Freitag, 9. Mai 2014

Herrenmenschen: Was bedeutet "Bandit" auf Russisch?

Mir ist mehrfach aufgefallen, dass Janukowitsch und auch Putin die neue ukrainische Regierung als "Banditen" bezeichnen. Seltsamerweise nehmen die Deutschen an, Putin und Janukowitsch würden das auf Russisch meinen, was der Deutsche auf Deutsch zu hören glaubt. Momentan streiten sich die globalen Faschisten mit den nationalen Faschisten um die Deutungshoheit der Vorgänge in der Ukraine aus Deutschland heraus. 

Die "nationalen Faschisten", die auch als "neue Rechte" bezeichnet werden, suchen lediglich eine folgsamen Russen, der billig Rohstoffe liefert. Daher unterscheiden sie sich in der Zielsetzung nicht von den globalen Faschisten.


In der deutschen Sprache ist "Bandit" schnell mit "Verbrecher" assoziiert. Er denkt bei viel mehr an den durch Hollywood stilisierten Revolverhelden aus den Wildwestfilmen oder Straßengangs der modernen Gangsterstreifen aus der Traumfabrik. Daher kann dieser Mensch sich selber nie als "Banditen" sehen, sondern nur als denjenigen, der Banditen mit Recht und Gesetz bekämpft, um Gerechtigkeit herbei zu führen.

Aus diesem Weltbild will sie natürlich niemand holen. Sie fühlen sich wohl darin. Deshalb bleibt "Bandit" unübersetzt und sie schwelgen weiterhin in ihren Träumen von Gerechtigkeit. Wir alle hier gehören zur Seite der Guten, auch wenn die Guten aus den USA uns abhören wie die Russen oder Chinesen, als ob wir ihre Feinde wären. Die Realität bleibt außen vor, wenn man heute das Weltgeschehen betrachtet. Dennoch hält was man das was man sieht für geschehen, obwohl es nur eine Interpretation des Geschehen ist.

Herrenmenschen praktizieren den "natürlichen Egoismus", der von Ayn Rand als Philosophie des Objektivimus neu formuliert wurde. Er besagt: "Wenn es mir gut geht, geht es auch Dir gut. Daher sorge dafür, dass es mir gut geht!" - Das bezieht sich ganz besonders auf den Reichtum in der heutigen eigentumistischen Denkart. Daraus resultiert auch die Umdefinition des Wortes "sozial" im deutschen Sprachgebraucht. Plötzlich der Unternehmer das soziale Wesen in unserer Gesellschaft, weil er Arbeitsplätze schafft. Deshalb ist es unser Aufgabe dafür zu sorgen, dass es ihm gut geht.

Aus diesem Herrenmenschendenken formuliert sich der heutige Neoliberalismus und auch das Verständnis von "liberal", das sich lediglich auf die Befreiung der Märkte bezieht, niemals auf die Befreiung des Menschen.


Das ist heutige Bildung: Bildung ist allerdings nur dem Kampf um die Interpretationshoheit der Geschehnisse. Eine Sicht auf die Dinge von einer anderen Perspektive ist daher bereits ein Charakterverbrechen. Das ist einfach an dem abwertenden Begriff "Putinversteher" zu erkennen.


Dabei fällt keinem der Gebildeten und der Denkelite auf, dass sich die Swoboda selber als "Banditen" bezeichnet. "Bandit" ist in der Übersetzung vom russischen und ukrainischen ins deutsche als  "Herrenmensch" zu verstehen.

Die BILD kann allerdings nicht schreiben, "Putin bezeichnet die neue Regierung in der Ukraine als Regierung der Herrenmenschen!". Schließlich befindet sich der Deutsche heute noch in der Verteidigungsposition gegenüber den begangenen Kriegsverbrechen seiner vorigen Regierungen. Der Begriff "Herrenmensch" bzw. "Arier" ist im deutschen in den Begriff "Nazi" verschmolzen worden, ohne jemals begriffen zu haben was Faschismus ist. Faschismus wird heute im Deutschen nur noch dann gebraucht, wenn man der Zeit zwischen 1933 und 1945 Nachdruck geben will. Eine Definition des Faschismus ist daher bis heute nicht erfolgt.

