Montag, 21. Februar 2011

... wenn man sich beim Denken selber zensiert

Noch vor einigen Tagen schrieb ich hier - "Das Zeitfenster hat sich geschlossen". Das war für mich der Ausdruck meiner tiefen inneren Zerrissenheit über die momentanen politischen Ereignisse, die sich überall auf der Welt überschlagen. Vor meinen Gedanken baute sich ein unüberwindbare Denk-Schranke mit TABUs auf, die an Selbstzensur und politische Korrektheit erinnern. Es waren die mahnenden Worte der Moral und Tugend, die mich zurück schrecken ließen. Ich verhängte mir einen eigenen Maulkorb.

Vor mir bautet sich das mächtige Wesen DEMOKRATIE auf, das unfehlbar und unkritisierbar im Glanz seiner eigenen Gerechtigkeit strahlte und die Menschen in seinen Bann zog; vor dem sie stehen, es mit ihrem Blut verteidigen, egal wie ungerecht sie von ihm behandelt werden.

Ich blickte mit gemischten Gefühlen auf die demonstrierenden Massen in Afrika, die sich für eine parlamentarische Demokratie einsetzen und im Grund nur nach Arbeit und Auskommen verlangen. Wie gebannt starrte die "Erste Welt" - das "reiche Europa" in den heißen Süden, auf unser Nachbarkontinent und feierte frenetisch den Aufstand der Armen und deren Ruf nach Demokratie. Ganz so als ob diese Freiheitsbewegung nach Demokratie unsere Welt hier im reichen Europa heilen könne.

Die Berichterstattung war angeheizt aus den USA. Unablässig flimmerten die Bilder von CNN und All Jazzira über die europäischen Bildschirme, bis auch hier die Sender mit Liveberichterstattungen einstiegen. In Deutschland wäre wohl am liebsten auf Großleinwänden die Befreiungsaktion der Ägypter übertragen worden. Es ergab sich eine ausgelassene und euphorische Partystimmung in Deutschland. Nur die zitternde Stimme der Bundeskanzlerin befremdete etwas, als sie ihre Freunde über die Befreiung der Ägypter erklärte.

Ich sah auf der einen Seite ein Volk das nach Demokratie schrie und eigentlich Arbeitsplätze und Nahrung meint. Auf der anderen Seite sah ich hier in Europa und den USA Demokratien, die all das was die Ägypter wollen, ihren Völkern nicht bieten können. Die Bewohner Europas und den USA bangen um Arbeitsplätze und Auskommen. Um die Definition "Soziale Gerechtigkeit" wird hier in Deutschland erbittert gestritten und die Regierung - unsere Demokratie - versteht soziale Gerechtigkeit mittlerweile als soziale, gesetzlich legitimierte Ausgrenzung. Wir sind also in unseren Demokratien auf den Weg hinein in eine ägyptische Gesellschaftsordnung, die gerade nach Demokratie verlangt. Das sprengt jede logische Vorstellungskraft und versetzt mich zumindest ins AUS des Denkbaren.

Diese Wahrnehmung baute sich in mir als Selbstzensur auf, denn Demokratie ist nicht diskutierbar. Alles was sich Demokratie nennt ist auch Demokratie und daher unantastbar. Wir haben schließlich freie Wahlen und alle Möglichkeiten der Freiheit, wenn wir das nötige Kleingeld haben. Doch diese Möglichkeit hatte ein Ägypter auch unter Mubarak, also sind all die Menschen auf der Straße die kein Geld haben, um sich ihre Freiheit zu kaufen. Sie wollen Demokratie, um mehr Geld zu haben, um frei zu sein. Das ist die Definition von Freiheit in unserer Wertegesellschaft und daher unabhängig von der Regierungsform die gerade ein Land beherrscht. Es ist aber politisch korrekt und akzeptiert sich gegen ein Regime aufzulehnen, das nicht demokratisch ist. Deshalb haben nach 30 Jahren die westlichen Länder festgestellt, dass Ägypten und Tunesien keine Demokratien sind, obwohl die vorangegangen Jahre diese Länder nie als Diktatur im Gespräch waren. Das war sozusagen die internationale Legitimation zum Volksaufstand. 

Die Ägypter tun das natürlichste auf der Welt. Sie wollen eine Diktatur los werden, die sich als Wirtschaft und Humankapitalverwalter sieht. Unsere westlichen Demokratien sind ihr Vorbild - so wird es in jedem Fall durch unsere Medien uns erzählt.

Doch was haben wir für Demokratien? .... sie trifft hier in Deutschland auf ganzer Länge wirtschaftliche Abkommen mit Großkonzernen, um uns angeblich zu dienen. Ich konnte mich einfach nicht gegen den Eindruck wehren, dass wir das gleiche Mubarak-Regime als parlamentarische Demokratie alle vier Jahre in abwechselnden Farben wählen dürfen. Noch größer war daher die Wahrnehmung, dass bei mir nicht die richtige Freude und Empathie mit den ägyptischen Aufstand einstellen wollte. Ich war viel mehr von einer Angst gelähmt, was wohl passieren wird, wenn diese Menschen feststellen werden, dass eine Demokratie ihnen genauso wenig Arbeitsplätze und Auskommen verschaffen kann, wie unsere Demokratien hier auf europäischem und amerikanischem Boden.

