Sonntag, 2. April 2017

2017 - Wer heute Kapitalismus meint, spricht nur noch über Demokratie.

Die europäisierte Welt ist nur privilegiert, aber deshalb noch lange nicht glücklich, denn das Privileg basiert auf dem Elend vieler Millionen, gar Milliarden von Menschen. Wir lassen uns einreden, dass Armut unterhalb von 2 Dollar Verfügungskapital anfängt, um unser Gewissen zu beruhigen. Tatsächlich aber beruht das Privileg des relativen Reichtums in der europäisierten Welt, lediglich auf dem irrationalen Gerechtigkeitssystem das Ausbeutung als eine zulässige und anstrebenswerte Moral darstellt.

Es heißt: "Jeder hat immer eine Wahl" - aber wir haben keine Wahl zu bestimmen wie wir leben. Die Vorstellungskraft von Eigentum erzeugt eine Willensbildung in den Menschen, die sogar in der Lage ist,  Bestrafungssysteme anzustreben, die lediglich eine moderne Version des antiken Feudalismus darstellen. Als unumstößliches Ziel einer ganzen Menschheit steht immer der Kapitalismus, der vorgibt ein gerechtes Ausbeutungssystem zu sein, das lediglich optimiert werden muss. Heute spricht allerdings niemand mehr von Kapitalismus. Wer heute über Kapitalismus spricht, nennt ihn Demokratie.

Tatsächlich ist der Kapitalismus ist eine horizontale Aufteilung der Menschheit, die der Mensch zwanghaft in vertikale Aufteilungen darzustellen will - und das dann auch für normal hält: in Slums; Brennpunkte; "gute" Wohnviertel; hohes Einkommen; geringes Einkommen; 

Kapitalisten bezeichnen sich nur deshalb als tolerant, weil sie bei Reichtum plötzlich die Hautfarbe oder die Abstammung ignorieren können. Für sie gibt es nur oben und unten - gleich einer Scheibe. Rechts, Links oder Mitte ist daher lediglich eine Membrane, die bestimmt, wie durchlässig die Toleranz sein soll, damit sich das System in der Ausbeutung regeneriert oder optimiert.

Noch nie hat jemand die Frage öffentlich gestellt: "Was ist ein gerechtes Ausbeutungssystem?"


Es wir sich nichts ändern, wenn heute die 62 Reichsten dieser Welt enteignet werden. Damit wird nur der Startschuss für einen neuen Wettlauf um den Titel: "Reichster der Welt" wieder eröffnet. Das Ziel muss sich ändern und damit auch der Weg. Doch welches Ziel sollen wir uns stecken, damit unsere Welt genauso eine Kugel ist, wie unser Planet selber? Die europäisierte Welt ist nur privilegiert, aber deshalb noch lange nicht glücklich.

Kapitalismus eine modere Form des Feudalismus (Adelsherrschaft). Daher sollte jeder abhängig Beschäftigter davon ablassen, sich als Bürger zu bezeichnen, denn der Bürger ist in Wahrheit das Establishment. Selbstverständlich ist mir bekannt, dass Menschen wie Vogt vorgeben, dass Hansestädte im Mittelalter eine Form der Demokratie waren. Das mag aus seiner Sicht sogar richtig sein, aber faktisch betrachtet ist das eine riesengroße Lüge.

Hansestädte wurden lediglich unter dem Bürgertum demokratisch regiert. Daher sind Hansestädte nichts anderes als der mittelalterliche Neoliberalismus, der sich gegenüber der gängigen Monarchie durchsetzte und Macht per Bankkonto vererbte und nicht mehr über klassische Blutlinien. Dieses System rettete sich durch die Renaissance in die Denkmuster des 21. Jh.

Heute glaubt der abhängig Beschäftigte Mensch zu wissen, dass er nur dann existieren kann, wenn er seinen Brötchengeber bedingungslos unterstützt und daher seinen Gewinn mehrt. Damit unterscheidet er sich in keinster weise vom frommen Leibeigenen im Mittelalter. ("Fromm" steht hier nicht für Glaubenstreu in Religion, sondern für Folgsamkeit im System - das ist der eigentliche Ursprung des Wortes "fromm". Er danach wurde es zu einem religiösen Wort).


Der Kapitalismus ist genauso gescheitert wie der Kommunismus oder der Marxismus. Alle setzen für ihre Funktionalität hohe Gewinne für Unternehmen und Volkswirtschaften voraus und formulieren daraus eine Berechtigung sich an diesem Reichtum zu bedienen, indem sie Menschen in Wertigkeiten klassifizieren und daher vorgehen eine Form der Gerechtigkeit zu praktizieren, indem einem mehr und dem anderen weniger zugesprochen wird.

Sie sind keine gegensätzliche Konzepte, wie man es uns immer lehren will, sondern sie sind aus einem Gedanken entstanden, und zwar aus dem Vorbild des Feudalismus, länger existiert als das europäische Mittelalter. Sämtliche Religionen basieren auf dem Prinzip des Feudalismus, weil all ihre Gesetze darauf ausgerichtet sind, das Eigentum als eine existierende Kraft zu bestätigen, die darüber entscheidet, ob jemand etwas hat oder nicht.

Demokratie unter dem Blickwinkel eines feudalen Menschen ist daher nichts anderes als eine Selbstverwaltung von Leibeigenen, die es nicht schaffen sich ein tatsächlich funktionierendes System von Menschlichkeit vorzustellen.

