Freitag, 19. Juni 2015

Grexit: Sieben Tage Monopoly - das reichte ... ohne Verlierer kein Spiel

Das griechisches Parlament erklärt die Auslandsschulden für illegal. Ein genialer Schachzug, der Schule machen sollte - als kleinen Versuch der Aufklärung. Es ist das Experiment: "Ich spiele nicht mehr Dein Spiel!"

Lagard als IWF-Chefin fühlt sich allerdings an die "Stärke des Rechts", an die Spielregeln gebunden und erinnert: "Von diesem Zeitpunkt an, verbieten uns die Regeln, weiteres Geld auszuzahlen, bis die Rückstände beglichen sind. " Humanismus ist also ein absolutes Tabu für die Werte und Normen der Menschheit.

Nun räumt die EZB, griechischen Banken einen höheren Kreditrahmen ein, wohl unter dem Eindruck des "Gas-Deals" mit Russland. Das garantiert zumindest "zu erwartende Gewinne" für den griechischen Staat. Das "Spiel" geht weiter: Europa kann sich daher nicht mehr leisten, keine Geschäfte mit Russland zu machen ... wieder ein gelungener Schachzug von Tsipras und Varoufakis. Es ist wahrhaft eine "göttliche Komödie", wenn "Spieler" die Verlierer unbedingt im Spiel halten wollen. 

Sieben Tage Monopoly
 
Mit unbedarften, acht Jahren lernte ich das Spiel Monopoly kennen und war begeistert. Es war irgendwie so nahe am Leben. Es wirkte, als könne man selber Einfluss auf den Sieg nehmen und sei nicht an die Würfel gebunden oder an ein gutes Blatt vom Kartengeber. 

Doch der Spielverlauf war ein Schock. Das Ende unerbittlich, wenn es Realität wäre. Es war kein Verlieren, sondern ein Versagen. Klar - es waren Würfel im Spiel, die schon zu Anfang einen hohen Ungerechtigkeitsfaktor bargen, aber irgendwann ist es egal, was der Würfel anzeigt. Alles kostete Geld. Hinzu kamen die Preissteigerungen durch Hotels, und - der Schlossalleeeigentümer gewann in diesem Fall auch nicht.


Das Spiel war ein Spießrutenlauf. Johlende "Hotelbesitzer" ergötzen sich am Niedergang des Geldlosen. Ich blickte in Gesichter, die ich vorher noch nie so gesehen hatte. Es war für mich ein gnadenloser Kulturschock.

Beim zweiten Mal, schlug ich in der Endphase neue Spielregeln vor. Mit dem Ziel das Spiel am Laufen zu halten, eben wie im "echten Leben". Die LOS-Rate wurde verdoppelt. Es bildeten sich Allianzen heraus. Die Geldschwachen verlangen von ihren "Verbündeten" keine Miete mehr, aber auch das brachte keine nachhaltige Erleichterung.



Die Bank musste Geld verleihen, ohne Sicherheit versteht sich, so konnte der Eigentümer die Pacht selber verbuchen. Das ging so lange gut, bis die Bank kein Geld mehr hatte. Eigene Geldscheine mussten her. Während dessen stapelten sich die Geldberge bei Schlossallee & Co. - im Hintergrund die zufriedenen Gesichter.

Nun kam die "soziale Phase". Die "Reichen" mussten teilen und "Gutes" tun. Davon war am Anfang nicht jeder überzeugt. Als ihnen aber bewusst wurde, dass es "nur Spielgeld" war - war sie dazu bereit. Sie verschenkten ihr Geld des Spieles wegen, nur um es hinterher als Pacht wieder einsammeln zu können. Nachhaltigkeit war nicht erkennbar, nur die Sinnlosigkeit kam immer mehr ans Tageslicht = sie war der eigentliche Sinn des Spiels.

Glück stellte plötzlich die  "Gefängniskarte" dar, weil dann keine Pacht mehr drohte. Manch einer flehte auf "Haftverlängerung". Aus humanitären Gründen, gab es sogar das LOS-Geld, obwohl es per Regeln verboten war. Damit der "Sträfling" bei der Entlassung, seine Miete zahlen konnte.

