kleinen Menschen gegenüber dem Staat nicht dem selben Ziel folgt, sich lediglich geringer in der Einzelbetrachtung gewichtet, aber in der Summe, sich nicht vor den Summen der Wirtschaft verstecken muss.

Unser Staat - also wir selber - sind nun mal keine eierlegende Wollmilchsau. Vielleicht reicht es aus, dies zu akzeptieren und sich dann auf die Suche nach echten Lösungen zu machen, die garantiert nicht mehr als Prämisse voraussetzt, dass es diesen Wolperdinger doch vielleicht gibt.


Daher ist es die Aufgabe der Menschen, sie mit einer neuen Denkart, weg vom Profitdenken, etwas ganz anderes zu ersinnen.


  

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