Genau genommen muss sich die Menschheit neu erfinden. Sie hat im Lauf der Zivilisation ihr ureigenes Wesen vergessen und alles vernichtet, was einmal menschlich war. Heute sind wir gezwungen unsere Kinder wider jeder Menschlichkeit zu erziehen. Wir erzählen ihnen von Gerechtigkeit und erklären gleichzeitig, dass sie lieber verhungern sollen, als zu stehlen. Wir erklären Töten zur Gerechtigkeit, indem wir Krieg führen und sperren Mörder weg, die aus der gleichen Habgier Menschenleben auslöschen.

Die Moral wird zu Recht von Nietzsche massiv kritisiert. Sie ist nichts anderes als eine rosa Brille, welche der Menschheit die eigene Ungerechtigkeit nicht erkennen lässt und sie als Gerechtigkeit bezeichnet.

Selbstverständlich kann ich auch den historischen Übeltäter dieser falschen Mentalität zu benennen: Es ist Sokrates mit seiner verführerischen Dialektik. Er machte seinen damaligen Mitmenschen fälschlicher Weise klar, dass die Gerechtigkeit immer schön sein und alles was im Namen der Gerechtigkeit als Ungerechtigkeit erscheint, liegt lediglich an demjenigen, der die Gesetze missachtete. Das Gesetz an sich ist daher niemals ungerecht - Sokrates nannte das, das Gesetz der Götter. Deshalb bezeichnete Nietzsche, Sokrates als den hässlichsten Menschen, der jemals auf diesem Planeten wandelte.

Wer also nicht über sein heutiges Bewusstsein Rechenschaft über mindesten 3000 Jahre zurück ablegen kann, ist blind und wird immer blind bleiben. Es reicht nicht aus 200 oder 500 Jahre in die Vergangenheit des menschlichen Bewusstseins zurückzublicken, sondern es muss alles revidiert werden, was heute als wahr und richtig gilt.

Nur so kann die Menschheit zu ihrer Menschlichkeit zurück finden und hat es nicht mehr nötigt, sich mit Insekten wie Ameisenkolonien oder Bienenstöcken zu vergleichen. Die Menschheit sollte sich auch nicht Wolfsrudel als Vorbild für hierarchische Formen nehmen, sonst ist der Mensch ein Wolf, aber nie Mensch.

Hesiod schrieb einst, dass der Mensch entweder vom Wolf oder vom Stein ist. Besser wäre es, er wäre vom Stein. Warum? Steine können angebrüllt werden oder mit Drohungen belegt werden, sie werden sich trotzdem nicht aus eigener Kraft zu einem Tempel oder einer Kathedrale formen. Sie werden davon unbeeindruckt bleiben. Nur der Wolf lässt sich dressieren und ist in der Lage den Geist (Willen) eines anderen Individuums. So entstand Zivilisation. Sie machten den Menschen zum willenlosen, dressierten Wolf und ließen sich Paläste und Tempel bauen, während sie ihm erklärten, das sei lediglich zum Besten für den kleinen, willenlosen Menschen.

Sie ließen die fleißigen, frommen Menschen in Lehmhütten schlafen und behaupteten, das sei Gerechtigkeit. Nach 3000 Jahren leben in einer solchen Hierarchie hält der gebildete Mensch all das für Normal und für die eigentliche Menschlichkeit. Dabei ist das alles eine Lüge. Die Behauptungen unserer Väter und Mütter waren lügen von frommen Menschen, die sich einfach an ein künstliches System anpassten, um zu überleben.

Damit wären wir beim Existenzialismus von Sartre. Er bedeutet nicht zu existieren unter diesem hierarchischen System, sondern existieren ohne diese Vorstellung. Seine Theorien blieben uns nur deshalb erhalten, weil Entscheidungsträger glaubten, er würde das bestätigen, das sie selber befürworten. Sie waren in dem Glauben, er würde den Kommunismus kritisieren - doch die Nachricht von Sartre ist die Aufforderung ein Stein zu sein.

Erst wenn Gleichheit keine Bedrohung mehr in der Vorstellung von Existenz als Menschheit keine Existenzängste auslöst und Affekte verursacht, die den Kapitalismus wieder als alternativlose Lösung präsentieren, sind wir auf dem richtigen Weg. Doch dieser Weg ist noch weit, ich hoffe, dass es nicht noch einmal 3000 Jahre dauern wird, dieses geistige Schreckgespenst nicht nur vergessen, sondern als alogische Konstruktion in unseren Hirnen zu enttarnen.

1 Kommentar:

  1. Ist eine menschliche Gemeinschaft größer als 150 Individuen (nur bis zu dieser Grenze können sich alle noch gegenseitig kennen), existiert für kein einziges Problem eine wie auch immer geartete "politische Lösung", sondern für alle Zivilisationsprobleme, die eine gemeinsame Ursache haben, gibt es nur genau eine technische Lösung. Diese war vor 3200 Jahren noch unvorstellbar, aber man wusste, dass der Geldkreislauf (Baum des Lebens) nach kurzer Zeit zusammenbricht (Liquiditätsfalle), wenn der Geldverleih (Baum der Erkenntnis) dummerweise nur gegen Zins (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erfolgt. Eine noch größere Dummheit ist es, den Zins zu verbieten, denn dann befindet man sich sofort in der Liquiditätsfalle. Wie lässt sich also die Marktwirtschaft (Paradies) "bebauen und bewahren", ohne dass sie ständig vom Privatkapitalismus (Erbsünde) zerstört wird?

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2017/01/der-weisheit-letzter-schluss.html

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Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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