Freitag, 7. Juni 2013

Jahrhundertflut ist kein Resultat des Klimawandels - Es ist die Sturheit des Menschen

Dammbruch 2010
Alle Jahre wieder regnet es und die Flüsse führen Hochwasser. Mittlerweile setzt der Gewöhnungseffekt ein. Die sechs großen Wasseradern in Deutschland wälzen sich über Deutschland hinweg, füllen Keller und Museen. Die Presse geizt nicht mit Bildern und jagt den Höhenmeter-Rekord. Dieser sogenannte Zusammenhalt der Bevölkerung, der in den letzten Tagen so wunderschön medial dargestellt wird, existiert in Wahrheit nicht. Der Blick hinter die Fassade ist ernüchternd, denn Aktionismus ist keine Solidarität. Heute gehören Risikogebiete zu den gefragtesten Wohnlagen. 


Der eine am Hang will keinen Damm, weil er ihm die Sicht auf den Fluss verdeckt und der Bauplatz an Wert verliert und der andere muss für diesen Luxus fast jährlich seinen Keller leer pumpen.  Das ist keine Solidarität, sondern unbarmherzige Kleinkrieg. Bauern wollen ihre Felder nicht für Dämme hergeben, nur gegen teures Geld. Verlangen aber Entschädigung, wenn ihre Ernte zerstört ist. Anwohner fordern neues Bauland und wer gewählt werden will, weist sie auch in der Senke aus.

Hochwasserschutz beginnt nicht mit der Solidarität, wenn Häuser abgesoffen sind. Die beste Hilfe ist, wenn gar keine notwendig wird. Jeder treibt heute Sport, damit er keinen Herzinfarkt erleidet, aber in Sachen Hochwasserschutz, verlangt man regelmäßig nur nach dem Bypass.

Der Mensch kann nur mit der Natur leben


Die Flüsse in Europa sind eingepfercht in Dämme. Ein Zentimeter mehr Regenwasser und schon haben wir wieder die vollen Keller und Straßen. Jede Siedlung umgrenzt sich und seine Flure mit Schutzwällen. Den Letzten in der Kette der Wälle beißen so zu sagen die Hunde. Jeder neue Damm führt dazu, dass die nächsten noch höher werden müssen. 

Der Wall kann nie hoch genug sein. So entwickelt sich die Tatsache, dass ein Deichbruch des einen Segen und des anderen Fluch ist. Die Mulde in Zwickau liegt mittlerweile höher als die Wohn- und Gewerbesiedlungen. Für mich sieht Hochwasserschutz allerdings anders aus. Ich frage mich, wie so dort überhaupt neue Wohnhäuser stehen oder Erlebnisbäder.





Stadtplaner entdecken die alten Auenwiesen als neuen Baugrund. "Ein Damm wird es schon richten...!" - doch das ist keine Lösung, sondern Fehlverhalten. Die Alten hatten ihre Gründe, warum genau da noch keine Stadt war. Offensichtlich frisst der Profitzwang der Kommunen und Anwohner den letzten Verstand regelrecht auf. Erst ein Hochwasser bringt die notwendige Ernüchterung. Doch dann ist es zu spät.

Dammbrüche können zur Gewissensfrage werden. Deggendorf ist das beste Beispiel dafür. Am Nachmittag des 05.06.2013 berichtet ein Lokalsender noch, dass die Pegel in Deggendorf sinken, weil es zwei Dammbrüchen kam. Nun steht Fischerdorf meterhoch in den Fluten. Das Wasser kam plötzlich, hieß es. Eine Angelegenheit, die meines Erachtens geprüft werden muss. Das Profitdenken der Menschen treibt seltsame Auswüchse. Während der verheerenden Hochwasser in Pakistan kam es auch zu sogenannten Dammbrüchen, die das Anwesen der Reichen schützte und das der Armen überflutete.

