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Samstag, 21. März 2015

Der Stinkefinger und die "deutsche Seele"

Kurzer Anriss: 2015 kommt es zum Eklat. Der griechische Außenminister Varoufakes wurde 2013 in Zagreb gefilmt, als er noch nicht Außenminister war. Er erklärte seine Sicht auf die Geschehnisse der Finanzkrise in Bezug auf das Jahr 2010, dabei soll das "Symbol Stinkefinger" den Deutschen als körperliches Zeichen entgegen gestreckt worden sein. Es kursieren Versionen mit und ohne Stinkefinger. Daher kann jeder glauben was er will. Ähnliche Vorfälle gab es in Japan, mit dem "Deckengate". Der russische Präsident soll mit dieser Geste angeblich die Frau des chinesischen Staatsoberhauptes beleidigt haben. Selbstverständlich wurde diese Story von westlichen Medien lanciert, die rein gar keine Ahnung haben von chinesischem Bewusstsein, dennoch war die Vorstellung schön, man könne damit die russisch-chinesische Wirtschaftsfreundschaft beschädigen. 

Das Erkennen von geistigen Konstrukten und ihrer Mechanismen als Funktion, was landläufig als "verstehen" bezeichnet wird, sollte nicht dazu verleiten, die innerhalb dieses Mechanismus erkannten Resultate oder mögliche Zukünfte als richtig oder falsch zu deklarieren. Das ist nicht Aufgabe des Verstandes, das ist nur die "reine Vernunft". Der Verstand kann den Mechanismus grundsätzlich negieren, was aus dem Blickwinkel der "reinen Vernunft" als Nihilismus erscheint.



Doch zurück zur "deutschen Seele". Um diese Diskussion, um den Stinkefinger als Handgeste. Versteht "der Deutsche" tatsächlich, was er empfindet, wenn er den Stinkefinger sieht oder zeigt? Gehen wir hinein in das Kollektivgedächtnis unserer Gesellschaft. Der Stinkefinger ist eine hochgehaltene Hand. Der Handrücken wird dem Publikum gezeigt. Alle Finger sind nach innen gewickelt. Unsichtbar für den Betrachter. Nur der Mittelfinger ragt als längster Finder nach oben. Das ist ein Stinkefinger. Die Musik, also die Empfindungen spielen allerdings auf einer anderen Ebene ab, als der visuellen. Nur der visuelle "Stinkefinger" löst diese Emotionen aus. Ein verbal ausgesprochener "Stinkefinger" - also in Worten formuliert, berührt niemanden emotional. Das wird nicht als Beleidigung wahrgenommen. Das ist eine geistige Erziehung. Sie reagieren auch auf Verkehrsschilder spontan und würden einen Schriftzug "Hier haben sie Vorfahrt" ignorieren, weil sie die Buchstaben erst zu einem visuellen Reiz durch geistige Anstrengung umwandeln müssen. Der ist wohl jeder von uns ein Legastheniker. Lange Sätze können daher keine spontanen Reaktionen auslösen, nur einzelne Worte - als akustische Symbole.

Geistige Konstrukte als Anreiz für Verhaltensmechanismen

Alleine durch die Sichtbarkeit einer Handhaltung ist dem Zuschauer allerdings noch nicht verständlich, was es bedeutet, auch der Stinkefinger ist ein erlerntes Symbol, von die Reaktion darauf erst erlernt werden muss, wie das STOPP-Schild an der Kreuzung. Ohne Kollektivgedächtnis könnte "der Deutsche" als ein unwissender Mensch, den Stinkefinger für einen Gruß halten oder wenn er weiter entwickelt ist, für das Anzeigen der Zahl "Eins". Was also wird in Ihrem Hirn abgerufen, wenn Ihr Auge einen Stinkefinger entdeckt?

Um es als "Deutscher" (geistiges Konstrukt) verstehen zu können, muss der Beobachter wissen, dass sich im deutschen Sprachgebrauch, das stärkste Kraftwort (Schimpfwort) sich auf den Analbereich bezieht: "ARSCHLOCH". Der "Stinkefinger" ist daher so zu verstehen, dass man "dem Arschloch" das Maul stopft. Eine Form der doppelten Beleidigung sozusagen. So versteht es der Mensch im 21. Jahrhundert.



In anderen Sprachen werden die Kraftworte meist auf abfälligen Bemerkungen über Mutter oder Vater gebildet, wie "Hurensohn". Dieses Schimpfwort beeindruckt daher einen Deutschen weniger, als einen Südländer. Was heute landläufig wohl als "Kultur" verstanden wird. Mit derartigen Betrachtungsweisen befinden wir uns im Schaum des Bewusstseins ohne zu wissen, woher all das kommt, was wir glauben fühlen zu müssen, wenn wir Worte hören oder Gesten sehen.


