Donnerstag, 23. Mai 2013

Antichrist - Kinofilm von Lars von Trier

Ein bizarrer, surrealistischer Film, der nicht mit schockierenden Bildern und Klischees spart und bedient daher die heutige Oberflächlichkeit.  Der Zuschauer wird so verführt sich selber als Zeuge zu bezeichnen, warum Frauen so sind wie sie schon immer gesehen werden mussten: verkommen, hinterhältig, berechnend, gierig und nymphomanisch. Auf den ersten Blick scheint die Trauerbewältigung des Paares das Zentrum des Filmes zu sein. Die Frage: Warum der Film Antichrist heißt bleibt vorerst offen.

Während eines Liebesaktes, den der kleine Sohn beobachtet stürzt er aus dem Fenster und stirbt. Der Film ist rückaufklärend gedreht, obwohl er den Anschein einer klassisch ablaufenden Geschichte simuliert. Bereits in den weiteren Szenen wird bekannt, dass sich die Mutter in einer Hütte im Wald "Eden" ihre Dissertation schrieb. Das Thema bleibt allerdings noch verborgen. Es scheint eine Nebensächlichkeit sein, die lediglich einen Grund für die schaurige Story liefern soll.


Der Ehemann, dargestellt von Willem Dafon ist Psychologe und will seiner Frau in ihrer für ihn unbändige erscheinende Trauer zu überwinden. Er begibt sich mit seiner Frau in die besagte Hütte im Wald, die ganz abgeschieden liegt. Normale Baumformationen geraten in das Blickfeld der Kamera. Die durch eine schaurige Erwartung bereits den Zuschauer manipulieren. Er gerät in die gewollte vorurteilende, mystische Stimmung, die gewünscht wird. Ständige Rückblenden auf den vermeintlichen Liebesakt in den Minuten vor dem Tod des Sohnes zeigen nach und nach, dass die sie in aller Ruhe dem Fenstersturz des Sohnes zusah.

In diesem Film trifft der Realist - der Ehemann - auf eine schon sein langem verwirrte Frau, die sich mit Hexenkulten und Verbrennungen beschäftigte. Sie ergab sich dem Sog der Mythen, in denen sie sich selber zu erkennen schien - trotz aller Gegenwehr.

Antichrist ist ein sehr komplexes Konstrukt, das sich nicht in der gewohnten einfachen Weise für den Zuschauer durch den zeitlichen Ablauf des Filmes schlängelt. Die Geschichte verknüpft sich von der ersten zur letzten Szene zurück zur Mitte usw. Man befindet sich im puren Surrealismus. In einer bildlich dargestellten Gefühlswelt.

Im vorherigen Sommer war die Ehefrau bereits alleine mit ihrem Sohn in dieser Hütte im Wald "Eden". Dem Platz der weiblichen Sünde, wenn man es biblisch betrachtet. Sie wollte ihre Dissertation über Hexenkulte beenden. Tat es allerdings nicht. Das Thema erschien ihr sinnlos. Selber bezeichnet sie ihre Dissertation als "Lüge".

Sie fühlt sich als diese Frau, von der sie beweisen wollte, dass sie nicht existiert. Sie deformierte die Füße ihres Sohnes, indem sie ihm die Schuhe verkehrt anzog. So bewies sie sich selber, dass das was sie beweisen wollte eine Lüge war. Sie beweis sich selber die Mythologie. Sie wollte die Texte kritisch untersuchen, statt dessen hat sie die Texte zu ihrer Wahrheit gemacht. Ein Fehler dem viele erliegen, wenn sie Bücher lesen. Der Schlüsselsatz des Filmes.  Sie stellte fest, dass die Frau tatsächlich dem  klassischen Bild der Frau der Jahrhunderte entspricht. Die Natur macht diese Frau der Bücher und der Texte. Sie sah alles was sie tat bereits unter dem Omen der Vorsehung die berüchtigt, schlechte Frau zu sein. Die Ehefrau und Mutter geriet nicht erst in den Wahnsinn, durch die Psychologieversuches ihres Ehemannes, sondern sie war ihm längst verfallen.Wer etwas widerlegen, was gar nicht existiert, macht sich selber zum Instrument des Nichtexistenten.

Sie lebte nur noch das zu Ende, was sie aufgrund ihrer Vorbildung durch Literatur und Überlieferung erlernte. Leider wird gerade das in den vielen Filmkritiker absolut vernachlässigt bzw. gar nicht erwähnt.

Letztendlich muss die Frau die vielen Mythen und Überlieferung über das klassische, religiöse Unbild ihres Geschlechts nicht widerlegen. Sie muss nicht das Gegenteil sein. Alleine jeder Versuch des Gegenbeweises, ist wiederum ein Beweis der falschen Behauptung als Wahrheit. Das wird in diesem Film auf sehr brutale Weise veranschaulicht.

Die trauernde Mutter ohne Namen, schneidet sich mit einer Schere selber die Klitoris ab. Sie verweigert sich ihrem eigenen Geschlecht. Sie schneidet sich allerdings nicht die Lügen aus dem Leib, sondern sie ergibt sich der Selbsterkenntnis durch die erlernten Mythen. Ohne diese Studien wäre sie nie auf die Idee gekommen sich so zu fühlen wie sie sich im Verlauf des Filmes fühlt.

Eine sehr abstrakte Darstellung, die den meisten Kritikern als äußerst brutale und blutige Szene verschrien wird. Den Surrealismus erkennt man dabei zu schwer. Er ist zu Nahe an der gängig empfundenen Realität. Daher ist "Antichrist" auch als sehr frauenfeindlich verschrien.

Am Ende - dem Epilog - wird es für die meisten zu abstrakt.

Sie stecken zu tief im Gleichnis als Realitätsbild. Der malträtierte Ehemann verbrennt am Ende seine wirre Ehefrau nach dem er sie sehr präzise nach Arztmanier erwürgt hatte. Dem Zuschauer liegt es fern zu erkennen, dass damit das alte Bildnis der Frau ausgelöscht wird und dadurch am Ende alle Frauen befreit aus dem finsteren, surrealistischen Wald entfliehen können.

Daher Mythologie- und Symbolsuche keine Aufklärung, sondern man erzieht sich damit zum Abergläubigen. Man scheint sich selber darin zu erkennen und widerlegen zu müssen. Man wird zum Sklaven der eigenen Recherche. Am Ende ist man selber das gelebte Klischee.

Symbole, Zeichen und Himmelsdeutungen haben keine Bedeutung, egal wer sie als Deutung nutzt oder für sich als Erkennungszeichen ausgibt. Jeder der sie erklären will, verbreitet den Aberglauben aufs neue. Er betreibt Symbollehre und nennt es Aufklärung.

Lügen müssen zur Aufklärung nicht immer und immer wieder wiederholt werden. So werden Lügen zur Wahrheit und die Wahrheit zur Lüge. Manchmal muss man die Lüge einfach hinter sich lassen, damit sie nicht mehr existiert. Etwas, was die Emanzipation bis heute noch nicht schaffte. (Lieben Gruß an Alice Schwarzer)

Natürlich kann ich mit meiner Perspektive falsch liegen, aber es ist andere Möglichkeit den Film zu interpretieren ohne sich vom Blut und dem Martyrium es Mannes überwältigen zu lassen. Filme sind nur Geschichten und Erzählungen. Geschrieben von Menschen, die irgend etwas zu sagen haben oder die unterhalten wollen. Der Interpretation stehen daher alle Wege offen. Fiktionen sind nichts erlebtes.

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