In Bitterfeld kam es zum Dammbruch und danach zu gezielten Sprengung von Dämmen. Ein Widerspruch in sich selber. Vielleicht wäre es sinnvoll, jeden neuen Bauherren auf die Gefahren und das Risiko einer Flut hinzuweisen. Vor allem auf die Kosten, die nach einer Zerstörung auf ihn zukommen. Das erhöht das Denkvermögen des Homo-Ökonomikus und lässt so machen Willen nach dem eigenen Heim, in höheren Gefilden entstehen. Echte Hilfe beginnt eben bereits bei der Willensbildung.

Der Mensch als Dompteur der Natur

Tatsache ist: Flüsse lassen sich nicht von der Quelle bis zum Meer in Dämme oder gar Röhren zwängen. Flüsse brauchen ihre natürlichen Polder und Überflutungsflächen wieder. Regenwasser gehört nicht in die Kanalisation, sondern in große Sickerbecken. Das wollen aber gerade die Kommunen nicht. Das kostet Bauland, das teuer verkauft werden kann. Doch nur das bringt tatsächliche Entlastung. Allerdings sollte man sich nicht von der Illusion leiten lassen, dass damit überhaupt keine Hochwasser mehr entstehen. 

Wo der Verstand des Menschen aussetzt, müssen die Kommunen das Denken erzwingen. Doch dafür braucht man kompetentes Personal, das leider von der Bevölkerung nicht gewählt wird. Das Volk wählt lieber den Lehrer, der als Intellektuell gilt oder den Doktor oder den Anwalt. Der garantiert nicht in der Senke wohnt. Er kann sich oberen Plätze auf der Tribüne zum Fluss leisten.  Buchhalter sind schlechte Berater für die Bewohner. Sie kalkulieren gerne mit Kollateralschäden. So wie mancher den Einsatz von Drohnen zwingend notwendig hält.

Es ist unverantwortlich, neue Wohn- und Gewerbegebiete in Überflugsgebieten zu genehmigen, egal wie sehr der Unternehmer oder Anwohner drängt oder der Profit lockt. Ein Buchhalter hält allerdings gegen diese Art von Vernunft nicht stand. Er gibt immer dem Profit nach. Die Probleme löst er dann, wenn sie auftreten. Mittlerweile haben wir aber nur noch Probleme, weil vorher zu inkonsequent und schlampig nach gedacht wurde ... eben buchhalterisch. Die Verantwortung wird einfach auf den ahnungslosen neuen Anwohner abgewälzt. 

Wer dennoch Baugebiete als Kommune ausweist, muss die Gefahren als Gemeinde selber übernehmen. Das schreckt ab. Nur wenn der Mensch, Profit und Verlust gegenrechnen kann, ergibt sich für ihn eine Entscheidungensmöglichkeit. Das eröffnet neue Denkperspektiven in den Rathäusern.


Der Verstand des Menschen

Seltsamer Weise kommt keiner auf die Idee, in die Einflugschneise des Frankfurter Flughafens ein neues Haus zu bauen, weil der Lärm immer gegenwärtig ist und die Stadt erst gar keine Wohngebiete dort mehr erschließt. Bei der Besichtigung eines Grundstückes am Flussufer, glänzt dagegen das Wasser des beschaulich Flusses, der in der Sonne gemächlich seine Bahnen zieht. Das erhöht den Spekulationssinn des Menschen und klammert jeder Gefahr aus.

Danach stellt man fest, dass das neue Eigenheim nicht gegen Elementarschäden versichert werden kann. Für Kreditnehmer eine teuflische Falle. Daher bin ich verwundert, wie es trotzdem zu Kreditverträgen kommt. Doch nach der der Flut, soll die Allgemeinheit für den Leichtsinn der Mensch und Banken aufkommen. Das ist Solidarität. Städte definieren sich durch den regelmäßigen Wiederaufbau nach einer Flut als Bürgerheld und die Möbelhäuser füllen bereits bei der ersten Meldung von Starkregen die Läger.

