Freitag, 26. Juni 2015

Amerikanismus und Putinversteher: Was ist "amerikanischer" Imperialismus?

Das "römische Reich" war zwar ein Imperium (ein Kaiserreich), aber eben kein Imperialismus, wie er heute verstanden wird. Der "Neo-Imperialismus" ist der bürgerliche Versuch, eine neue Adelslinie aus dem Bürgertum zu etablieren, welche sich die Herrschaft als Erbfolge angeblich "redlich" verdient hätte. Damit wollen sie sich als unumstößliche Herrscherklasse bestätigen, die von keiner Moral oder Ethik jemals wieder infrage gestellt werden kann.

Wer also anderen Anti-Amerikanismus vorwirft, bestätigt damit, dass es einen Amerikanismus gibt. Offensichtlich ist diesen Menschen längst die Fantasie abhanden gekommen, das die Welt weder einen adligen und noch einen bürgerlichen Kaiser braucht, dem angeblich das moralische Recht erteilt wurde, als Oberphilosoph nach eigenem Belieben, für seine neue Sippe, die Gesetze von der Bibel abzuleiten, als sei dieses Buch die Natur und die Natur an sich sei falsch.


Der erste Imperialismus

Der klassische Imperialismus verleibt sich fremde Territorien in sein Staatsgebiet ein und regiert diese direkt aus seiner eigenen Hauptzentrale, Parlament, Regierung oder Monarchie heraus, und zwar für jeden erkennbar. Das Imperium entsendet Statthalter aus der eigenen Riege in diese Länder und lässt diese regieren. Die Steuergaben des neuen Territoriums fließen direkt in die Staatskasse der Eroberer und auch das, ist jedem bekannt. 

Deshalb gilt das "römische Reich" als Imperium, aber die griechische Polis nicht. Sie muss eher als Föderalismus wider den Barbaren (Nichthellen) angesehen werden. Sie ist die Vorlage für "Hegemonie". Im Grund wurde Griechenland nie erobert, auch nicht von den Spartanern oder Römern. Die Eroberer wurden grundsätzlich hellenisiert.

Der "amerikanisch" Imperialismus definiert sich allerdings anders. Er erobert fremde Territorien unter dem Vorband, die Bevölkerung vor "schlechten und unmenschlichen" Regierungen und Regenten zu befreien. Für derartige Vorhaben findet sich meist 50 % der Bevölkerung eines Landes als "freiwillige Unterstützer" - von der untersten bis zur obersten Schicht.

Danach werden pro-amerikanische Machthaber mit großen wirtschaftlichen Versprechungen aus den USA heraus, etabliert, welche die Wirtschaftsordnung in diesen Ländern zum Vorteil von amerikanischen Interessen diktieren. Das ist nicht schwierig, weil die oberste Schicht, dieses "neuen Landes" nur noch aus 50% der alten Oberschicht besteht. Es muss auch bedacht werden, dass sich im Laufe der letzten 50 Jahre sich längst ein Lerneffekt in potenziellen Länderkandidaten ergeben hat. So bald die USA latente Interessen anmelden, mobilisiert sich bereits eine hoffnungsvolle 50% Schicht, um danach zu den Gewinner zählen zu können. Was letztendlich den eigentlichen Einmarschgrund für die USA liefert und sie daher immer gerne als Befreier dargestellt werden.

Zur Kontrolle dieser Ländern bleiben immer amerikanische Militärstützpunkte Vorort, auch im Hinblick auf die neuen Kräfte, die sich in der Zwischenzeit als Wirtschaftsmächte zeigen.

Diese neuen Territorien werden in eine absolute Handelsabhängigkeit mit den USA gebracht, immer unter dem Druck der Günstlinge auf die übrige Bevölkerung. Es läuft immer nach demselben Muster. Investitionen von amerikanische Unternehmen, kurzfristiger Aufschwung, bis sich Defizite im Sozialsystem aufmachen, durch die Unterdrückung der 50% die als Verlierer des Krieges gelten.

Können diese 50 % nicht befriedet werden, indem die neue Oberschicht anfängt ihre Gewinne in die gesamte Gesellschaft zu verteilen, wird dann vom Imperium nicht davor zurückgeschreckt, einen Diktator ihrer Interessen einzusetzen. Siehe Irak oder Iran.

Im Irak wurde zwischenzeitlich wieder eine "Demokratie" eingeführt, weil sich sonst unter Hussain eine Revolution entwickelt hätte, die sich nicht mehr freiwillig in das US-Imperium unterworfen hätte. Sie hätten die Öleinnahmen verwendet, um die soziale Not in der Bevölkerung zu lindern. So marschierte das Imperium ein, setzte eine schwache Regierung ins Amt und gab damit den Startschuss für die heutigen Bürgerkriege im Nahen-Osten, in denen sich die Bevölkerung systematisch dezimiert und nicht einmal begreift, wer den psychologische Faktor im Hintergrund ist.

