Samstag, 7. Dezember 2013

Sturm "Xaver": Klickwettbewerb der Nachrichtenportale - Mehr Klicks zum Shopping-Glück

Der große Xaver kommt nach Deutschland, sagen die im TV und auf den Nachrichtenportalen im Internet. Eine brandaktuelle Meldung vom Mittwoch. Hagel, Blitz, Schnee und Kröten hat Deutschland in den nächsten Tagen zu erwarten. Das ist die TOP-Meldung unserer Meinungsmacher oder soll ich professionelle Angstmacher sagen?. "Bleiben Sie dran ... Gucken Sie unsere Werbung und shoppen Sie und ihre Familie glücklich!" Das einzige Wort, was ich in der ganzen Kampagne vermisste, war: KLIMAWANDEL!

Mal gucken, was aus der lokalen Wetterwarnung für die Nordsee wird. Ich bin gespannt. In den ersten Artikeln der Online-Werbeklick-Bestien steht noch, dass die Meteorologen noch nichts Konkretes zum Sturmtief Xaver sagen können. Doch was interessiert das die Nachrichtenagenturen, die nichts anderes als Einnahmequelle für Aktiengesellschaft und Verlage sind? Die Meinung von langweiligen Experten bringt keine Sensationen, die minütlich angstvolle Leser auf die Onlineportale und Nachrichten-TV-Sender treiben? Xaver wird zum Wetterweihnachtsevent der Adventszeit 2013.

Kauflust durch Werbung bei Sturmberichterstattung steigern

Wenn schon der Weihnachtskaufsrausch der Deutschen nicht so recht einsetzen will, dann wird eben mit Angst die Weihnachtsglückwerbung platziert.Mit einem Wintersturm und lokalen Wetterwarnungen, die am Ende tatsächlich Schnee im Dezember ankündigen. Was zwar nichts außergewöhnliches ist, aber man kann es in Verbindung mit einem Sturmtief zu einem Angstszenario machen. 

Einfaches Mittel gegen Werbung:
Firevoxbenutzer können ganz einfach "adblock plus" installieren und vorbei ist der Spuk.
 
Ich bleib dran, an den Zeitungs- und Nachrichtenschreiber. N-TV und N24 schicken ihre Livereporter raus. Es windet leider noch nicht, aber Xaver wird bald kommen. Nach der ersten Meldung über Xaver, stellte Focus-Online tatsächlich den ersten Live-Ticker ins Netz.

Noch gibt es kein schulfrei für die Kinder, aber die Presse ist dran. Ein verzweifelter Bürgermeister versucht die "Schulfreimeldung" aus seiner Stadt zu dementieren. Doch sie ist bereits im Netzwerk der Angst. Sie zeigen Bilder der letzten "großen Sturmflut" aus Hamburg. In Schwarz-Weiss. Die Menschen sitzen verzweifelt auf ihren Dächern. Doch das war vor 50 Jahren. Wir haben heute 2013 - aber egal, Hauptsache die Menschen bleiben auf den Portalen, kommen wieder zurück oder schalten die Werbung ein.

Schließlich ist Weihnachten und es gibt viel Freude in den Kaufhäusern zu kaufen. Weihnachtsmärkte müssen geschlossen werden. Natürlich nicht bundesweit, es ist ja schließlich eine lokale Wetterwarnung, aber egal. Ein Weihnachtsmarktbesuch ist doch eine gute Idee. Bei den meisten stürmt es ja nicht und vom Weihnachtsmarkt ist es nicht mehr weit in die Kaufhäuser der Weihnachtsgefühle, die gegen Bares erstanden werden können.

Marktwirtschaft als Triebfeder der Berichterstattung

Die Listen der "Live-Ticker" werden immer länger. Die ersten Mülltonnen sind auf dem Brocken - dem höchsten Berg in Mitteldeutschland - bereits umgefallen. "Sturmtouristen" kommen vereinzelt an die Küste. Sie dürfen ein paar Sätze zum Thema in die Kamera sagen und werden berühmt. Ein Blick auf meine Wetterkarte mit offiziellen Warnungen enttäuscht mich. Keine Wetterwarnung, außer Schnee. 