Museen oder Stadien, die heute wieder von vom Hochwasser betroffen sind, sollten nicht mehr saniert, sondern an anderen, sicheren, höheren Orten aufgebaut werden. Das ist Hochwasserschutz. Es macht doch keinen Sinn, diese Gebäude alle 5 bis 10 Jahr von grundauf neu zu sanieren oder am gleichen Ort wieder aufzubauen. Der Natur kann  man nicht mit Sturheit trotzen. Die Natur kennt kein Erbarmen. Die Natur hat immer das Vorzugsrecht, egal wie sehr das den Menschen schmerzt. Wasser sucht sich immer den kürzesten Weg zum Meer und manchmal wird eine Senke für das Wasser zur Falle. Wasser kennt keine Einbahnstraßen und es richtet sich auch nicht danach. So wie die amerikanischen Tornados nicht für immer und ewig auf der vom Menschen ausgewiesenen Tornadoautobahn ihre Wege bahnen.

Die heute überfluteten Orte, waren immer schon Opfer der Fluten. Die Chroniken reichen über viele Jahrhunderte zurück. Es wird Zeit daraus zu lernen. Der Mensch wird nie der Dompteur der Natur sein, egal wie sehr er sich bemüht. Sie wird ihm immer wieder den arroganten Kopf wie ein wütender Löwe abreißen, der nicht durch den Feuerring springen will.

Fluglärm ist kein Hochwasser

Selbstverständlich ist die Not der Einzelhändler in der Altstadt von Passau groß. Die überfluteten Ladenlokale zerstören Existenzen. Doch die Geschäftsgrundlage ist nun mal die Nähe zum Wasser. An einem anderen Ort gibt es nicht die notwendigen Touristen, die Umsatz bringen. 

So lange das Wasser hoch steht, ist die Hilfsbereitschaft groß. Doch mit dem Wasser fließt das Mitleid ab.  In Deutschland gibt es von Lärm überflutet Gebiete.Der lässt sich nicht einfach mit einem Feuerwehrschlauch in den nächsten Bach spülen. Er bleibt. Tag und Nacht stehen. Er vernichtet Existenzen und Immobilienpreise. Für die Anwohner gibt es keine Entschädigungen und Lärmschutzfenster können nun mal wirklich vor dem donnernden Touristen- und Frachtfluglärm schützen. Lärm macht genauso krank wie eine feuchte Wohnung.

Leider hält sich hier das Mitleid der nicht betroffenen Bevölkerung in Grenzen. Flughafenmitarbeiter demonstrieren für den Lärm bei den anderen, damit sie ihren Job nicht verlieren. Der Schaden an sich lässt sich nicht für TV-Bilder eindrucksvoll einfangen und der Herz erweichen. Es gibt keine Bilder von Feuerwehrmänner, die kleine Kinder vor dem Lärm retten und aus den Häuser tragen.

Der Strom des Lärmes schwillt über all unaufhörlich an. Er kann nicht mit Dämmen in unhörbaren gemacht werden, schließlich steht die nächste Urlaubsreise, per Flugzeug, Bahn oder Auto an. Das hat die Allgemeinheit ohne Entschädigung zu ertragen.

Die Flut - Das "soziale Engagement" der Schulabgänger

Manch einer schneit daher die Flut für sein schulisch anerzogenes "soziales Engagment" zu brauchen, um sich selber als mitleidener Mensch darstellen zu können. Vielleicht gibt es noch einen Stempel für den Lebenslauf. Heute schaufeln die Studenten den Schlamm weg und früher demonstrierten sie für Polder. So ändern sich die Zeiten. Heute schaffen sie Hilfsinternplattformen und früher saßen sie als Mahnmal in den Ratsversammlungen mit Protestschilder für besseren Menschenschutz.

Sind die Wasser weg, verschwindet die sogenannte Solidarität, wie die Bilder aus den Medien. In den endlosen Diskussionen um den sinnvollen Hochwasserschutz werden die Anwohner wieder ihrem Schicksal überlassen. Das ganze gleicht einem Häuserkampf nach dem St.-Florians-Prinzip. "Herr verschone mein Haus und nimmt das meines Nachbarn. AMEN!"





