Dienstag, 7. Mai 2013

NSU: Erster Gerichtstag - 6. Mai 2013 - Der Hosenanzug

Beate Zschäpe betritt den Verhandlungssaal. Jede Kamera und jeder Blick war auf sie gerichtet. Ganz Deutschland gierte nach einem Blick auf die Frau, die seit über einem Jahr in schwarz-weiß aus dem Hintergrund der Nachrichten heraus blickte. Noch ist nicht bewiesen, dass Zschäpe schuldig ist. Wir leben in dem juristischen Verständnis, dass der Ankläger, in diesem Falle die Staatsanwaltschaft, die Schuld des Angeklagten zu beweisen hat. ... Und das ist auch gut so. Lange Jahre glaubten die Angehörigen, es seien Mafiamorde gewesen. Heute glauben sie, es sei Zschäpe gewesen. In Deutschland werden und dürfen keine politischen Prozesse geführt werden. Wir sind nicht in der Türkei, wo Kurden bereits aufgrund ihrer Ethnie als schuldig gelten.

Die Berichterstattung über die sogenannte "NSU" treibt seltsame Blüten.  Die drei Buchstaben assoziieren bereits unterbewusst "RAF". Die Medien werden nicht müde, diese beiden Prozesse auf einen Nenner zu bringen.

Man hört von den Opferangehörigen eine "arrogante Zschäpe", die wie "ein Modell gekleidet ist", sei in den Gerichtssaal "stolziert". Ihre Anwälte werden von den Medien als "Neo-Nazi-Anwälte" tituliert und die Angeklagte wird von der Staatsanwaltschaft als "selbstbewusst" beschrieben. Was offensichtlich in der Öffentlichkeit einem Schuldgeständnis gleichkommt.


Wie hat sich ein Angeklagter angemessen vor einem Gericht zu benehmen?




Grundsätzlich sollten wir uns die Frage stellen: Was ist ein angemessenes Verhalten eines Angeklagten vor Gericht? Dafür gibt es keine Etikette. Soll der Angeklagte in Lumpen antreten, anstatt wie Fall "Zschäpe" mit einem jugendlichen Hosenanzug? Soll er sich weinend die Kleider vom Leib reißen?

Hätte Zschäpe genau das getan, wäre sie als Heuchlerin stigmatisiert worden. Jeder von ihren Wimpernschläge wird interpretiert. Zeigt sie keine Regung, ist das bereits ein Indiz für ihr Schuld. Es ist also shitegal, was sie tut oder lässt, es in den Augen der Beobachter immer falsch. Jeder hat ein anderes Hollywoodbild vor Augen, das Zschäpe erfüllen soll.

Daher sollte man sich auf die Fakten konzentrieren. Es sind viele Menschen gestorben. Nun ist zu klären, ob und wie Zschäpe und die anderen Angeklagten in diese Mordfälle verwickelt sind. Ich persönlich rate zur unvoreingenommen Beobachtung. Norwegen und der "Fall Breivik" ist hier ein großes Vorbild. Für Opferangehörige, Richter, Staat, Bevölkerung und Angeklagter.

Selbst das Gericht wies vor der Urteilsverkündung noch einmal ganz genau darauf hin, dass es nicht nach politischen und emotionalen Gesichtspunkten urteilen kann, sondern es hält sich an die geltenden Gesetze. Das wird auch das deutsche Gericht tun, auch wenn einigen das Urteil politisch nicht gefällt.

Ein Richter urteilt nicht nach der Mimik oder der Kleidung des Angeklagten. Kann die Staatsanwaltschaft nicht die notwendigen Beweise vorlegen, sondern nur Mutmassungen, sind die Angeklagten freizusprechen. Wir sind nicht in den USA. Dort muss der Angeklagte seine Unschuld beweisen. Er muss Indizien widerlegen, die der Staatsanwalt vorbringt und genau das widerspricht der Vorstellung der Gerichtsbarkeit in Deutschland. Nicht ohne Grund.

Während der NS-Zeit gab es viele dieser Indizienprozesse, die heute als politischen Prozesse bewerten werden. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland diese Gerichtsverfahren, die auch bei der sogenannten "NSU" angewendet werden.


Neutrale Beobachtung des Verfahrens ist keine Opferangehörigen-Verhöhnung

Es ist klar, dass die Emotionen hoch kochen. Ich erinnere an die Lynchforderungen, als ein Unschuldiger wegen eines Kindsmordes verhaftet wurde. Wären von fünf Jahren Mafiamitglieder wegen der sogenannten "Döner-Morden" vor Gericht gestanden, hätten die Opferangehörige genauso emotional reagiert, wie sie heute auf Zschäpe und die NSU reagieren. Es ist nicht Aufgabe der Opferangehörige sich emotional zurückzuhalten, sondern es ist Aufgabe der Öffentlichkeit sich jeder Voreingenommenheit so weit wie möglich zu entziehen.

Also warten wir doch bitte ganz ruhig die Beweisführung der Staatsanwaltschaft ab. Zschäpe und die NSU sind nicht Breivik. Sie wurden nicht während der Morde festgenommen. Sie sind nicht geständig. Daher gelten sie bis zur Verurteilung als unschuldig. Selbstverständlich ist es für die Opferangehörige schwer, dies zu akzeptieren. Noch schwerer wird es für die Medien, die mit Sensationmeldungen und Exklusivfotos ihre Einnahmen hochtreiben wollen.

Die Bemühung das Verfahren neutral zu betrachten ist keine Verhöhnung der Opfer, sondern es ist Hommage an die Gerechtigkeit. 




1 Kommentar:

  1. Haben nicht ALLE Hosenanzüge, etwas zu verbergen!!!!

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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