Wikipedia schreibt:

Faschismus (italienisch fascismo) war ursprünglich die Selbstbezeichnung jener rechtsgerichteten Bewegung, die Italien unter Benito Mussolini von 1922 bis 1943 beherrschte. Schon in den 1920er Jahren weiteten Gegner dieser Bewegung den Begriff auch auf andere rechtsextreme, autoritäre, totalitäre und nationalistische Regimes, Diktaturen und politische Gruppen aus, besonders auf den deutschen Nationalsozialismus



Die Prinzipien des Faschismus sind hier nicht aufgezeigt. Es entsteht der Eindruck, Faschismus sei eine politische Erscheinung aus dem 20. Jh.  Faschismus definiert ein Grundwesen, Charakter des Menschen als Norm. Wer außerhalb dieser Norm bzw. Abstammung steht, ist nicht Teil der Gesellschaft, die bestimmt, sondern der Teil, der bestimmt wird. Ein weiteres Wesen des Faschismus ist, dass klar und logisch, sogar wissenschaftlich erklärt werden, wann Menschen mehr wert sind und wann nicht.  Wir leben daher ebenfalls im Faschismus und es gab keine Zeit in der geschriebenen Geschichte der Doch das übrige Europa, insbesondere Russland hat diese Zeit zwischen 1941 und 1944 von einer anderen Perspektive erfahren und in seine Erfahrungen als Volk und Nation aufgenommen. Da fielen Horden von Menschen in ihr Land ein, die alles Russisches als faul und ungebildet ansahen.
Herrenmensch:

Die vornehme Art Mensch fühlt sich als wertbestimmend, sie hat nicht nötig, sich gutheißen zu lassen, sie urteilt »was mir schädlich ist, das ist an sich schädlich«, sie weiß sich als das, was überhaupt erst Ehre den Dingen verleiht, sie ist werteschaffend. Alles, was sie an sich kennt, ehrt sie: eine solche Moral ist Selbstverherrlichung. Im Vordergrunde steht das Gefühl der Fülle, der Macht, die überströmen will, das Glück der hohen Spannung, das Bewußtsein eines Reichtums, der schenken und abgeben möchte – auch der vornehme Mensch hilft dem Unglücklichen, aber nicht oder fast nicht aus Mitleid, sondern mehr aus einem Drang, den der Überfluß von Macht erzeugt. Der vornehme Mensch ehrt in sich den Mächtigen, auch den, welcher Macht über sich selbst hat, der zu reden und zu schweigen versteht, der mit Lust Strenge und Härte gegen sich übt und Ehrerbietung vor allem Strengen und Harten hat

In Wikipedia wird dies als Lobeshymne Nietzsches auf den Herrenmenschen dargestellt, doch Nietzsche schrieb dies als Kritik, die zur Erkenntnis des Irrsinns führen soll, dem der Mensch erliegt. Nietzsche ist ein harter Kritiker dieser oben beschriebenen Moral, die eigentliche keine ist, sondern das Instrument zur Ausbeutung. (siehe Zarathustra von Nietzsche)


Die Nazis, die z. B. auch Banderaanhänger in der Ukraine waren, hielten sich selber für das fleißigste und disziplinierteste Volk, das der ganzen Welt, Erziehung und Charakter bringen will. Jeder der nicht ihre politischen und ideologischen Ansichten teile, war keiner der Ihrigen. Auch in der Ukraine gab es in dieser Zeit "Banditen" bzw. "Herrenmenschen", die als solche von den Deutschen anerkannt wurden. Dieser Volksheld in der Ukraine, war Bandera. Der Held der Swoboda, aber auch vieler anderen Ukrainer. Er gab ihnen das Gefühl eine Nation zu sein, die sich durch einen höheren Charakter und Moral von den Russen unterscheidet.

Daher denke ich, dass der Deutsche, der sich gerne als der Fleißige sieht, noch einmal überdenken sollte und seine eigene Weltanschauung überdenken muss, mit der Frage: "Habe ich die Herrenmenschen-Brille" auf? "Bin ich selber ein "Bandit"?

Wenn ich die Diskussion aus Deutschland heraus gegenüber den Ländern in Europa verfolge, habe ich tatsächlich den Eindruck ich diskutiere mit "Herrenmenschen" und "Banditen" - damit die russische Bezeichnung dafür nicht in Vergessenheit gerät.

Selbst das EU-Abkommen mit der Ukraine ist nichts anderes als ein "Banditen"-Vertrag. Er schreibt vor, dass die Ukraine ihren Außenhandel mit Russland um 30 % reduzieren muss. Auf der anderen Seite hat die Ukraine keine weiteren großen Handelspartner und die EU will die minderwertigen Produkte aus der Ukraine gar nicht. Allerdings glauben die "Banditen" in der Ukraine, dass sie durch anständiges und gefälliges Verhalten gegenüber den USA und der EU, als weiter "Bandit" akzeptiert werden.

Auf dieselbe Art und Weise dachte auch Bandera, damals 1941, als er sich auf die Seite der Deutschen schlug und die Russen erschlug. Irgendwann wurde selbst Bandera klar, dass er sich auf die falsche Seite schlug. Die Toten sind nun mal zu beklagen und er war ein Handlanger der Schlächter. Das war die Geburtsstunde des ukrainischen Nationalstolzes.

Hinter dem russischen Wort "Bandit" steckt daher ein ganzes Buch von Ereignissen, Zusammenhängen und kultureller Erfahrungen, die ein Deutscher aus seiner Sicht auf die Welt, nicht sehen kann und will.

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