Kommentare:

  1. Da Sie über das "System", also den Kapitalismus (Sie nennen das "Marktwirtschaft") und den darin herrschenden objektiven Zwang zur Erzeugung von Profit (Sie nennen das "Gewinn") nicht sprechen wollen, bleibt Ihnen zwangsläufig nur "der Mensch" und dessen "Sturheit". Sie vergessen dabei - bewußt oder unbewußt -, daß "der Mensch" vor allem ein gesellschaftliches Wesen ist. Seine von Ihnen fälschlich verallgemeinerte "Sturheit" ist somit mehr oder weniger ein Ergebnis des gesellschaftlichen Zustandes.
    Und während Sie die "Wirtschaftsdiskussion" als "abgeschlossen" erklären, gibt es in diesem Artikel neben vielem Richtigen und Falschen vor allem wirtschaftliche Aspekte. Was nur logisch ist.

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  2. Zitat : "Das Innere - mache nennen es Seele oder Geist - ist ein Resultat des Äußeren durch seine anerkannten Regeln."

    Genau umgekehrt, liebe Keuronfuih. Die "Innere Welt" ist es, die die "Äußere Welt" entstehen lässt. Alles Wachstum kommt von innen – überall in der Natur ist das offensichtlich. Jede Pflanze, jedes Tier, jeder Mensch ist ein lebender Beweis für dieses Gesetz. Die innere Welt ist die Ursache, die äußere Welt ist die Auswirkung – so findet Schöpfung statt; im Großen wie im Kleinen.
    Sorum wird ein Schuh draus. ;)

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  3. Oh je !!! Die Vernunft will mit dem Verstand Schach spielen. Freiheit kann nicht mit Sieg oder Niederlage erlangt werden. Jeder Sieg ist ein erneuter Mord an der Freiheit.

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    1. Es geht mir nicht um Sieg oder Niederlage, um zur Freiheit zu gelangen; es geht mir um Wahrheitsfindung. Deine Annahmen basieren auf einem rein materialistischen Weltbild. Aber ist der Materialismus der Weisheit letzter Schluss? Das wage ich ehrlich gesagt sehr zu bezweifeln.
      Was wäre z. B. wenn wir gar nicht unfrei sind?
      Was, wenn nicht unser Geist, bestimmt darüber, zu urteilen was Freiheit und was Unfreiheit ist?

      Ursache für unsere Verhältniss kann m. E. immer nur die "Innere Welt" (der Geist) sein, denn sie ist es die das Äußere entstehen lässt:
      Was von Menschen erschaffen wurde (ob materielle Dinge wie Häuser, Straßen etc. oder auch immaterielle Dinge wie Regeln, Gesetze usw.) - all das extistiert zunächst als Gedanke / inneres Bild, ehe es in der Äußeren Welt Gestalt annimmt.
      Und genauso wie wir Menschen vieles auf dieser Welt haben entstehen lassen - und das erste, bevor etwas neues entstand, der Gedanke davor war - kann man durchaus davon ausgehen, dass alles andere (also auch das was von Menschen nicht erschaffen wurde) - das Weltall, die Planeten - zunächst als Gedanke da gewesen sein muss, ehe es im Äußeren Gestalt annahm.

      LG

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    2. P.S.

      Mit Materialismus meine ich in diesem Zusammenhang den ontologischen, nicht den ethischen, Materialismus. Was letzteren betrifft – da bist du, nehm ich mal an, eher das Gegenteil eines Materialisten, oder? ;)

      LG

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  4. Zitat: "Zitat : "Das Innere - mache nennen es Seele oder Geist - ist ein Resultat des Äußeren durch seine anerkannten Regeln.""
    Ich erläutere dir was sie meint: Der Mensch ist von aussen manipuliert. Wird eine Person von der Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie sich zu kritische äußerte, dann wird sie dadurch geprägt.

    Niemand bezweifelt hier die Interaktion zwischen Gehirn und Umwelt.

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  5. Fakt ist, dass wir Menschen dennoch Materie zum Überleben brauchen. Du hast Recht, dass alles was man sieht und denkt eine Wirklichkeitskonstruktion ist. Auch Gesetze sind das.
    Die Psychoanalyse von Fromm geht davon aus dass der Mensch sich ändert, wenn er aufhört materialistisch zu denken. Das klappt aber erst, wenn alle sich daran beteiligen und sich gegenseitig als gleichwertig sehen. Ansonsten ist es mehr wie der Buddismus, wo die Menschen versuchen ihr Leben in Armut zu gestalten.

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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