Rechenschaft für sein Handeln ablegen

"Rechenschaft für sein Handeln ablegen", fordert daher, das Wissen um das Entstehen von Emotionen. Es ist sozusagen eine Reise ins Unterbewusstsein. Nur so versteht der Mensch sein Handel und kann sich SELBST bewusst werden.

Im Lauf der Jahrtausende haben sich die Emotionen auf "den Stinkefinger" geändert. Sie werden als alleinstehende Handlung betrachtet, ohne dass das Kollektivgedächtnis noch Rechenschaft ablegen kann, woher die empfundene Aufregung überhaupt kommt. Das sogenannte Logos dieser Geste ist "verloren gegangen" - es wurde vergessen.

Selbstverständlich gibt es auch eine Ursprungsgeschichte zum "Stinkefinger" und diese liegt wie so oft im antiken Athen, 300 J. v. Chr. Ich erzähle diese Geschichte, damit verstanden werden kann, woher das heutige Bewusstsein der Menschen kommt, Dinge zu verstehen, die heute versucht wieder wissenschaftlich neu erklärt werden.


Die Geschichte vom Stinkefinger und Sinope

In Athen lebte einst ein Mann, der später Philosoph genannt werden wird. Sein Name war "Diogenes von Sinope, der heute weniger unter seinen Namen bekannt ist, sondern als "Philosoph im Fass". Er macht sich zur Philosophie als menschliches Tier unter dem zivilisierten Tier, dem domestizierten Menschen zu leben. Er zeigte unverhohlen seinen Phallus, weil es seiner Meinung nach kein natürliches Verhalten für die gängige Vorstellung von Moral gab. Das machte ihn zu einer Art Touristenattraktion im antiken Athen.

Das erboste Sinope so sehr, weil die Menschen nicht wegen seinen Aussagen und Überlegungen kamen, sondern wegen seinem aus ihrer Sicht unmoralischen und obszönen Verhaltens.

Eines Tages streckte Sinope ihnen seinen eregierten Phallus mit den Worten entgegen: "Hier hab ihr Euren athenischen Demagogen!" Daraus wurde der "Stinkefinger" - von dem Sie heute glauben, er würde Sie beleidigen.

Tatsächlich aber stellt sich die Frage, wer hatte im damaligen Athen wen beleidigt? Der Sinpoesphallus war keine Beleidigung für die Sensationstouristen in der Antike. Er versinnbildlichte viel mehr die Fehlinterpretation von Moral in ihrem Bewusstsein. Sie schämten sich für sich selber und machten daraus am Ende, das was wir heute als Emotion gegenüber einem "Stinkefinger" empfinden - die Beleidigung durch den Zeigenden.

Heute wird ein Stinkefinger, sogar als Beleidigung strafrechtlich verfolgt und mit Bußgeld belegt. Ich will damit nicht andeuten, dass "Stinkefingerzeiger" alle Philosophen seien. Nein, sie sind ein Produkt des heutigen Bewusstseins, das keiner Rechenschaft mehr über die eigenen Beweggründe ihrer Assoziationen ablegen kann.


Es gab nie eine Philosophie, nur Lug und Betrug

So versinnbildlicht der "griechische Stinkefinger" in allen Facetten die heutige Arroganz und Ignoranz. Die Geste ist plötzlich der Streitpunkt und alles andere, was Griechenland betrifft, die Armut, die Schuldenberge, werden irrelevant. Oberflächlichkeit ist nur ein anderes Wort für Bequemlichkeit. Das Einzige was diese "deutsche Seele" beweisen will ist, dass sie an der griechischen Misere unschuldig ist, obwohl jeder weiß, dass es nicht so ist.

Deshalb sind wir viel mehr Sinope-Touristen und fühlen uns auch noch beleidigt, wenn man uns die Wahrheit über unsere Beweggründe sagt. Wir laben uns am Elend des griechischen Volkes und richten uns daran auf. Ganz nach dem Motto: Suche Dir ein schlechteres Beispiel und mache Dich dadurch zum Vorbild.

Der Verstand ist - lassen Sie es mich im Sinne der "reinen Vernunft" formulieren - des Gehirns, mit dem der Mensch, wenn er ihn einsetzt, sich behilflich sein könnte, die "reine Vernunft", das was er heute für seinen Verstand hält, als geistigen Betrug an sich SELBST erkennen.

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