Es soll ein ungewöhnlich langer Sturm werden, der nicht nur ein paar Stunden anhält, sondern sogar 36 Std. Ich warte bis der Wind kommt. Um 15 Uhr ist der Wind immer noch nicht da. Kein Schnee. Ganz normales diesiges Winterwetter ohne Schnee, aber er wir ja kommen - sagen sie. Ich warte weiter.

An der Küste tobt der Sturm, aber doch nicht so stark wie erwartet. Wir bekommen keine Bilder von Menschen, die verzweifelt auf ihren Dächern auf Hilfe warten. Warum berichtet eigentlich keiner über die Halligen. Die Journalisten haben wohl dasselbe gedacht. Wenige Stunden später, tickern die ersten Meldungen ein. Aber auch von dort gibt es nichts sensationelles zu melden. Die Bewohner ziehen sich auf ihre Anhöhen, auf denen ihre Häuser stehen, zurück. Die Fährbetriebe sind ganz natürlich eingestellt. Auch nichts außergewöhnliches. Sie werden öfters eingestellt ohne dass Focus darüber ein Wort verliert.

Kein Schiff gerät in Seenot. Der Hamburger "Fischmarkt" steht nun unter Wasser. Das ist eine gute Meldung für den nächsten Werbeblock. Daher ist es nicht so wichtig zu erwähnen, dass er absichtlich geflutet wurde. Es klingt besser, wenn man das nur "unter Wasser" nennt.

Selbst ARD und ZDF müssen auf die Weihnachtsangstkampange eingehen. Zu sehr sind die Menschen den ganzen Tag durch die anderen Medien verunsichert worden. Einzelne starke Windböen werden zu einem flächendeckenden Orkan, der über Deutschland hinweg fegen wird. Es gibt kein Entkommen mehr. Die Nation ist im Alarmismus gefangen. Sie lechzt nach Sensation. Es müssen Bilder der Verwüstung gezeigt werden. Umgekippte LKW aus Dänemark dienen als Kulisse für die Weihnachtsshopping-Werbekampange der Medien. Um gekippte, alte Bäume, die wegen fehlender Finanzmittel der Kommunen noch eine Gnadenfrist erhielten, kippen nun um. Fallen auf Autos. Das sind die Bilder, welche die Presse nun braucht. Es entsteht der Eindruck, ganze Wälder sind umgeknickt.

Die Klickzahlen steigen stündlich, je näher der Zeitpunkt des erwarteten Eintreffens des Monstersturmes kommt. Deutschland erlebt endlich "seinen Orkan". Orkane sind nicht nur amerikanische Angelegenheiten, auch wir haben Orkane, die Dächer abdecken. Neben mir blinkt gerade: "Klick mich! Shopping Angebot - 20 % Rabatt! JETZT"

Bei N-tv darf der Tween-Journalist in Buddelmütze auf dem Brocken zwischen die Schneeflocken stehen. Sonst gibt es nämlich in Deutschland kein Schneetreiben, obwohl es Vorhersagen gab - von wem - keine Ahnung. War es der Focus oder ein Meteorologe?

Endlich ist auch der Wind bei uns im Süden angekommen. Die Rolläden klappern, ein wenig. Ich habe schon weitaus heftigere Stürme erlebt. Schnee ist nicht in Sicht, auch am nächsten Morgen bietet sich mir kein besonders extremes Winterchaos.

Fazit: Berichterstattung und Wetterwarnungen sind wichtig. Doch wenn an den Küsten stürmischer Wind erwartet wird, ist das noch lange kein Anlass, die ganze Republik in Angst und Schrecken zu versetzen, nur damit die Werbeklickrate der Onlineportale ansteigt und die Kasse klingelt. 

Wenn die Marktwirtschaft die Nachrichtenmeldungen bestimmt, ist das das Ende der "guten Zeiten". Wenn es wirklich kracht, wird es nämlich nur noch eine Randmeldung in den Medien sein.


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