Die eigentlichen Fäden der Machtverhältnisse werden über die Handelsabhängigkeit mit den USA gezogen, doch diese erscheinen viel zu wenig im politischen und diplomatischen Blickfeld und sind daher nie Thema einer öffentlichen Diskussion. Das liegt auch daran, dass die übrigen Peripheriestaaten an diesen Unruhen selber verdienen und daher mehr Geldmittel zur Verfügung haben, um ihre eigenen sozialen Defizite zu vertuschen.

Wer als Pheripheriestaat von der vorgegebenen Staatsräson aus den USA abweicht, wird mit wirtschaftlichen Schieflage belohnt. Was sehr einfach ist. Die Finanzkrise von 2007/8 hat das bewiesen und droht Europa ein soziales Dilemma zu stürzen, was wiederum Kriege oder Bürgerkriege bedeutet, wenn sich nicht 50 % der Bevölkerung mit ihrem immer sozialen Abstieg stillschweigend abfinden.

Komplette Destabilisierung

Eine komplette Destabilisierung findet nur statt, wenn das Zentrum des Imperiums davon überzeugt ist, dass jede mögliche Führung, die sich nach Unruhen herausbilden könnte, abtrünnig würde.

Soll ein Land komplett destabilisiert werden, wird nicht nur die unterste Schicht über wirtschaftliche Winkelzüge in den Geldverlust getrieben, sondern vor allem auch die Mittel- und Oberschicht. Dann bleibt - wie jetzt in Ägypten - nur noch die Militärregierung übrig, das ist alle mal besser als Staatskapitalismus mit Sozialwesen. Ein Militär kontrolliert lediglich die Einhaltung der Ordnung, bei Bevölkerung und Wirtschaft gleichermaßen.


Die stille Übernahme

Selbstverständlich gibt es auch "stille Übernahmen", in der Regierungen ohne vorherige militärische Invasion sich immer stärker in eine wirtschaftliche Abhängigkeit mit den USA begeben. Hawaii ist hier wohl das beste Beispiel. 

Sie erfolgt durch massiven Landkauf, wie z. B. mit Plantagen; daraus ergibt sich eine wirtschaftliche Abhängigkeit durch die "geschaffenen Arbeitsplätze" und schon hat sich eine Hegemonie ausgedehnt. Am 12. August 1898 wird die hawaiianische Flagge eingeholt und das Sternenbanner gehisst. Hawaii ist annektiert.

Das stille Hegemonie (Imperium Silencio)

Mit einer derartigen zerstörerischen außenpolitischen Struktur, die von den USA mit dieser Psychologie verfolgt wird, wird es nie zu einer friedlichen Welt kommen. Die ökonomischen Basisrechnungen der USA stimmen nicht, denn diese Gleichung geht nie auf. Früher oder später durchschauen die Menschen auch die neue psychische Version eines Imperiums, wie einst das römische Reich durchschaut wurde und fiel. Es fiel nicht durch Aufstände und Revolutionen, sondern seine angeblichen, ewigen Mechanismen des Wohlstandes zersetzten sich nach und nach.

Irgendwann übersteigen die durch Handelsabkommen beschlossenen Verpflichtungen die Forderungen an die Peripheriestaaten, weil die Ausdehnung des Imperium zum Stillstand gekommen war. Im heutigen Fall sind es die Grenzen von Russland und China.

Daher kann die EU nicht als eigenständige Union, unabhängig von den USA betrachtet werden, sondern es ist viel mehr eine Union der Perepheriestaaten. Das angestrebte Handelsabkommen TTIP spricht Bände über das Wesen dieser Gemeinschaft, die gar nicht mehr in der Lage ist für die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung verträgliche Vereinbarungen zu treffen.

Es ist wie immer ... das ehemals als angenehm empfundene Recht, wird plötzlich zur Strafe und erdrückenden Last - siehe Griechenland.
 

