Samstag, 27. April 2013

Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiß

Mein Name ist Rumpelstilzchen. Ich lebe ganz tief im dunklen Wald. Fern ab der Menschen. Ich will keinen Luxus und kein Gold. Hin und wieder schau ich mir das bunte Treiben der Menschen dort außerhalb meines Waldes an. Sie singen und tanzen. Sie trinken und feiern. Doch sehe ich in ihren Gesichtern, in denen sich das Licht der Nacht spiegelt, dass sie nicht glücklich sind. 

Ich könnte ihnen aus Stroh ihr Gold spinnen. Ihr Glück und ihre Glückseligkeit besteht nur darin. Wie dumm sie sind und doch klingt ihr Lachen verzückend. Im Schatten dieses Lichtes lebten die Menschen, denen das schöne Leben zu teuer war. Sie waren die Zaungäste ihrer eigenen Spezies, verlassen, geduldet und nur für die schwere Arbeit des Lebens zu gebrauchen. So spann ich des nachts für die armen Gestalten ein wenig Gold und legte es, wenn sie schliefen, in ihre unschuldigen Hände. 

Doch sie freuten sich nicht. Sie legten sich auf die Lauer. Sie jagten mich wie ein Tier und nun sitze ich hier. Eingesperrt in einem Turm. In einem Gefängnis wie sie es nennen. Vor Bergen von Stroh. Sie riefen: "Rumpelstilzchen .. mach uns froh und spinn das Stroh!" Ich spinne und spinne ... - und nie ist es genug. An jedem Morgen kommt die nächste Fuhere Stroh. Die nächste große Arbeit nach der kurzen Ruhe die sie mir gönnen.

Aus allen Herrenländer kommen sie und holen sich ihren Sengen, ihr Glück. Das Gold aus Stroh. "Ob ich jemals aus meinen Verlies wieder entlassen werde...?" - Diese Frage stelle ich mir nicht mehr. Ich bettle auch nicht mehr um meine Freiheit. Es ist sinnlos. Ihr Glück ist ihnen so kostbar, dass sie dafür einem freien Wesen die Freiheit rauben.

Wieder ist eine Nacht vorbei. Eigentlich hätte sich die nächste Fuhre Stroh schon längst vor mir auftürmen müssen. Doch es bleibt still. Ich höre keine schweren Stiefel. Kein Quietschen des Flaschenzuges.

Sie - die Menschen - hätte mich längst ersetzt. Doch ihre Wissenschaftler konnten nicht herausfinden, wie ich aus Stroh ihr Gold spinne. Keine Chemie ihrer Welt konnte das, was ich kann.  

Ich horche durch die verriegelte Tür. Es ist immer noch nichts zu hören. "Haben sie mich vergessen?" Langsam bricht der Tag an. Sie Sonne blitzt bereits über den Horizont. Keine Strohwagen in Sicht. Kein Lärm der erwachenden Menschenschar. Es scheint fast so, als ob das Stroh der Welt ausgegangen sei. Alles ist zu Gold gesponnen."Ich bin endlich fertig!"

So verging der Tag und noch ein Tag. Die Tür öffnet sich nicht. Niemand denkt an mich in meinem Verlies. Niemand will meine Dienste. Sie haben nichts mehr, was sie mir bringen könnten, das ich zu Gold machen kann. Hin und wieder geht ein Beben durch die dicken Mauern meines Turm. Manche Gebäude sind bereits die Erschütterungen in sich zusammengestürzt.

Der Fluss, der sich sonst gemächlich durch die Landschaft wand, fand sein jähes Ende in einer tiefen, sich plötzlich auftuenden Schlucht. Sein Wasser verdampfte in der Hitze der Tiefe und stieg als dicker, weißer Rauchschwaben wieder auf.

Langsam neigt sich auch dieser Tag dem Ende zu. Ich sehe nicht wie die Sonne sich hinter dem Horizont versteckt. Doch die Dämmerung sagt mir. "Es ist so weit!" Die Nacht bricht herein. Die Erde bebt und zittert. Der Mensch ist still. Die Natur rüttelt an den Schlössern, ganz so als wolle sie mich befreien. "Noch ein einziger tiefer Stoß und ich bin frei", denke ich mir.

Wie ein finaler Paukenschlag kracht die schwere Tür aus ihren Angeln. "Ich bin frei!" Zaghaft und doch mit freudiger Erwartung trete ich in den dunklen Gang. "Wo ist der Mond ..., der mit seinem kalten Licht die Nacht erhellt?"

Langsam taste ich mich zur Treppe. Schwankend zwischen dem Rütteln der Erde, als wolle sie den Turm - das Schandmal - einreissen. Endlich ... endlich habe ich festen Boden unter meinen Füßen und schon rieche ich meinen Wald. Er ruft mich. Ich muss weg von diesem Menschentreiben.

Während ich so über die Wiesen gehe, ist der Mond immer noch nicht aufgegangen. Die Sterne formieren sich in einem mir ungewohnten Bild und der Mensch ist still. Ich höre ihn nicht mehr. Ich höre nur das tiefe Ächzen der Welt, als ob sie durch das Gebälk des Firmaments bricht.

Längst wäre es an der Zeit, dass die Sonne wieder zeigt. Mir die Pracht der Welt in ihrem Licht zeigt. Ich setze mich in das nasse Gras einer Lichtung, das sich vom Tod des Flusses vollgesogen hat.  Er stürzt immer noch seinem Ende entgegen. Mit lautem Zischen beendet wer sein Leben.

Die Sonne will einfach nicht mehr erstrahlen. Sie ist zu einem kleinen Stern am Firmament geworden. Sie hat ihre Erde verloren ... oder vielleicht gar verstoßen? Das viele Stroh, das ich zu Gold machte, machte die Erde schwer und träge. 

Nun ist es kalt auf dieser Welt. Der Mensch ist in seiner Göttlichkeit der Gier längst verstummt. Er weint nicht einmal mehr. Er klagt keiner Gottheit mehr sein Leid. Er ist erstarrt.

Ich warte ... ich warte, bis die nächste Sonne meine geliebte Erde in ihren Bann zieht und ich schwöre mir, niemals mehr etwas Gutes tun zu wollen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Neueste Meldungen

Regelmässige Leser

Internetradio

mit politischen Themen und Hintergrundinformationen, die in den Mainstreammedien verschwiegen werden oder als Halbwahrheiten publiziert werden von keuronfuih

Politprofiler (keuronfuih) hat sich zur Aufgabe gemacht, die Beweggründe der Politik aufzudecken, denn Systemkritik scheint in unserer Medienlandschaft der Selbstzensur zum Opfer gefallen zu sein.

Alles was in der Politik passiert ist von Langer Hand geplant, das ist nicht nur ein Spruch sondern die Wahrheit. Aber warum entscheiden sich unsere Politiker immer mehr gegen das Volk und für die Wirtschaft?

Bilden Sie sich Ihre Meinung selbst, aber geben Sie sich die Möglichkeit, alle Hintergründe zu erfahren.

Wir stellen hier nicht den Anspruch, alles zu wissen, aber bemühen uns, alles, was wir in Erfahrung bringen können zu publizieren.
---------------------------------------------
Ravensburg, Friedrichshafen, Lindau, Tübingen, Freiburg, Lörach, Memmingen, Augsburg, Ulm, Keuronfuih, Politprofiler, Wertelehre, Umwertung der Werte