Ganze 7 Nachmittage konnten wir das Spiel am Leben halten, bis es einigen zu langweilig wurde - die Chance auf Sieg war nicht mehr erkennbar. Sie erklärten sich freiwillig für pleite und gingen "zurück ins Leben", in den Sandkasten.  Seither spielte ich nie wieder Monopoly.


Sinnlosigkeit als Sinn des Spiels/Lebens

Ich empfand es als lächerlich, wie zu Anfang das Geld verteilt wird, unter dem Motto: "Gleiche Chancen für alle" und konnte keinen Spieltrieb mehr entwickeln. Nicht aus Angst, dass ich selber verlieren könnte, sondern aus Ekel , weil trotz Chancengleichheit doch nur einer übrig bleiben muss  - das ist das Ziel der Regeln, mit dem einen Problem es wird am Ende keiner mehr da sein, der ihm bis in alle Ewigkeit ihren Wohlstand finanzieren wird und das, obwohl kein Pfennig Zins verlangt wurde.

"Ist das der Sinn des Lebens?", hatte ich mich damals gefragt. "Ist es das, was wir als Erwachsene tun wollen müssen?"

Heute sehe ich nur viele, ganz viele Monopolybretter in einander greifen. Der Arbeiter sammelt Geld beim Arbeitermonopoly, um sich parallel am Immobilienbrett zu beteiligen. Parallel dazu betätigt er sich auf dem Bildungsmonopoly, um seine Kinder in Position zu bringen. Dieselben Bretter ergeben sich durch Demokratie, Diktaturen und Tyranneien als Nationenbrett, die sich zu Handelsgemeinschaften zusammenschließen,um andere damit in die Knie zwingen. Einen Sinn ergibt das nicht. Es ist nur stures Einhalten von Regeln, von denen keiner mehr sagen kann, was das Wollen zum Wollen einmal hervorbrachte.


Politik gefangen in der Logik der Aussichtslosigkeit

Eigentlich ist die große Politik und Ethik genauso naiv wie ich damals mit acht Jahren. Sie versuchen das Spiel am Laufen zu halten - und halten das für Humanismus. Alternativen ergeben sich nur mit Blick auf das Spielfeld, was für sie die Welt darstellt. Das Menschziel besteht lediglich darin, endlich innerhalb der gegebenen Regeln einen ertragbaren Ausgleich zwischen Arm und Reich aufrecht zu erhalten - ohne dass jemals ein Gewinner ermittelt wird. Damit ist die gesamte Geschichte der Zivilisation beschrieben. Sie ergänzt nur immer wieder um weitere Regeln, die wiederum in wenigen Jahren revidiert, reformiert oder negiert werden.

Noch nie wollte die Menschheit das Problem lösen, sondern lediglich die Auswirkungen mindern. Keine Partei, keine Ideologie, keine Religion und keine Initiative oder auch kein Einzelindividuum strebt nach einer Lösung. Ihr Willen konzentriert sich lediglich darin, dann niemand in diesem Spiel verlieren darf. Das begreifen sie alle als Humanität und soziales Verhalten.

Es interessiert keinen, was all das einmal in Gang setze und für logisch erklärte. Die Angst vor der Wahrheit ist zu groß. All die schönen Regeln, Normen und die daraus entstandene Moral mit ihrem grandiosen Gewissen, die schönen rationalen Erklärungen für Götter und Schicksal wären nichts anderes als ein Resultat von unverbesserlichern Spielern, aber sie wären eben kein Humanismus. Damit gerät nicht nur das Spiel in eine Identitätskrise, sondern vor allem der Mensch selber. Er wüsste nicht mehr was oder wer ist.

Die Menschheit ist gefangen ihrer eigenen A-Logik - wo Essenz in Existenz verkehrt wurde. Nietzsche forderte die "Umwertung der Werte" - doch wie soll die Menschheit begreifen, dass das was sie sich als Existenz erklärt, nur die Essenz eines Spieles ist?

Sie wird nämlich annehmen, ein "Geist" wolle ihr die Existenz rauben. Die selbstverschuldete Unmündigkeit ist eine solche Menschen einfach unüberwindbar. Sie wird mit dem größten Recht und dem besten Gewissen über andere richten, weil das als "Summe der Erfahrungen" gilt und daher wahr ist. Die menschliche Tragödie wird also weiter geschrieben, weil der Mensch es einfach nicht wissen will, was er vergessen hat.


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