Alle Wege führen nach Washington

Die EU-Expansion ist also nur subjektiv betrachtet eine europäische Expansion, objektiv ist sie eine us-amerikanische Expansion, welche massiv vorangetrieben werden muss, da der Lebensstand in den USA rapide absinkt und sich längst andere Wirtschaftsgrößen wie Russland und China auf der Weltbühne angemeldet haben ... und sich eben nicht in solche wirtschaftlichen Abhängigkeiten manövrieren lassen, sondern lieber mit jedem Staat, der subjektiv betrachtet eigenständig ist, auch eigenständige Verträge abschließen wollen - was die vorgegebene Ordnung der Staaten durch verpflichtende Verträge verhindert. Die Ukraine ist hierfür das beste Beispiel und reagiert so, wie am Anfang beschrieben ... wo 50% einer Bevölkerung, die anderen zu ihren eigenen Vorteilen absolut unterdrücken und wirtschaftliche entmachten will. Die Ukraine muss unweigerlich zum Irak oder Afghanistan werden.

Der Anti-Imperialismus

Mit den Grenzen Russlands und Chinas sind die USA an ihr Korrektiv gestoßen - oder besser gesagt, sie sehen sich Auge in Auge mit einer Konkurrenz, die selber gar kein Imperium sein will. Für die USA wäre es einfacher, China und Russland stellten die Ansprüche. Tun es aber nicht!

Diese Länder bevorzugen es, mit jedem Land, unabhängige Handelsverträge abzuschließen und bringen damit die US-Peripheriestaat in einen sogenannten, ideologischen Gewissenskonflikt. Dieser verstärkt sich dadurch, dass die sozialen Umstände sich in diesen Ländern verbessern würden, wenn sie sich nicht aufgrund der geltenden Ordnung und des Rechts an Verträge gebunden sehen würden, die eigentlich "sittenwidrig" sind und von jeder neuen Regierung erst gar nicht anerkannt werden müssen.

In Europa regiert die Angst, nicht die Vernunft
Doch es ist eben wie es ist. Das Geflecht der Verträge und wirtschaftlichen Abhängigkeiten ist in der Zwischenzeit so groß geworden, dass es unmöglich ist, als eigenständiger Staat einzelne Handelsabkommen abzuschließen ohne von den anderen, die sich noch zum Kreis der Peripheriestaaten zählen wollen, mit Sanktionen und Ausschluss bestraft zu werden. In Europa herrscht daher keine Vernunft mehr, sondern nur noch die pur Angst vor etwas, was eigentlich nur auf den Papier existiert ... und Papier ist geduldig.

Daher muss - auch wenn es manch einem nicht gefällt - von einem "amerikanischen Psycho-Imperialismus" gesprochen werden, der auf dem modernsten Niveau der Psychopathie aufgebaut ist.

Es ist ein Fehler nach Vergleichen mit vergangen Imperien zu suchen, da sich nicht nur die wirtschaftlichen Gepflogenheiten und die Begehrlichkeiten im Laufe der Jahrtausende veränderten, sondern eben auch die Psychologie (Bildung) der Bewohner, Arbeiter und Kaufleute. Politiker erwähne ich absichtlich nicht, denn sie waren immer schon  - nur Kaufleute.


Der erst Deal Roms

Das "römische Reich" expandierte mit Hinblick auf Agrarländer und der antiken Energie = Sklaven. Selbst Rom sprach von der Provinz "Ägypten" und nicht vom "römischen Reich am Nil". Dort wurde z. B. die Verwaltung den Ägyptern überlassen, aber unter den Vorgaben Roms. Die USA haben dieses Prinzip verfeinert, da es unauffälliger ist. Diese Form der Herrschaft braucht keine schriftlichen Verträge, es ist ein Arrangement der Ökonomie - eine anscheinend natürliche Synergie, wenn die nachhaltigen Verlust für die Bevölkerung als wirtschaftliches Schicksal errechenbar sind.

Die Herrschaftsschichten von Rom und Ägypten hatten sich arrangiert: Die herrschende Klasse der Ägypter bliebt an der Macht, mit samt ihren Privilegien. Solche Länder brauchen keine Mittelschicht mehr, sondern nur noch billige Arbeiter bis in die höchsten Kreise der Administration.

Das ist wohl eher die Steilvorlage für den "amerikanischen Imperialismus" gewesen, als die klassische Struktur des "römischen Reiches" (Imperium Romana). Schließlich diente dieses Riesenreich nur ein paar Wenigen in Rom zur Finanzierung ihres Reichtums.

Noch genauer betrachtet war das "römische Reich" auch eine Form des Sozialismus, denn es spielt keine Rolle ob nun der Senat aus Adel oder Reichen; oder Parteimitgliedern besteht. In ihrem Wesen haben sie eines gemeinsam: Es arbeiten immer viele, für die Privilegien von wenigen. Den Rechtlosen nannten sie im "römischen Reich", den Sklaven, in modernen Imperien wird er heute Arbeiter genannt. Kein einziges Recht eines Arbeiters ist heute im Stande, das Recht des Reichtums zu brechen. 
 

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