Noch mehr plagt mich der Gedanke, ob ein weiterer Aufstand in einer ägyptischen, parlamentarischen Demokratie ebenso erduldet und vom Militär unterstützt wird, wie der jetzige im Jahr 2011 unter einer Diktatur in Ägypten? Es ist sehr schwierig die Frage nach einer wirklichen und echten Demokratie zu stellen, wenn man angeblich in einer richtigen Demokratie lebt.

Realistisch betrachtet ist die Erwartungshaltung an die Demokratie in Europa gleich NULL, aber in Afrika ist ein glühender Gedanke an Freiheit, Selbstbestimmtheit und vor allem Wohlstand direkt mit Demokratie verknüpft, weil sie es so erzählt bekommen. Ihnen sind unsere Sorgen um Arbeitslosigkeit und Armut nicht bekannt.

Ich vergleiche unsere Demokratie mittlerweile mit Betriebsräten. Ägypten ist für mich Lidl, der auf einmal einen Betriebsrat zulassen muss - das ist für mich der Kompromiss in diesem Denkwirrwarr. Das restliche Nordafrika wird sich auch seinen Betriebsrat wählen, der seine Interessen gegenüber der Wirtschaft vertreten soll.

Eine Demokratie ist nicht anderes als ein Betreibsrat

Demokratien sind in unserer Wertegesellschaft nämlich nichts anderes als Betriebsräte. Derjenige der Betriebsrat werden will verspricht Wohlstand, Altersvorsorge und soziale Absicherung im Krankheitsfall, solange es die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zulässt. Wir wissen alle aus Erfahrung, dass jeder Betriebsrat vor der Geschäftsleitung einknickt, wenn nicht die gewünschten Gewinne sich einstellen. Betriebsräte können sich sogar mit Entlassungen und Lohnkürzungen abfinden. Sie sind die besten Diplomaten, die eine Geschäftsleitung sich wünschen kann. Sie haben direkten Kontakt zur Belegschaft und können nach 100 geforderten Entlassungen und harten Verhandlungen mit der Unternehmensleitung verkünden, dass NUR 80 entlassen werden und das "sozial" verträglich. 

Daher ist meine Freude für Ägypten und seine angestrebte Demokratie bzw. Betriebsrat in engen Grenzen und mit Wehmut vermischt. Unser Betriebsrat hier in Deutschland ist gerade in Begriff das aufzugeben, was Ägypten gerade einfordert - Soziale Gerechtigkeit - Es bleibt anzumerken, dass Ägypten ist in keiner besseren wirtschaftlichen und finanziellen Verfassung ist als Deutschland.

Es sind nicht wenige in Deutschland, die glauben, dass auch hier gegen den Betriebsrat rebelliert werden kann. Doch ein Betriebsrat ist eine geduldete, demokratische Organisation in einem global aufgestellten Firmennetzwerk, das jederzeit mit wirtschaftlichen Handlungen gegen den Betriebsrat Stimmung machen kann. In diesem Sinne prallen alle unsere demokratischen Entscheidungen am Bollwerk dieser Denkbarriere ab, die die Demokratie als Farce erscheinen lassen und Staaten als Luftschlösser enttarnen. Das ist die große Weiße Wand, die unsere Vorstellungskraft von Freiheit und Gerechtigkeit jedes Mal blockiert und freie Gedanken zurück weist, als Freveler und Freiheitsberauber. Die Synergieeffekte werden sich noch weit aus größer auswirken, wenn diese Staatsunternehmen reihenweise fusionieren.

Überbevölkerung ist kein wirkliches Problem - es ist nur ein Problem der Mächtigen


Die Menschheit steht vor einer großen Herausforderung, vor einem Aufbruch in eine neue Welt des Denkens und der Wahrnehmung. Unsere Vorfahren entschieden sich aufgrund ihrer ansteigenden Population sesshaft zu werden und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Daraus ergab sich Eigentum an Land. Das Recht kam erst später als nicht mehr genug Landeigentum für alle da war und es geschützt werden musste. Diese Regeln sind nun nicht mehr menschlich praktikabel und humanitär verträglich umsetzbar. Viel wissen es, aber verdrängen diesen Gedanken wieder.

