Sensationslust und Angst treiben
seltsame Auswüchse. Wissenschaftler müssen in Italien für sechs
Jahre ins Gefängnis, weil ihre Erdbebenwarnung nicht vehement genug
war. In New York, das voraussichtlich nur von Hurrikan "Sandy"
gestreift wird, wird das "öffentliche Leben", Bus- und
Bahnverbindungen gestoppt. Damit ist allerdings noch nicht genug.
Auch die Wallstreet pausiert und legt einen Ruhetag. So bleibt Raum
für Katastrophenberichterstattung, wo keine ist und an alle Verschwörungstheoretiker: Dieser Sturm ist kein Resultat des Klimawandels, kein Haarpphänomen, sondern ein ganz natürlicher Sturm. Wir befinden uns nicht mehr in der Steinzeit, wo für jeden Blitz ein neuer Gott oder eine neue Opfergabe erfunden werden muss, um uns vor der Natur zu schützen.
Es werden angeblich Wellen in einer
Höhe von ca. 3 Metern erwartet. Sie sollen Teile New Yorks, besser
gesagt die "tiefer" gelegenen Gebiete überschwemmen. Sie Sensations- bzw. Katastrophenlust reißt nicht ab. Es scheint fast
so, als ob die Menschen von der Natur ein Ende ihrer wirtschaftlichen
Probleme erwarten.
Mit stoischer Akribie durchforsten
Wissenschaftler und Erdbewohner Naturphänomene auf der Suche nach
dem Außergewöhnlichen und Abstrakten, das das Ende ihrer Welt
ankündigt. Das was wir Leben nennen zum Stillstand bringt und einen
Neustart einläutet. Die Sehnsucht der Menschen nach einem Neubeginn
ist unverkennbar und zeichnet sich in jeder Phase und in jeder Zeile
unserer Tagesneuheiten ab.Gleichzeitig stellt dieses Szenario eine willkommene Gelegenheit für die Politik dar, dort Fürsorge zu zeigen, wo vorher raue Nachlässigkeit herrschte bzw. Finanzierungsstau, wie man heute so schön sagt.
Irgendwo muss sich doch etwas finden,
dass unsere ausweglose Situation beendet und uns nicht bis zum
unvermeidlichen Zusammenbruch unserer Lebensphilosophie, dem
Kapitalismus führt. Der heute Mensch hat also keine Angst vor dem
Ungewissen, was natürlich ist, sondern er ist von der Angst vor dem
unvermeidlichen getrieben - vor dem Kollaps seines Wirtschaftssystem,
das er für unzerstörbar und vor allem für einen Heilbringer der
ganzen Menschheit hielt.
Immer mehr wird die Wahrheit erkennbar.
Das was für alle Gutes bringen sollte, entpuppt sich als
parteiisches, unsensibles, ja gar unsoziales Monster, das jeden
Hurrikan und jedes Erdbeben in den Schatten von Mittelmäßigkeit
stellt. Es scheint fast so, als ob die Menschheit eine riesige
Naturkatastrophe herbei sehnt, um sich selber beweisen zu können,
dass sich die zerstrittene und sozialdarwinistische
Menschheitsgesellschaft als solidarisch beweisen kann.
Doch in Wahrheit scheitert sie an ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit, die nur unsoziales Verhalten Gut heißt. Der Angst einflössende Sturm "Sandy" traf abermals Haiti. Kostete wieder vielen Menschen das Leben und ohne große Recherchen behaupte ich, dass abermals die Armen in diesem Land von den Folgen dieser Natürlichkeit betroffen waren. Unser Gesellschaft ist nämlich zwar fähig zu halten, aber nicht gewillt. Ihre Vorstellung von "Sozial" und "Solidarität", scheitert grundsätzlich am Willen, der sich über jedes marktwirtschaftliche Denken stellt.
Der Hilferuf einer geschundenen Menschheit
Im Grunde ist es wider jedes
menschliche Denken, an gefährlichen Orten zu siedeln oder gar
unterhalb des Meeresspiegels. Doch diese natürliche Angst wird
einfach mit günstigen Mieten untergraben. Die großen Schäden von
Hurrikans berechnen sich lediglich aus seinem verursachten
materiellen Schäden. Ein Schaden in Slums und primitiven Behausungen
von Menschen, die in unserer Gesellschaft als unrentabel gelten, ist
schnell berechnet und wird nicht gewichtet. Erst wenn ein Hurrikan
auf eine westliche Metropole droht zu treffen, beginnen die
Versicherungsrechner der börsennotierten Unternehmen zu rechnen.
Schließlich geht es um Versicherungsansprüche, die man geltend
machen kann.
Das zeigte uns auch der
"Jahrhundert-Tsunami"im Jahre 2004. Die Hotels sind heute
wieder aufgebaut. Die vielen Hilfsgelder haben aber die Situation der
Bevölkerung an sich nicht geändert. In Japan kam es zum Supergau
nach einer gigantischen Sturmflut, weil es sinnvoll erschien, AKWs am
Meer zu bauen - damit es genügend Kühlwasser gibt usw.
Der Mensch ist heute nicht mehr fähig,
Gefahren seiner Entscheidungen abzuschätzen. Er macht sie einfach zu
einem Restrisiko und berechnet sie in geringen Prozentzahlen als
Wahrscheinlichkeit. Doch wenn diese geringe Wahrscheinlichkeit
eintrifft, kommen 100% Risiko auf die betroffenen Menschen und
Landstriche zu. Eine Gangart von Entscheidungsfindung, die sich einer
Zivilisation nicht gebührt, wäre sie denn so gerecht und
menschenfreundlich, wie sie sich gibt.
Fürsorge beginnt nicht mit Warnungen
vor Katastrophen, sondern einem Siedlungsverbot an kritischen
Landstrichen, wenn es dem Menschen an natürlichen Sicherheitssinn
mangelt. Welcher unverkennbar durch die marktwirtschaftlichen
Gesetzen untergraben und eliminiert wurde.
Auch in früheren Zeit lebte das
gemeine - also das geringere Volk, an Flussmündungen, da es in
regelmäßigen Abständen überflutet wurde. Der Adel und die höhere
Volk wohnte an den schwer zugänglichen Hängen. Unsere Zivilisation
hat es also bis heute nicht geschafft, alle gleichermaßen vor
Gefahren zu schützen. Gefahrenschutz beginnt immer erst mit einem
gefüllten Geldbeutel.
Erst wenn das geringe Volk den Reichen
und Schönen droht in Massen wegzusterben. Keiner mehr oder wenige
übrigbleiben, für die Dreckarbeit, bewegt sich der Geldadel. So war
es im Mittelalter, als die hygienischen Umstände, den Bestand des
"Humankapitals" bedrohten und gar die Giftbrühe Wasser bis
in die edlen Haushalte gelangte und krank machte. Erst dann bewegte
sich der angeblich fürsorgliche Geldadel für besser Lebensumstände
für alle.
Die Frage ist heute also: Wie sehr kann die "niedrige" Weltbevölkerung dem Geldadel heute seine Unentbehrlichkeit beweisen? Offensichtlich gibt es dafür noch keine Antwort und so sehnt sich das "gemeine" Volk eine verheerende Katastrophe herbei, die seine Wichtigkeit beweisen soll.
Daher besteht ich weiterhin auf die
Feststellung: Der Mensch ist sein eigenes und größtes Problem. Er
kann sich selber nicht überwinden

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.
Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.