Bald sind wir am Scheideweg angekommen. Unsere Population ist mittlerweile derartig angestiegen, dass wir in der Alten Form unserer Wertegesellschaft keineswegs weiter machen dürfen ohne das Risiko einzugehen zu müssen, uns gegenseitig aufgrund von Neid und Gier und Hungerangst umzubringen, weil die Wertegesellschaft wie sie heute existiert nicht mehr für alle zum Überleben ausreicht. Das erzeugt in vielen ein unausweichliches Schreckensszenario, das sie im Denken lähmt und in einer Grube wie ein Hase sitzen lässt, bis der Fuchs ihn schnappt und die Angst endlich vorbei ist. Auf diese Angst zählen die Mächtigen und sie haben unsere Ängste voll im Griff - sei es durch sogenannte Verschwörungstheorien, die sie auch noch mit provokativen Gegendarstellungen anheizen und füttern oder durch simple Hollywoodproduktionen. Wir werden von allen mit Ängsten vor einander her getrieben.

Wir müssen uns selber überwinden und Gedanken denken, die wir bis heute nicht wagten zu denken; TABUs brechen, die in Wirklichkeit keine sind. Demokratie kann nicht nur ein Management für die Belegschaft eines Weltunternehmens sein, sondern sie kann das Unternehmen gerechter und sozialer führen, so dass der Gewinndruck mit einem Mal verschwunden ist und die Abhängigkeiten in Luft auflösen. Sogar der Konsumzwang und die damit verbundene Ressourcenverschwendung wäre wie weggezaubert.

Schafft die Menschheit diese Denk-Aufgabe nicht und sieht die Signal aus Afrika als Stärkung für das mittlerweile veraltete Wertesystem an, werden wir eine Völkerwanderung erleben, die wie ein Feuerball über uns alle hinweg fegen wird.

Ich persönlich bin mir nicht sicher ob die alte Garde der Betriebsräte - unsere angebliche Demokratie - diese Signal überhaupt sieht, geschweige denn versteht und werten kann. Vermutlich reichen ihnen ihre selbst gesteckten Denk-Horizonte nicht aus. Ihre Zensoren schlagen schon beim bloßen Gedanken an direkte Demokratie Alarm. 

... und denken sollte und muss in jedem Fall erlaubt sein. Denken muss frei sein von Emotionen und Tugend- und Moralvorstellen. Das sind gefährlichsten Dornen, wenn die Gedanken freien Lauf suchen. Die alten gedachten Trampelpfade der Philosophie und der Antike sind überholt. Sie begründen sich aus Erfahrungen einer Zeit als die Menschheit noch genügend Raum hatte sich ungeniert auszubreiten und die Natur auszurauben, weil diese noch Zeit hatte sich zu erholen.

Die Menschheit ist an ihre natürlichen Grenzen gestoßen und muss ihr Zusammenleben neu organisieren und alles was früher einmal richtig war, hat in dieser neuen Zeit keine Richtigkeit mehr, denn die Rahmenbedingungen können nicht der alten Formel angepasst werden, sondern es muss ein neue Formel für neue Rahmenbedingungen gesucht werden und sie ist nur mit viel mehr Demokratie erreichbar, und zwar mit so viel Demokratie, dass wir es uns schier nicht vorstellen können.

Demokratie ist viel größer und gewaltiger, als wir sie bis heute jemals lebten und erfahren. Doch wirkliche Demokratie ist auch Selbstverantwortung und Bescheidenheit im eigenen Fordern aus Rücksicht auf den anderen - die Geburtsstunde einer neuen Wertegesellschaft steht an. Die Wehen haben aber noch nicht einmal eingesetzt. Noch geht die Menschheit schwanger mit einer Idee umher, die noch keinen Namen hat. Wir dürfen nicht die zu Geburtshelfern machen, die diesen neuen, noch nie dagewesenen Freiheitsschrei als Gefahr für ihre Macht ansehen. Sie würden ihn ohne Skrupel ersticken.

Eine"Neue und alte Weltordnung" gibt es nur in dieser Wertegesellschaft. Sie ist ihr Gesetz und ihre Spielregel, wenn wir diese Schreckensherrschaft nicht haben wollen, müssen wir nicht die Ordnung kippen und neue an die Spitze setzen, sondern die Wertegesellschaft kippen und eine Wertegesellschaft schaffen, die gar keine u Ordnung der Machtverhältnisse in der Welt fordert.

1 Kommentar:

  1. http://www0.xup.in/exec/ximg.php?fid=72552581

    http://www0.xup.in/exec/ximg.php?fid=14101886
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    Sensation Erdrutschsieg in Hamburg.
    73,4% der Wahlberechtigten haben nicht die SPD gewählt.

    Würden Wahlen was ändern, so wären sie verboten!

    AntwortenLöschen

Ich setze hier Kritikpunkte zur aktuellen Wertelehre (System) an. Einige werden sich davon persönlich in ihrer Meinung zur Umverteilung der Gewinne angegriffen fühlen. Bitte verwechseln Sie "freie Meinungsäußerung" nicht mit einem nicht existierenden Recht auf Beschimpfung und Diffamierung.

Heute ist Politik nur ein Wirtschaftsdiskussion: Wer hat das beste Konzept zur Umverteilung der erzeugten Gewinne in der Marktwirtschaft. Doch diese Diskussionen werden hier nicht mehr geführt. Sie wurden als sinnlos erkannt und sind daher abgeschlossen.

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